Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

7.06.2017

Wie der Barsch nach Schöneberg kam!

ECF ist eine Buntbarsch- und Basilikumfarm in der ehemaligen Malzfabrik in Schöneberg, direkt hinter IKEA, in der Bessemerstraße 20.

Buntbarsche in Wassertanks. Foto: ECF

In der seit zwei Jahren betriebenen Aquaponik-Anlage werden bis zu 20 Tonnen (Hauptstadt-) Rotbarsch und jede Menge (Hauptstadt-) Basilikum gezüchtet. Aquaponik ist eine Wortkonstruktion aus Aquakultur und Hydroponik – eine symbiotische Beziehung zwischen Fischzucht und Hydrokultur. Durch die Kiemen der Fische tritt Ammonium aus und wird in Nitrat umgewandelt. Es entsteht nährstoffreiches Wasser, was nach dem Durchlauf der „Smart Connection“ (Filtereinheiten, Mess-Systeme und Sauerstoffanreicherung) zur Düngung von Pflanzen und Früchten verwendet werden kann. Durch den Einsatz sortenspezifischer Anbauverfahren ist eine Vielzahl wirtschaftlich interessanter Sorten möglich. Wasser ist weltweit ein knappes Gut – ca. 70% des vom Menschen genutzen Wassers werden in der Landwirtschaft verbraucht.
Die Aquaponiksysteme kommen mit einem bis zu 90% geringeren Wasserverbrauch aus als die herkömmliche Landwirtschaft. Zudem sind auf dem Dach der ECF Farm Regenwasser sammelnde Vorrichtungen installiert, die den Wasserverbrauch zusätzlich absenken. Zentrales Thema der Produktion ist es auch, den CO2-Fußabdruck radikal zu senken. Durch Interaktion mit dem Hauptabnehmer REWE ist es gelungen, die CO2- Abgabe deutlich zu senken! Die Produkte Fisch und Basilikum werden in das nur 30 Minuten entfernte regionale REWE-Zentrallager gebracht und nicht durch die ganze Republik gekarrt. REWE schätzt die ECF-Produktion von Basilikum als ausreichend für die Region Berlin / Brandenburg ein. Durch den zusätzlichen Verzicht auf Plastikpaletten werden ca. 6,7 Tonnen Plastikmüll vermieden! ECF verzichtet auch gänzlich auf Antibiotika und Wachstumsförderer.
Die Besatzdichte der Fischtanks beträgt 6% d.h. 94% Wasser und 6% Fisch. Die Mortalität der Fische ist außerordentlich niedrig. Der in der Natur stark überfischte Rotbarsch wird mit 0,2 gr gekauft und dann auf Vermarktungsgröße angefüttert. Fische sind gute Futterverwerter – aus 1,4 kg Futter wird 1kg Fisch. Im Vergleich dazu: für 1 kg Rindfleisch wird achtmal soviel Futter benötigt und weit über 10.000 Liter Wasser. Bedenkt man, dass der Fischbestand sich in den letzten 40 Jahren halbiert hat und 17% der Weltbevölkerung vom Fisch abhängig sind, ist das Farmingsystem wohl ein zukunftsträchtiges Projekt. Über 30% der Fischbestände sind überfischt, ca. 60% sind maximal befischt. Aquakultur produziert bereits heute mehr Eiweiß für die menschliche Ernährung als die Fischerei. Der Vorteil der Aquaponik ist jedoch das gefilterte Kreislaufsystem des Wassers, damit entfällt die Überdüngung natürlicher Gewässer.
Das innovative System von ECF kostet ca. 1,2 Millionen Euro, bietet 10 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz und produziert 1300 Kisten Basilikum pro Woche und 20 t Fisch pro Jahr. Neue Anlagen entstehen zur Zeit in der Schweiz, Brüssel, Albanien und Frankreich. Wer sich für dieses zukunftsträchtige Projekt interessiert, kann jeden Dienstag zwischen 16 und 17 Uhr an einer kostenpflichtigen Führung (5 Euro incl. einem Hauptstadtbasilikum) teilnehmen. Der Hauptstadtbarsch kann probiert werden im Restaurant „Stonebrewing“ am Gasometer, in der Markthalle 9 in Kreuzberg oder im Selbstversuch: Hauptstadtbarsch und Hauptstadtbasilikum kaufen,  Barsch auspacken, auftauen und waschen, Ofen auf 200 Grad vorheizen, Meersalz mit Eiklar und 5 EL Wasser mischen, Fisch mit Apfelscheiben, Kräutern und Gewürzen füllen und im Salz eindecken, 25-30 min backen, Salzkruste freiklopfen und abheben - FERTIG! Guten Appetit.

ECF
Bessemerstr 20, 12103 Berlin
ph: 030.75514840
Di: 16-17 Uhr Führung (5 Euro)
www.ecf-farmsystems.com

Thomas Geisler

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