Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.01.2014

Wie lange noch?

Eine subjektive Wahrnehmung: Bürger wünscht Kiezbibliothek. Regierung wünscht Landesbiblio-thek. Cui bono? Das Geld ist knapp und sitzt doch locker …

Gerhard Hauptmann Bibliothek am Breslauer Platz. Foto: Thomas Protz

Seit nunmehr fast zwei Jahren lebt Friedenau mit einer stark frequentierten Bücherei auf Abruf. Die Aussagen sind widersprüchlich: Erst hieß es, bis Jahresende müsse das Rathaus geräumt sein, um einer neuen Verwendung zugeführt werden zu können, nun ist davon die Rede, aus Raummangel könne das Jugendamt noch nicht ausziehen, womit auch die Bücherei eine Gnadenfrist über 2014 hinaus erhalten könnte. Allerdings wurde noch kein Investor vorgestellt, mit dem Verhandlungen über den Fortbestand der Kiezbücherei aufgenommen werden könnten. Bibliotheksleiter Dr. Boese würde den Standort zwar gern erhalten, “das wird aber schwer“, und verweist auf vertrauliche Beratungen zur Bibliotheksentwicklung. Denn Bibliothekare sind keine Entscheider. Man könnte meinen, es fehle der politische Wille, den Erhalt wenigstens zu versuchen. Liegt es an der schwarz-roten Gemengelage in der Stadt? Gerät eine bildungspolitische Aufgabe zum Kräftemessen mit dem politischen Gegner, verstellen schon die nächsten Wahlen den Blick auf das Bürger-wohl, das doch laut Aussage jeden Parteiprogramms immer im Mittelpunkt des Regierens steht? Wem dienen Staatsdiener?

Wieder ist im Gespräch, kleinere Büchereien zu einer großen zusammenzuschließen. Das ehemalige Hertie-Gebäude an der Schöneberger Hauptstraße soll es werden. Wir sehen umfangreiche Um-bauten und Umzugskosten in mindestens 6-stelliger Höhe auf uns zukommen, da sollte man ganz realistisch sein. Konkurrenzfähigkeit heißt die Devise. Schon allein dieser Begriff im Zusammenhang mit Bildung ist absurd: Die eine Bibliothek soll einer anderen Konkurrenz machen?

Die Stadtteilbibliothek Friedenau ist bestens ausgelastet: allein in 2013 waren es 50.500 Besucher mit 113.500 Entleihungen; 184 Schulklassen und Kitagruppen haben an den pädagogisch sorgfältig konzeptionierten Bibliotheksführungen teilgenommen. Nun wissen also 3.850 Kinder mehr, wie man sich Wissen aus Büchern erschließt. Wenn man also absurd denken möchte, dann müssen wir gestehen: Unsere Bibliothek ist konkurrenzfähig und perfekt an den Bedarf des Bezirks angepasst. Ein Investor könnte sich mit ihr schmücken. Sicher fänden sich Menschen, die zur Vermittlung beitragen würden - wenn, ja wenn der politische Wille Parteigrenzen sprengen könnte.

Sanna von Zedlitz

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