Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

6.10.2020

Zehn Jahre Initiative Bundesplatz

Ottmar Fischer. Am Nachmittag des 11.9. war es soweit: Die Initiative Bundesplatz feierte ihr zehnjähriges Bestehen an eben jener Stätte, an der sie in dieser langen Zeit Großes bewegt hat.

Foto: Sabine Marzahn

Weit über hundert Besucher waren dem Aufruf der BI gefolgt, nutzten die von Restaurants am Bundesplatz an Ständen angebotenen Speisen und Getränke, verfolgten die  auf einer Bühne von drei Bands in fliegendem Wechsel vorgetragenen musikalischen und tänzerischen Darbietungen, und sogar eine Modenschau wurde geboten. Zu Beginn gab es einen Überblick über die bisherige Arbeit und Grußworte von Vertretern des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und des Senats. Und zur weiteren Hebung der Feststimmung trug auch eine Losbude bei, wo etwa eine glückliche Gewinnerin mit strahlendem Gesicht eine LP mit Frank Zappa auf dem Cover triumphierend in die Höhe hob, um sie ihren in weiter Entfernung auf Sitzbänken feiernden Bekannten vorzuzeigen.

Am Info-Stand der BI nahm der Verfasser dieses Berichts derweil Kontakt zu Harald Sterzenbach auf, einem Aktivisten von der ersten Stunde an, der anschließend  auf einem Rundgang über das gesamte Areal bereitwillig die Entstehungsgeschichte der BI erläuterte, die Schwerpunkte der bisherigen und zukünftigen Arbeit benannte und dabei pfeiferauchend mit Vorliebe an jenen Punkten verweilte, die eine hervorragende Bedeutung für die Umwandlung der verwahrlosten Grünfläche in eine blühende Landschaft haben. Sein Lieblingsprojekt ist die Errichtung eines geklinkerten Geräte-Häuschens für die Gartenarbeit durch Schüler des Oberstufenzentrums der Knobelsdorff-Schule, wo zukünftige Bauhandwerker ausgebildet werden. Da er selbst dort ehemals als Lehrer tätig war, hatte er Kontakt aufgenommen und den Bau des Gerätehäuschens als praktische Übung im Rahmen der schulischen Ausbildung verabreden können, finanziert über den staatlichen Fördertopf für „Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften (FEIN)“.

Aus diesem öffentlichen Topf konnten über die Jahre auch zahlreiche weitere Maßnahmen finanziert werden, die zur Wiederherstellung des Bundesplatzes als Naherholungsgebiet geführt haben. Dazu gehören die Einfassungen der Grünflächen mit geschmiedeten Bändern in niedriger Höhe, wie sie aus der Kaiserzeit überliefert und Spaziergängern im Tiergarten altvertraut sind. Auf diese Weise wurde auch die monumentale Winzerin im Herzen der Anlage eingefriedet, um die kreisrund angelegte Blütenpracht zu ihren Füßen zu schützen. Und auch die anderen von der Initiative geschaffenen Blumenbeete wurden auf diese Weise gesichert. An jedem zweiten Samstag findet von 10-14 Uhr ein gemeinsames Gärtnern statt, was auf reges Interesse in der Nachbarschaft stößt. Die Arbeiten umfassen die Bewässerung, wozu auf beiden Seiten des Tunnels die aus der Kaiserzeit erhaltenen Wasseranschlüsse genutzt werden, es wird aufgeräumt, gepflegt und gepflanzt. Und bei der Auswahl der Pflanzen wird darauf geachtet, dass es auf den Beeten das ganze Jahr über blüht, weswegen dort neben der Fetten Henne und Lavendel auch die Iris und die Aster zu finden sind.

Von besonderer Bedeutung für die Beendigung des verwahrlosten Zustands war in der Darstellung von Harald Sterzenbach die Abtragung der über 2m hohen Mauer an der Straßenseite, wodurch das Gelände von dort einsehbar wurde. Seither ist die Anzahl der dort gefundenen Dro-genbestecke von 20-30 Stück pro Säuberungsaktion deutlich zurückgegangen. Und auch diese Abtragung wurde von den zukünftigen Bauhandwerkern durchgeführt. Es wurde zudem eine Sockelhöhe stehen gelassen, die  von ihnen überall mit Sitzauflagen versehen wurde. Im Zusammenklang mit den außerdem aufgestellten Bänken können nun die Besucher ganz individuell Orte zum Verweilen auswählen. Und da dieses Angebot von der Nachbarschaft gerne angenommen wird, funktioniert nun auch wieder die soziale Kontrolle auf dem Gelände. Als zusätzlicher Anreiz zum Besuch muss auch die soeben fertiggestellte Gehwegvorstreckung an der Mainzer Straße angesehen werden, die nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit Politik und Verwaltung freilich nicht von den Bauschülern, sondern im Staatsauftrag von einer Baufirma durchgeführt wurde. Wer an dieser Stelle die Grünfläche betritt, wird auf einem gewundenen und mit Kleinpflaster ausgelegten Pfade in das Gelände weitergeleitet. Das andauernde Engagement der Aktivisten hat inzwischen auch zu einem Vertrauensverhältnis und einer guten Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt geführt, was Harald Sterzenbach ausdrücklich hervorhebt.

Der Blick der Initiative geht jedoch noch über das Erreichte hinaus. So soll der aufgrund ihrer Anregung von der Mainzer Straße auf den gepflasterten Vorbereich des Bundesplatzes verlegte Markt noch erweitert werden, indem die eingefassten Hochbeete dort auf eine Weise verschoben werden, die Raum für mehr Marktstände lässt. Und auch über eine Erleichterung der Überquerung der Bundesallee für Spaziergänger von der einen Seite des Stadtparks zur anderen wird nachgedacht. Hier könnte der Wegfall von je einer Fahrspur in der Furt weiterhelfen. Und natürlich bleibt auch die Aufgabe des Autotunnels ein weiterhin verfolgtes Ziel. Denn dieses Anliegen hat die Aktivisten schließlich vor zehn Jahren zusammmengeführt.

Weitere Informationen:
www.initiative-bundesplatz.de

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