Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.08.2016

Zurück in den Beruf

Bereits seit 30 Jahren Berufsorientierungskurse im Nachbarschaftsheim Schöneberg

Foto: Hartmut Becker

Die Berufsorientierungskurse für erwerbslose Frauen feiern diesen September ihr 30-jähriges Bestehen. 1980 begann Marianne Konermann, eine der beiden Kursleiterinnen, damit, eine Gruppe von Frauen an der Volkshochschule zu begleiten. Aus diesem Kurs entstanden u. a. „Der befreite Besen“, eine Frauengruppe, die sich mit Catering für Partys selbstständig machte.
Lange Berufsunterbrechung und unterbrochene Erwerbsbiographien zeigten schon damals, wie wichtig ein Bildungsangebot von Frauen für Frauen sein kann. Früher besuchten ausschließlich „Familienfrauen“ die Kurse, was sich jedoch im Laufe der Zeit änderte. Zu Beginn fanden die Frauenkurse in der Kifrie-Musiketage statt, heute ist das Nachbarschaftshaus Friedenau fester Veranstaltungsort.
Im Gespräch mit Marianne Konermann betont sie, dass der Wandel im Arbeitsleben und beruflichen Alltag immer rasanter werde. Nach beispielsweise drei Jahren der beruflichen Unterbrechung, z. B. durch Kindererziehung, entstehen Orientierungsprobleme, bedingt durch technische Veränderungen im Beruf.
Anfangs wurden die EDV-Kurse ohne Computer gegeben, erinnert sie sich. Bald arbeiteten die Coachs mit „tech teachers“ und seit den 90ern mit „BER IT“ zusammen. Die zunehmende Digitalisierung brachte auch neue Bewerbungsmethoden mit sich, weshalb heute auch die Online-Bewerbung und der Umgang mit Jobsuchmaschinen im Kurs ausführlich erklärt werden.

Die „Wende“ war für die Kurse ebenfalls sehr spannend. Zunehmend nahmen auch Frauen aus dem ehemaligen Ostteil der Stadt teil. Das brachte Annäherung wie auch heiße Diskussionen. Die Teilnehmerinnen kamen nun nicht mehr nur aus dem Südwesten Berlins, sondern aus ganz Berlin und nahmen, wie auch derzeit noch, lange Anfahrtswege in Kauf.
Die hohe Nachfrage der Kurse zeigt die Wichtigkeit des Themas Berufsorientierung für erwerbslose Frauen, denn die Situation der Frauen im Beruf unterscheidet sich auch heute noch von der der Männer. Die Herausforderung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist allgegenwärtig.

Begonnen hat Marianne Konermannn mit ihrer Kollegin Rita Bünemann, nun ist Christiane Pods seit 20 Jahren fest an ihrer Seite. Durch ihre Erfahrungen als Deutschlehrerin bei Kidöb und ihre Türkischkenntnisse hat Christiane Pods einen guten Kontakt zu Migrantinnen .
Frauen mit Migrationshintergrund besuchen zunehmend die Kurse, was für alle Beteiligten eine Bereicherung darstellt.

Das Bangen um die Finanzierung begleitet die Kurse von Anfang an. Damals über den Selbsthilfetopf von Sozialsenator Ulf Fink finanziert, gibt es heute eine Co-Finanzierung vom ESF (Europäischer Sozialfond), die regelmäßig neu beantragt werden muss. Eine ausschließliche Förderung über den Senat würde komplizierte Bürokratie ersparen.

Neben den Kernaufgaben sollen die Orientierungskurse für Frauen auch Kontakte schaffen und Unterstützungsstrukturen vermitteln. In den Kursen werden Erfahrungen und Informationen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft. Für viele ist es ein Schritt in ein selbstbestimmteres, eigenverantwortliches Leben.

Der nächste Berufsorientierungskurs für erwerbslose Frauen beginnt am 12. September 2016 im Nachbarschaftsheim Schöneberg, Holsteinische Straße 30, 12161 Berlin

Sarah Felicitas Samura

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