Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

Schönberger Kulturkalender

Eröffnung: "1000 Tücher gegen das Vergessen"

Termin: Donnerstag, 2. März 2017  19:00 bis 21:00 Uhr
Ort:Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25, 14195 Berlin

Im Zentrum der Sonderpräsentation des Museums Europäischer Kulturen (MEK) steht die „Rolle des Gedenkens“ (Rola Sjećanja), ein Projekt der Schweizer Künstlerin Anna S. Brägger für den Berliner Verein südost Europa Kultur e.V., Leihgeber der Rolle. Das textile Kunstwerk erinnert an die Menschen, die seit 1991 im Laufe der Kriege im ehemaligen Jugoslawien getötet wurden.

Geflüchtete Frauen, die ihre Angehörigen, Freunde und Nachbarn verloren haben, wie auch Frauen aus anderen Ländern, stickten die Namen und Lebensdaten der Toten auf Taschentücher und schmückten sie individuell aus. Damit verliehen sie  ihrer Trauer gestalterisch Ausdruck. Oft war es die einzige Möglichkeit, dem Tod ein sichtbares Zeichen des Gedenkens zu geben. Im kreativen Akt fanden die Frauen oft auch ihren inneren Frieden. Anna S. Brägger fügte die gestickten Taschentücher zu fünf großen Stoffbahnen zusammen und schuf damit ein bewegliches Denkmal. Ein Textil, das derzeit 47 Meter misst und ständig erweitert wird,  auch im Rahmen der Ausstellung.

Die vielfältigen Aspekte zur Rola Sjećanja vermittelt die Ausstellung überwiegend hörbar. Audio-Stationen geben die Erzählungen der stickenden Frauen wieder, zu ihrer persönlichen Kriegs- und Fluchtgeschichte, zur Arbeit an den Taschentüchern, zur Bedeutung dieses Gedenktuchs für die Gesellschaft heute und morgen.

Mit dem zeitlichen Abstand zu den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien beleuchtet die Ausstellung streiflichtartig die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe. Sie geht aber vor allem der Frage nach, wie dieses Kapitel europäischer Geschichte heute in den einzelnen Ländern vermittelt wird. Schulbücher aus verschiedenen europäischen Ländern sind ein unmittelbarer Spiegel des Umgangs mit der nahen Vergangenheit. Länderübergreifende Initiativen bemühen sich zunehmend, einer erkennbar selektiven und nationalistisch geprägten Geschichtsvermittlung entgegenzuwirken. Während der Laufzeit wird ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm die Themen der Ausstellung vertiefen.

Weitere Informationen:
www.stiftung-ueberbruecken.de/rolle_des_gedenkens.php

3. März – 25. Juni 2017