Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

25.01.2011

ACHTERBAHN von Eric Assous

Premiere im Schloßparktheater mit Lisa Maria Potthoff und Robert Atzorn | Regie Roland Lang

Was will sie von ihm? Foto: Hartmut Becker

Das Schloßparktheater hat dankenswerterweise die Stadtteilzeitung zur Premiere eingeladen, das erstemal, seit Dieter Hallervorden die Bühne übernommen hat. Also eine Gelegenheit, wieder einmal unser hübsches Steglitzer Theater zu besuchen, das nun wieder im Reigen der Berliner Bühnen eine Rolle spielt. Schön, wieder hier zu sein, nachdem Andreas Gergen, der uns mit seinen gut inszenierten Musicals unterhalten hat, vor 4 Jahren die Stadt so plötzlich verlassen hatte.

Achterbahn“ wird gegeben, ein französisches Stück. Soll man es eine Komödie nennen? Es hat seine komischen Seiten, und es wird auch viel gelacht. Aber eigentlich ist es eine ernste Angelegenheit. Was tut eine junge Frau, die ihren Vater kennenlernen will, von dem sie nur aus den Erzählungen ihrer Mutter gehört hat, die er vor 25 Jahren sitzenliess? Einfach hingehen: hier bin ich, deine Tochter? So leicht will sie es ihm und auch sich nicht machen. Sie will ihm auf den Zahn fühlen, ihn auf die Probe stellen, und dafür läßt sie sich einiges einfallen. Er weiß nicht, wer diese junge Frau ist, die er in einer Bar getroffen und anschließend zu sich nach Hause eingeladen hat, und der Zuschauer weiß es auch nicht. Die verschiedenen Rollen, die sie ihm vorspielt, versetzen ihn auf eine Achterbahn der Gefühle. Ein kleines Abenteuer hat er sich – vielleicht – erhofft, so genau hatte er sich das wohl gar nicht überlegt. Mal sehen, was sich ergibt. Stattdessen konfrontiert ihn diese komplizierte Person mit allen möglichen Problemen, zwingt ihn, sich mit seinen Wünschen und Vorstellungen auseinander zu setzen. Wer ist sie überhaupt, und was will sie von ihm?

Robert Atzorn, den man u.a. als Tatort-Kommissar aus dem Fernsehen kennt, der auch so seine Probleme mit den Frauen hat, spielt den alternden Verkaufsleiter, dessen Frau und Sohn auf ein Wochenende die Stadt verlassen haben. Unwillkürlich denkt man an den alten Marilyn Monroe-Film „Das verflixte 7. Jahr“ mit einer ähnlichen Konstellation; aber das Thema der Verführbarkeit der Männer wird ja oft und gern beackert. Hier wie dort jedenfalls kommt es anders, als gedacht. Aber auf den überraschenden Schluss ist man dann doch nicht gefasst, bzw. er dämmert einem erst kurz vor der Enthüllung. So endet das turbulente Stück unerwartet besinnlich und versöhnlich.

Robert Atzorn, der nach 20 Jahren Bühnenabstinenz erstmals wieder Theater spielt, verkörpert den eher braven, wenn auch nicht ganz so harmlosen Ehemann, der nicht abgeneigt ist, eine sich bietende Gelegenheit beim Schopf zu packen, mit viel sprödem Charme. Lisa Maria Potthoff nicht zu kennen, ist für Theater- und Kinogänger gleichermaßen und besonders auch für Fernsehjunkies kaum möglich – das Theaterprogramm zählt die vielen Rollen auf, die sie bisher mit Erfolg gespielt hat. Als Juliette in „Achterbahn“ stellt sie ihre Vielseitigkeit wiederum unter Beweis.

Jubelnder Premierenbeifall für ein spannendes Stück.

Sigrid Wiegand

Das Stück steht bis April auf dem Spielplan. Infos unter www.schlosspark-theater.de

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