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11.04.2016

Wiedereröffnung des Theaters Morgenstern

Theater Morgenstern bleibt im Rathaus 'Friedenau. Nur hat es jetzt einen neuen Eingang in der Hauptstraße.

Musik aus Afghanistan. Foto: Christine Bitterwolf

Lange haben sie gekämpft, um im Rathaus Friedenau bleiben zu können. Erst wurde das Rathaus geschlossen, dann sollte eine Finanzbehörde einziehen, jetzt kommen Geflüchtete. Dabei stand immer die Frage, wo bleibt das Theater Morgenstern mit seinem Programm für Kinder und Jugendliche, im Raum. Nun ist es geklärt. Das Theater bleibt im Rathaus Friedenau, neben den Geflüchteten, vielleicht sogar mit ihnen oder auch für sie.

Die Theaterbühne steht weiterhin im denkmalgeschützten Schlesiensaal. Der neue Eingang liegt jetzt in dem Seitenflügel an der Hauptstraße. Das kahle Treppenhaus wirkt etwas abschreckend, aber dafür gibt es nun draußen an der Hauswand große Transparente, die auf das Theater hinweisen.

Für Integration war Frau Senn Koch, die Leiterin des Theaters, schon immer zu haben. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie mit einer Gruppe von Jugendlichen aus verschiedenen Nationen gearbeitet, dabei waren afghanische, syrische, albanische und deutsche Teenager. Manche lernten noch in Willkommensklassen, andere standen schon kurz vor dem Abitur. Doch alle hatten sie Spaß an den gemeinsamen Theaterproben und dem damit verbundenen Zusammensein im täglichen Leben. Solch ein Projekt soll es in diesem Jahr wieder geben. Die Theaterleute gehen von sich aus auf die neuen Nachbarn zu, sie wollen sie kennen lernen und sie für die Theaterprojekte begeistern.

Die Wiedereröffnung des Theaters Morgenstern am 13. März 2016 war gleichzeitig der Auftakt für ein neues Miteinander. Es wurde ein großes Fest veranstaltet, das den ganzen Tag dauerte. Der Titel der Veranstaltung „Tankstelle für Lebenskunst“ umfasste alles. Auftanken und Kraft schöpfen für das Leben, für ein neues Leben, für die Kunst zu leben überhaupt  und für ein Leben mit der Kunst, der Theaterkunst.
Damit auch die Flüchtlinge wussten, worum es ging und was ihnen an diesem Tag dargeboten wurde, hatten einige der Jugendlichen, die schon ein bisschen Deutsch sprechen können, es übernommen, das Programm in ihre Heimatsprache zu übersetzen und im Wohnheim auszuhängen.

Das Fest begann mit einer musikalischen Darbietung. Der Cellist kam aus Rumänien und gehört schon seit langem zu dem Theater-Ensemble und der Mann am Fagott kam aus einer geflüchteten Familie.
Und so ging es den ganzen Tag weiter. Vorführungen, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten für alle Leute rund um den Breslauer Platz. Übersetzer waren immer dabei.

Höhepunkt des Tages war die Theatervorstellung am Abend. Auch hier war das Publikum sehr gemischt, Friedenauer Familien und Bewohner aus dem Flüchtlingsheim saßen nebeneinander und lachten miteinander.
Zu Beginn hielt Frau Senn Koch eine Eröffnungsrede und begrüßte alle Zuschauer herzlich. Neben ihr vor der großen Bühne stand eine kleine iranische Frau, die die Ansprache übersetzte.

Das Theaterstück „Das Trollkind“ war bewusst für die aktuelle Situation ausgewählt. Eine Bauers-frau, deren eigenes Kind vertauscht wurde, zieht ein hässliches und unberechenbares Kind der Trolle auf. Obwohl alle Menschen um sie herum sie deswegen verachten und ablehnen, fühlt sie sich verantwortlich für dieses Kind, das ihre Hilfe und ihren Schutz braucht. Obwohl sie selbst von Zweifeln geplagt wird und überlegt, ob sie es nicht ohne das Trollkind einfacher haben würde, lässt sie das Kind nicht im Stich. Entsprechend ihrer Fürsorge behandelten auch die Trolle ihren Sohn gut und er kehrt am Ende zu ihr zurück. So hat sich der Einsatz und die Aufopferung für die Frau gelohnt und ihr am Ende Glück gebracht.
Die drei Schauspieler, die an diesem Abend auf der Bühne standen, verkörperten insgesamt sieben Figuren. Viele Szenen des Stückes wurden ohne Worte dargestellt. In pantomimischen Gesten spiegelten die Schauspieler die Zweifel und den inneren Zwiespalt deutlich wieder. Und auch der Cellist im Hintergrund verstand es ausgezeichnet, die Emotionen auf der Bühne zu unterstreichen. So war das Theaterstück wirklich in allen Sprachen verständlich.
Das Bühnenbild und die verschiedenen Kostüme waren mit viel Liebe zum Detail ausgestattet.

Dies war eine gelungene Vorstellung zur Wiedereröffnung des Theaters, und das Publikum bedankte sich mit langanhaltendem Applaus.

Der Abend schloss mit einem Zusammentreffen aller, Publikum, Schauspieler und Veranstalter, die bei einem kleinen Imbiss gemeinsam ins Gespräch kommen konnten, wenn auch zum Teil nur durch Gesten und Gebärden. Begleitet wurde dieses Zusammensein von zwei jungen Afghanen, die auf ihren traditionellen Instrumenten die Musik ihrer Heimat spielten, was andere Jugendliche sofort zum Mittanzen animierte.

Wie sich dieses Zusammenleben in Zukunft entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Theaterleute sind jedenfalls fest entschlossen ihre Bühne für Kinder und Jugendliche aus aller Welt offenzuhalten.

Christine Bitterwolf

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