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5.03.2013

Wie hat Juste ausgesehen?

Eine Aue des Friedens sollte es werden. Nach dem militärischen Sieg über das als räuberisch erlebte Frankreich sollte die endlich vereinte Kraft aller deutschen Stämme die Gewähr dafür bieten, dass der Reichsgründung ein Friedensreich folgen würde.

Todesanzeige im Lokal-Anzeiger

Und wie im Großen gedacht, wurde im Kleinen angepackt: Der Gründerzeitaufschwung kam in Gang, auch auf dem Gelände des bisherigen Rittergutes Deutsch-Wilmersdorf, nunmehr Baugrund des „Grunderwerbs- und Bauvereins auf Actien“. Das war 1871.

Mitglied des Aufsichtsrats dieser Vereinigung und einer der ersten Häuserbauer der neuen Siedlung war der Baumeister Hermann Hähnel, nach dem zwei Jahre vor seinem Tod die kurze Straße hinter dem später entstandenen Friedenauer Rathaus benannt wurde. Aber die schnell wachsende Landhauskolonie benötigte auch einen Namen, und der entstand aus der gedanklichen Verbindung des erhofften Friedensreiches mit der Freude über die ländliche Idylle der gerade entstehenden Siedlung. So wurde innerhalb eines Jahres aus der Aue des Friedens zunächst die Friedensaue und schließlich Friedenau.

Schöpferin dieser Namensbildung war Auguste Hähnel, die Frau des Gründervaters. Nach ihr aber ist keine Straße benannt. Darum hat die BI Breslauer Platz vorgeschlagen, dieser Namensfinderin einen ganz besonderen Ehrenplatz zu geben, nämlich den der Brunnenfigur des auf dem Breslauer Platz vorgesehenen Schmuckbrunnens. Um dieser Gestalt ein möglichst lebensnahes Aussehen zu geben, ist die BI auf der Suche nach Fotos und anderen Dokumenten, die in dieser Frage weiterhelfen, nachdem sich herausgestellt hat, dass im Stadtarchiv leider kein Bildmaterial vorhanden ist. Da die Ehe der Hähnels kinderlos blieb, in der Todesanzeige im Lokal-Anzeiger aus dem Jahre 1902 aber von einer Tante und einer Großtante die Rede ist, bleibt zumindest die Hoffnung, dass Nachkommen aus dem Kreis der Verwandten aufzuspüren sind.

Vielleicht gibt es aber unter uns auch Nachkommen der anderen Mitglieder des Landerwerbsvereins von 1871. Einige Namen werden in Veröffentlichungen genannt: A. Kämpf, W. Fröauf, L. Blankenberg, P. Consentius, C. Hacker, H. Simon. Denkbar ist auch, dass sich Unterlagen in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen erhalten haben, etwa bei Nachkommen von Mitgliedern des 1881 gegründeten „Vereins für Beschaffung billiger Wohnhäuser“, die ihre Häuser aus rohen Backsteinen bauten und deswegen „Rohbauern“ genannt wurden (etwa Niedstraße 13, wo Günter Grass lange Zeit gewohnt hat).
Oder bei Nachkommen von Mitgliedern des „Männer-Turnvereins zu Friedenau“ ist etwas aufzuspüren. Oder bei Nachkommen von Mitgliedern des „Haus- und Grundbesitzervereins zu Berlin-Friedenau“: Zehn Jahre nach dem Tod der Namensmutter lauteten die Namen des Vorstands: v. Wracken, Afdring, Bering, Brücker, Dreger, Engelhardt, Mathies, Stöcker, Dr. Thurmann. Möglich ist schließlich auch, dass es Nachkommen der Gründerzeitgeneration in der Kirchengemeinde Zum Guten Hirten gibt, die diesbezügliches Dokumentationsmaterial beherbergen.

Alle Friedenauer sind hiermit herzlich aufgerufen, in ihren Überlieferungsbeständen einmal nachzusehen, ob es dort Hinweise auf die reale Auguste Hähnel gibt, jede Nachricht kann dienlich sein. Sie können Ihren Hinweis senden an:
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Ottmar Fischer

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