Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

3.05.2021

Zu Fuß in die Gefahr

Von Ottmar Fischer. Je mehr Menschen in großen Städten wohnen, desto lauter formiert sich in ihnen Widerstand gegen die städtischen Lebensbedingungen: Zu viel Verkehr, zu viel Verschmutzung, zu enges Wohnen.

Foto: BI Friedrich-Wilhelm-Platz

Als Zeichen für Änderungswillen und Umweltbewusstsein hat deswegen seit Jahren das Fahrrad Konjunktur. Wurden die ersten Aktivisten in den Zeiten des innerstädtischen Schnellstraßenbaus noch als seltsame Überbleibsel einer vergangenen Zeit angehupt, werden sie heute durchweg als aktive Repräsentanten einer möglichen Zukunft wahrgenommen. Von den Befürwortern dieser Zukunft gefeiert, von ihren Gegnern beschimpft.
Wie stets in den Anfängen neuer Zeiten, kommt es auch diesmal wieder zu Konflikten zwischen Bewahrern und Erneuerern. Die Bewahrer pochen auf ihr in hundert Jahren gewachsenes Gewohnheitsrecht auf Geschwindigkeit per Auto mit Parkplatz vor der Tür, die Erneuerer fordern die Rückeroberung des öffentlichen Raums für verkehrsfreie Begegnungszonen. Um diesen Konflikt zu befrieden, ist viel gedanklicher Aufwand nötig. Vor allem muss differenziert werden. Es ist zwischen Wohngegenden und Geschäftszonen zu unterscheiden, zwischen Haupt- und Nebenstraßen, sowie zwischen Liefer- und Privatverkehr. Gefunden werden müssen also Lösungen, die genau auf das spezielle Konfliktfeld zugeschnitten sind.
Auch am Friedrich-Wilhelm-Platz gibt es einen solchen Nutzungskonflikt. Wie bereits mehrfach berichtet, soll nicht nur der Platz durch die Umsetzung eines preisgekrönten Entwurfs wieder zu einer Stadtoase im Grünen werden, sondern zugleich auch über die bereits gestaltete Durchwegung in der Platzmitte eine Achsenverbindung von der Wilhelmshöher Straße auf der einen Seite des Platzes über die kreuzende Bundesallee hinweg zur Niedstraße auf der anderen Seite entstehen. Doch wer in einer solchen Querungsabsicht aus dem Park heraustritt, und das womöglich auch noch etwas grünbetäubt durch das kurze Naturerlebnis, übersieht leicht die unmittelbar hinter der Begrenzungshecke lauernde Gefahr durch den hier auf dem Fußweg geführten Radweg.
Und diese Gefahr ist real, weil die Hecke die Sicht versperrt und der Blick des Fußgängers eher auf das Signal der Fußgängerampel auf dem Mittelstreifen gerichtet wird als auf die Gefahrenquelle durch kreuzende Radfahrer. Obwohl alle von Kindheitstagen an gelernt haben, vor dem Überqueren einer Straße zuerst nach links zu blicken. Immer wieder berichten Passanten von Beinahe-Unfällen mit Radfahrern an dieser Stelle, weil der Blick zu spät gewendet wurde. Und eine Sekunde kann bereits entscheidend sein. Denn auch unter den Radfahrern gibt es Eilige und sogar Raser wie bei den Autofahrern, darüber hinaus ideologisch vorbelastete Kampfradfahrer, die eine grundsätzliche Vorfahrtberechtigung im Namen der Zukunft reklamieren,so wie sie selbst das oft genug von Autofahrern erfahren haben. Erst im vergangenen Jahr hat ein Radfahrer in der Friedenauer Rheingaustraße einen für ihn zu plötzlich querenden Fußgänger bei einem Zusammenprall so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus verstorben ist.

Zwar soll der gefährliche Radweg im Zuge der geplanten Umbaumaßnahmen auf die Fahrbahn verlegt werden, von wo er einst durch die Planenden für eine autogerechte Stadt auf den Fußweg verdrängt wurde und nun seinerseits die dort parkenden Autos verdrängen wird, doch seit zwei Jahren stockt das Vorhaben wegen einer juristisch ausgefochtenen Differenz zwischen dem Bezirksamt und dem beauftragten Planungsbüro. Das wiederum wollte die Bürgerinitiative Friedrich Wilhelm Platz nun nicht länger  hinnehmen. In einem Akt der Soforthilfe haben Mitglieder und Sympathisanten der BI Ende März an den Schnittstellen mit den Fahrradwegen auf beiden Seiten der Fahrbahn eigenhändig angefertigte Warnschilder angebracht, die den behördlichen nachempfunden sind, künstlerisches Geschick aufweisen und sowohl die Radfahrenden als auch die Fußläufigen mit jeweils eigenen Hinweisen aufmerksam machen sollen. Davon ist jetzt einzig noch das Dreiecksschild mit dem Warnhinweis für die Radler am Park übrig geblieben. Es ist am unteren Dreiecksrand mit dem Logo und der offiziellen Bezeichnung der BI gekennzeichnet  und auf dem obigen Foto zu sehen.

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