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25.06.2013 / Orte und Plätze

Westpark, Ostpark – Gleisdreieckpark: gebrauchsfertig.

„Genau hier, wo ich jetzt stehe, sollte ein Autobahnkreuz die Verkehrsströme verteilen“ sagt Norbert Rheinländer und erinnert damit an die Zeiten, als er die Bürgerinitiative Westtangente gründete, um genau das zu verhindern.
Eröffnungsfeier im Westpark
v.l.n.r.: Ex-Bürgermeister Franz Schulz, Elisabeth Meyer-Renschhausen und Norbert Rheinländer werben für Gemeinschaftsgärten
Fotos: Thomas Protz

Fast vierzig Jahre ist das jetzt her. Wir stehen auf einer grünen Wiese und stellen uns schaudernd vor, wie es hier aussähe, wenn sich diese Horrorvision durchgesetzt hätte. Hinter uns quietschen die Hochbahnen der Linien U1 und U2 bei ihrer Überquerung des Geländes des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs: der „Westpark“ auf dem so genannten Gleisdreieckgelände wird heute eröffnet – das Autobahnkreuz war gekippt worden!
Am 31. Mai wurde zur vorzeitigen Eröffnung des „Westparks“ eingeladen. Natürlich ist der Park noch nicht fertig, wie vollmundig propagiert wurde, aber, na ja, so gut wie. Eigentlich sollen es die Benutzer selbst gewesen sein, die vollendete Tatsachen geschaffen und die noch zum Teil Im Bau befindlichen Wege genutzt hätten.

Wie dem auch sei, man kann sich jetzt in beiden Teilen des Gleisdreieckparks, dem Kreuzberger und dem Schöneberger, tummeln. Noch mehr als im „Ostpark“ kann man im neuen Parkteil die Weite erleben, vom Büro Loidl euphorisch als „gefühlte Freiheit“ apostrophiert, die ich allerdings eher in der alten Wildnis erlebt habe und die von vielen Kritikern als öde empfunden wird. Mit den beiden weit geschwungenen Hochbahntrassen, über die in dichter Folge Züge das Gelände queren, hat der „Westpark“ jedoch einen eigenen Reiz. Er ist weniger kleinteilig geraten; einen Großteil des Geländes nehmen der Beachvolleyballplatz und die Kleingärten ein, deren Bestand in einem langjährigen zähen Kampf den Planern abgerungen werden konnte. Ursprünglich war der Platz für den Fußball vorgesehen; da jedoch zunächst das Geld für die Sportanlagen fehlte, bekam die POG (Kleingartenkolonie Potsdamer Güterbahnhof) eine Schonfrist bis 2014 eingeräumt, während derer nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden sollte. Die sind nun gefunden: der Fußball wird auf das Dach des im Bau befindlichen Baumarktes an den Yorckbrücken verbannt - ein interessantes Projekt, auf das man gespannt sein darf. Ein weiteres Beispiel dafür, wie wichtig der Einsatz in Bürgerinitiativen ist.

Zur Eröffnung einige Politprominenz. Nicht mehr Frau Junge-Reyer, die sich den Park bis dato auf ihre Fahne geschrieben hatte, sondern ihr Nachfolger Michael Müller bejubelt jetzt das Projekt. Nunmehr Ex-Bürgermeister Franz Schulz, der sein Amt wegen Erkrankung leider aufgeben musste, erinnert an die Qualität des alten Geländes mit seiner einmaligen Atmosphäre und Natur und der unerfüllten Hoffnung, möglichst viel davon möge in den neuen Park übernommen werden. Norbert Rheinländer rollt noch einmal die Geschichte vom Beginn der BI Westtangente, der Verhinderung des Autobahnkreuzes bis zur Anlage des Parks auf dem alten Güterbahnhofsgelände mit seinen Vor- und Nachteilen auf und mahnt die Fortführung nach Süden als Grünzug durch Berlin an. Nur der Vertreter der POG hat einhelligen Grund zur Freude, weil die ehemalige Eisenbahner-Laubenpieper-Kolonie gerettet werden konnte. Frau Meyer-Renschhausen, deren Herz für den interkulturellen Garten Rosenduft schlägt, informiert über die Geschichte des Urban Gardenings, und Herr Grosch, der Vertreter des Landschaftsplanungsbüros Loidl, kann sich nicht lassen vor Freude über den tollen Park, den sie so schön hingekriegt hätten. Dass nicht jedermann dieser Meinung ist, haben wir schon vor einem Jahr anlässlich der Eröffnung es „Ostparks“ festgestellt: statt des gewünschten Eisenbahn-Naturparks haben wir nun ein schickes Patchwork, das nichts mehr aussagt.

„Ostpark“, „Westpark“ - bei diesen Verlegenheitsnamen wird es sicher nicht bleiben, wie man schon bei der Eröffnungsfeier des „Ostparks“ hören konnte. Es gibt die beiden Grünflächen, die als Bindeglied zwischen dem Tiergarten und dem Gleisdreieck entstanden waren: den Henriette Hertz-Park und den Tilla-Durieux-Park. Was läge näher, diese Tradition weiter zu führen und weitere Frauen zu würdigen? Namen gäbe es genug: Rose Ausländer, Hannah Arendt, Rosa Luxemburg, Helene Weigel, um nur einige zu nennen. Nun sind freilich Henriette-Hertz- und Tilla-Durieux-Park als eher mickrig bis misslungen zu bezeichnen. Ob man sich tatsächlich dazu aufraffen könnte, den Mut aufbringen könnte, eine ausgewachsene, repräsentative Anlage nach einer verdienten Frau zu benennen? Das möchte ich doch noch erleben!

Sigrid Wiegand

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