Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

2.04.2018

Wo Männer noch Männer sind

Ein Refugium für Männer will er sein, ein Rückzugsort für diejenigen, die gerade keine Lust auf Frauen haben, nicht von Kindergeschrei und Klatsch und Tratsch umgeben sein wollen, wenn sie sich die Haare schneiden lassen.

Firmenschild des neuen Barbiers in der Schöneberger Straße 10. Foto: Thomas Protz

Ein bisschen süffisant sagt er das, denn ich bin ja eine Frau, die da in seinen Barbierladen in der Schöneberger Straße 10 gekommen ist und von ihm wissen will, was ein Barbier heutzutage anbietet: Rasuren mit dem Messer, wie ich das aus meiner Kindheit kenne, wenn mein Vater zu dem kleinen Laden in der Hubertusstraße ging, um sich rasieren zu lassen und ich mitkommen und Mohrchen, die schwarze Katze des Friseurs, streicheln durfte? Ich sah ihn im Geist schon das Rasiermesser an einem langen Lederriemen schärfen.
Nein, Nassrasuren macht er nicht, sagt Erik Giertz, der Barbier, das machen die Türken. Er hat sich dem Haarschnitt und der Bartpflege verschrieben, berate auch bei Frisurenproblemen. Seit vier Monaten bietet er seine Dienste in dem kleinen Kellerladen an, in dem man ihn im Vorbeigehen von der Straße aus bei der Arbeit beobachten kann, das Geschäft liefe gut, er sei meist ausgebucht, manchmal beschäftige er eine Aushilfe.

Bevor es ihn nach Berlin verschlug, an das er sich erst gewöhnen musste, war der gebürtige Mannheimer acht Jahre in der Welt unterwegs, in England, in Holland, hat das Barbierhandwerk gelernt, das auf mittelalterlicher Tradition beruht, die alte Schule. Jetzt sei er hier sesshaft geworden und wolle die Männer der Welt schöner machen. Ein guter Ansatz, nutzt ihn, Männer!

Sigrid Wiegand