Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

Schönberger Kulturkalender

Eröffnung: Alterscoolness 70 +

Termin: Freitag, 15. September 2017  18:00 bis 20:00 Uhr
Ort:Rathaus Schöneberg, Goldener Saal, 1. Stock, John-F.-Kennedy-Platz 1, 10825 Berlin

Was tut ein Singpate, was versteht man unter einem Gottesdienstbeauftragten und welche Aufgabe übernimmt eine Hospizhelferin?
In der Ausstellung „Alterscoolness 70 + – Zwanzig Berliner Ehrenamtliche im Porträt“ wird nicht über Ehrenamtliche berichtet, sondern 20 Ehrenamtliche kommen zu Wort und werden ins Bild gesetzt.
Doch was heißt es eigentlich, ehrenamtlich zu arbeiten, was ist die Motivation und was sind die Erfahrungen, die die Einzelnen dabei machen? So höchst unterschiedlich die Motive sein mögen, so prägen sie doch das gesellschaftliche Klima, denn die Kultur des Helfens ist auch ein Gradmesser für den Zustand der Menschlichkeit in einem Land, stellt Tillmann Bendikowski in seinem Buch „Warum wir für andere da sind“ fest (2016).
Dass den Deutschen das gesellschaftliche Engagement immer wichtiger wird, zeigt ein Blick auf die Statistik. So übte 2014 unter den 40- bis 85-Jährigen fast jeder vierte ein Ehrenamt aus (22,2 %). 1996 war es lediglich jeder zehnte. Damit hat sich die Zahl der engagierten Personen verdoppelt, so der aktuelle Deutsche Alterssurvey 2014 (Deutsches Zentrum für Altersfragen). In Deutschland engagiert sich jeder dritte über 65 bis zu 15 Stunden in der Woche ehrenamtlich. Viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens würden ohne die Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern schlicht zusammenbrechen.
Für die Ausstellung interviewten wir 20 Berliner Frauen und Männer im Alter von 70 bis 89 Jahren. Sie sprechen über ihre Biographie und die Motivation, sich ehrenamtlich in unserer Gesellschaft zu engagieren. Als Rentner immer nur mit dem Rollkoffer durch die Welt zu reisen, das sei nicht ihr Ziel, sagt Gudrun R. (70), die im Nachbarschaftszentrum Steinmetzstraße einmal in der Woche eine Sozialberatung anbietet. Der Singpate Heinz-Jürgen W. (75) ist der Ansicht: „Einfach nichts tun, das ist kein Leben mehr. Ich kann nur sagen, ich lebe jetzt die schönste Zeit meines Lebens, und das erfüllt mich total. Das Singen mit Kindern: Das ist genau das, was mir gefehlt hat.“ Ihr Engagement als Seniorenvertreterin in Tempelhof-Schöneberg fasst Karoline D. (75) so zusammen: „Ich kümmere mich um die, die von der Gesellschaft so gerne geduzt werden,“ sie setzt sich für Ausländer, Menschen mit Behinderungen und Alte ein. „Das Ehrenamt kostet zwar viel Zeit, Engagement und Durchsetzungsvermögen, aber es ist keine Einbahnstraße, wo man einfach seine Zeit lässt.“ Karoline D.s Erfahrung ist, dass das, was man von den Leuten zurückbekommt, viel mehr ist, als das, was man eingesetzt hat.
Die 20 Befragten sind eigenverantwortlich, kompetent und selbstbestimmt in ihrem konkreten Engagementfeld, aber gleichzeitig auch eingebunden in ihre Arbeitskreise, Nachbarschaftszentren, Kulturprojekte und soziale Organisationen. Fazit: Die älteren Ehrenamtlichen sind weder Kostgänger der Gesellschaft, noch Helden des sozialen Berlins, – keep cool – sie haben für sich einen Weg gefunden, das Ehrenamt als einen wertvollen Teil in ihrem Alltag zu verankern.

Die Ausstellung „Alterscoolness 70 + – Zwanzig Berliner Ehrenamtliche im Porträt“, präsentiert Porträtfotos, Interviews und Hörstationen von synopsisfilm. Das Projekt entstand nach einer Idee von synopsisfilm in Zusammenarbeit mit dem Pestalozzi-Fröbel-Haus, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und dem Nachbarschaftsheim Schöneberg e. V.
Nach dem Auftakt der Ausstellung im Rathaus Schöneberg am Freitag, dem 15. September 2017, wird sie bis Ende 2018 an unterschiedlichen Orten berlinweit zu sehen sein. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Öffnungszeiten: täglich 9 bis 19 Uhr, Eintritt frei
Ausstellungsdauer: 16.09. bis 15.10.2017