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Schöneberger Kulturkalender

Gregor Hildebrandt: Ein Zimmer im Raum

Termin: Freitag, 14. September 2018  18:00 bis 21:00 Uhr
Ort:WENTRUP, Tempelhofer Ufer 22, 10963 Berlin

Die Galerie Wentrup freut sich, die bisher 7. Einzelausstellung Ein Zimmer im Raum mit neuen Arbeiten von Gregor Hildebrandt zu präsentieren. Gregor Hildebrandt (geboren 1974 in Bad Homburg) lebt und arbeitet in Berlin und ist außerdem Professor für Malerei an der Akademie der Künste in München.

Sein minimalistisches Hauptwerk, welches seit 2004 von der Galerie Wentrup begleitet wird, beschäftigt sich im Wesentlichen mit Konzepten transmedialer Übertragungen von Musik und Poesie in die bildenden Kunst. Als Kernmaterial für seine Arbeiten verwendet Hildebrandt fast ausschließlich Tonträger, etwa Magnettonbänder und Vinyl-Schallplatten, die er zuvor bearbeitet oder bespielt hat, um sie auf seine Leinwände, fotographischen Drucke oder raumgreifenden Installationen zu übertragen.

Ausgangspunkt dieser bisher „buntesten" Show bildet zum einen der einem von R.M. Rilke entlehnte Titel Ein Zimmer im Raum sowie das Schwarz-Weiß-Foto der Einladungskarte. Es gibt den Blick aus dem Bett des Künstlers frei, nach oben zu seiner Zimmerdecke. So wie in den Beschreibungen etwa von Victor Hugo, Stefan Andres oder des hierzulande weniger bekannten Xavier de Maistre in seiner „Reise um mein Zimmer“, betrachtet auch Hildebrandt die vermeintliche Leere und bildete sich dabei in seiner Fantasie die ganze Welt ein: Der authentische Ursprung seines thematischen Universums, aus welchem heute sein äußerst konsequentes Werk entspringt. Die Idee, obsolet gewordene Aufnahmetechniken zu verwenden, die durch die unsichtbar mitschwingende Ebene romantische Themen auf zeitgenössische Art ins Heute übertragen.

Dieses Herzstück und der ultimative Rückzugsort jeder Wohnung, dient in Hildebrandts Fall bis heute als Kraftquelle kreativen Schaffens. Umgeben von Ruhe und trotz, oder gerade wegen, der leer erscheinenden Zimmerdecke, füllt sich der Raum beim Nach-oben-Blicken, unerwartete Ideen und Gedanken strömen ein. Nur am Rande wahrnehmbar ist ein Jugendstil-Fensterrahmen, der zum Hinterhof führt, exemplarisch für die angeschnittene Verbindung zur Außenwelt.

Die zunächst schlicht anmutende Ansicht der Innenarchitektur entfaltet einen eigenen Kosmos, zerlegbar in elementare Einzelteile, um sie dann wieder zusammenzuziehen. Im stillliegenden Zustand taucht er ein in eine Entdeckungsreise, bricht auf zu neuen Territorien, reale und imaginäre, auf eine gedankliche Grand Tour, von der er als Resultat Inspiration wieder mit zurücknimmt. Und als er beobachtet wie sich das Weiß seiner Wand im Zusammenspiel mit dem Schein seiner runden Lampe verhält, verwandelt sich diese zum Planeten, der zu rotieren beginnt.

Dieser stellvertretende Moment jener Transformation wird visuell simuliert durch die strukturierte Raufasertapete, mit der die gesamten Wände der Galerie beklebt sind. Subtil und überraschend erweitert dieses typische westdeutsche Produkt der 1970er Jahre, in die Hildebrandt hineingeboren wurde, die übliche Galerie-Dimension. Inmitten dieser charakteristischen Atmosphäre entwickelte sich bei so manchen die Liebe und das Wissen um die Musik und Poesie.

Teil der Ausstellung ist ein monumentales Tafelbild, mosaikartig zusammengefügt aus 7488 Einzelteilen aus 624 zerschnittenen farbigen Schallplatten mit Aufnahmen einer mit dem Künstler eng befreundeten Band. In einer anderen Arbeit verhilft Anni Albers, die bei Hildebrandt mit ihrer faszinierenden Formensprache schon früh für Begeisterung gesorgt hat, ihm zu einem hypnotischen Tagtraum. Die Musterabfolgen des gewobenen Hochformats in Schwarz sind eine Weiterführung der minutiösen Teppich-Zeichnungen der Bauhaus-Pionierin. Durch die diagonal versetzte Hängung fungiert diese Arbeit als Gegenspieler zur realen Vordereingangstür, wie eine Öffnung unendlicher gestalterischer Möglichkeiten. Auf auf den Rückseiten der Kompaktkassetten-Hüllen des Setzkastens, setzt sich die optisch zurückgekoppelte Projektion des Ausblicks aus dem Bett zusammen: Der Künstler, angezogen, liegend, versunken in Gedanken, er starrt zurück. Das genaue Gegenbild zur Einladungskarte ist die Projektionsfläche, die Hildebrandt als Gegenüber immer wieder zum inneren Dialog einlädt.


Im Oktober 2018 wird Gregor Hildebrandt mit einer großen Einzelausstellung in der Kunsthalle Recklinghausen geehrt.

Hildebrandt hatte zuletzt Einzel- und Gruppenausstellungen in Institutionen wie The Bass Museum of Art, Miami; The Centre Pompidou in Paris; Miami Art Museum, Miami; ICA, Boston; Saarlandmuseum, Saarbrücken; Künstlerhaus Bethanien, Berlin; Berlinische Galerie, Berlin, Museum van Bommel van Dam, Venlo; Contemporary Art Museum St. Louis, St. Louis. Kunsthalle Andratx, Mallorca; Temporäre Kunsthalle, Berlin; Kunstverein Heppenheim; Musée d´Art Moderne de la Ville, Paris und Tel Aviv Museum of Art, Tel Aviv.

Arbeiten von Gregor Hildebrandt in den öffentlichen Sammlungen des Centre Pompidou, Paris; Berlinische Galerie, Berlin; Saarland Museum, Saarbrücken; Sammlung zeitgenössische Kunst des Bundes, Bonn; Museum van Bommel van Dam, AD Venlo; Martin Z. Margulies Collection, Miami; Sammlung Philara, Düsseldorf; Rubell Family Collection, Miami; Vanhaerents Art Collection, Brüssel; Burger Collection, Zurich/Hong Kong; Budi Tek/Yuz Collection, Shanghai und vielen Privatsammlungen.


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