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06.07.2015 / Projekte und Initiativen

Wem soll man zürnen?

Die 4. Friedenauer Lesenacht stand in diesem Jahr unter dem Motto „Natur“, wie immer lasen an ungewöhnlichen Orten Friedenauer Künstlerinnen und Künstler aus ihren Texten, dem Thema entsprechend diesmal in Gärten, auf Hinterhöfen und Terrassen.
Foto: Eric Pawlitzky

Nun ist der Juni in Berlin ja seit eh und je ein unzuverlässiger Geselle, wie viele verregnete Filmfestspiele hat es gegeben, als die Berlinale noch im Juni stattfand! Aber sei's drum, oft gibt es in diesem Monat, der uns den Sommeranfang beschert, auch Sommertemperaturen, mag sich die Südwestpassage Literatour gedacht haben. Wochenlang hatte die Sonne uns ja auch verwöhnt, Bauern und Gärtner hatten über mangelnden Regen gejammert, und der Fernsehkrimi interessierte nicht, weil uns die Abendsonne noch einmal nach draußen lockte. Und nun das: die Sonne macht sich rar, die Temperatur stürzt, und der lang ersehnte Regen ist endlich da!  Man steckt nicht drin. Wem soll man jetzt zürnen?

Und nun?
Was werden wohl die Gastgeber in ihren Gärten, auf ihren Terrassen machen? - frage ich mich und mache mich auf den Weg, um das zu erkunden. Wie zu erwarten, haben fast alle Ausweichmöglichkeiten, bieten Innenräume an, in denen man vor Nässe und Kälte geschützt ist. Die Buchhandlung Thaer öffnet ihr Geschäft, es ist proppenvoll, alle lauschen dem Entwicklungsroman eines, wieder mal männlichen, Protagonisten.

Aber weiter. Auf meinem Streifzug treffe ich vielerorts auf Grüppchen fragend um sich blickender Literaturfreunde auf der Suche nach dem ausgewählten Leseort, was manchmal gar nicht so einfach ist. Oft muss man von einem Ende Friedenaus zum andern hetzen, weil Leseort und Lesezeit, Alt- und Neu-Friedenau nicht immer gut koordiniert sind. Dadurch verpasst man manches. Hier gibt es Änderungsbedarf! Letztendlich kommt jeder irgendwo an und kriegt etwas zu hören, manche sogar tatsächlich im Freien, wie man mir erzählt. Mutig.

Ein Glücksgriff
Ich tue einen Glücksgriff und lande auf einer Dachterrasse in der Niedstraße mit weitem Blick über die Dächer. Hier möchte ich mal im Sonnenschein sein! Jetzt ist sie nass von Regengüssen, das Ausweichquartier ist ein großer Raum in einem halbwegs ausgebauten Dachgeschoss, halb Trockenboden noch – abenteuerlich! Hier könnte man gut feiern, höre ich öfter. Die Texte über Erich Kästners Friedenauer Zeit passen gut hierher, sie locken viele Leute an, „Du auch hier“? oder „Der schon wieder!“ dringt an meine Ohren. Auch ich treffe Bekannte, es gibt viel zu erzählen. Ich bleibe gleich noch zum zweiten Durchgang, zum Glück, denn die sympathische und großzügige Gastgeberin bietet am Ende ein reichhaltiges Buffet mit leckeren Antipasti an. Nochmals herzlichen Dank!

Die Zeit drängt, ich muss nach Hause, einen Bericht über dieses Friedenauer Ereignis verfassen, die Zeitung wird heute schon gesetzt, Thomas, der Redakteur, hat mir einen Platz reserviert. Was für ein Timing dieses Jahr!

Sigrid Wiegand

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