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26.05.2022 / Menschen in Schöneberg

Weltrekord im Vorlesen

Von Christine Bitterwolf. Es ist geschafft: Der Weltrekord im Vorlesen wurde gebrochen. Der neue Rekord steht bei 21 Tagen pausenlosem Vorlesen. Und Schöneberg war mit dabei. Der Edeka-Markt am Nollendorfplatz hatte sich für den  20. und 21. April als Location für die Vorleser angeboten.
Unsere Redakteurin Christine Bitterwolf im Lese-Einsatz. Foto: Privat

Der letzte Weltrekord wurde 2019 von der Stadt Recklinghausen aufgestellt. Damals wurde an 19 Tagen 456 Stunden gelesen. Das wollte die LeseLounge toppen. 1 Stunde mehr hätte gereicht, um ins Guinnessbuch der Rekorde zu kommen, aber … es passte so gut, den Weltrekord zwischen die beiden wichtigsten Tagen rund ums Buch zu legen. So begann der Rekordversuch am Internationalen Kinderbuchtag, 2. April, und endete am Welttag des Buches, 23.April. Dazwischen liegen 21 Tage. Also wurde das große Ziel in Angriff genommen.
Die LeseLounge e.V., die in München gegründet wurde, aber inzwischen auch sehr viel in Berlin tätig ist, hat sich die Mithilfe der Bürgerstiftung Berlin und des rbb Media gesichert und als Sponsoren u.a. die Firma Edeka aktiviert.

Gestartet wurde im rbb-Fernsehzentrum, wo die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey als Erste vorgelesen hat. Die letzten Stunden des Großen Vorlesens waren dann im Schloss Friedrichsfelde im Tierpark. An den Tagen dazwischen wurde die Veranstaltung abwechselnd in drei großen Bibliotheken durchgeführt und an einigen Tagen auch direkt in zwei Berliner Edeka-Einkaufsmärkten.

So wurde am 20. und 21. April bei Edeka am Nollendorfplatz gelesen. Dieser Laden war deshalb besonders gut geeignet, weil er 24 Stunden am Tag geöffnet ist. Gut abgeschirmt vom regen Kundentreiben im Laden, hinter dem Bäckerei-Verkauf wurde die Technik installiert und eine Leseecke für die Leser eingerichtet, in der ganz in Ruhe pausenlos vorgelesen werden konnte. Leider hat dadurch das Publikum kaum etwas von dieser tollen Aktion mitbekommen. Einige Vorleser haben das bedauert, denn der eigentliche Sinn des Vorlesens besteht doch grundsätzlich darin, dass jemand zuhört. Aber es gab ja den Livestream, in dem man sich jederzeit einklinken konnte, um zu hören, was gerade vorgelesen wurde.
Die ganze Aufnahmetechnik, Mikrophone, Kameras, Laptop-Aufzeichnung wurde zum Teil von den Auszubildenden des rbb betreut.
Für soviel Aufwand und Mitwirkende brauchte es natürlich viel Getränke und Verpflegung. Auch diese wurde vom Schöneberger Edeka-Markt gestellt, außerdem bekam jeder Vorleser noch einen Einkaufgutschein als Dankeschön für die Mitwirkung.

Um 3 Wochen lang rund um die Uhr vorzulesen, dazu brauchte es theoretisch über 1.000 Leser. Es wurde in ganz Berlin immer wieder zur Teilnahme an dem Weltrekord aufgerufen, Radio, Fernsehen, Zeitungen berichteten und auch die Bürgerstiftung Berlin und der VBKI forderten ihre Mit-glieder und ehrenamtlichen Helfer auf, sich in die Leselisten einzutragen. Jeder Teilnehmer durfte nur 1x auftreten und sollte mindestens 30 Minuten lesen. Wer wollte, konnte gerne länger vorlesen. Zwischen den einzelnen Auftritten durfte nicht mehr als 30 Sekunden für den Wechsel pausiert werden.

Es sollten möglichst Kinder- und Jugendbücher vorgelesen werden und es musste immer das ganze Buch vorgelesen werden. Allerdings gab es auch die Möglichkeit, das Buch an den nachfolgen Leser weiterzureichen, so dass mehrere Personen hintereinander ein Buch vollendeten. Wer gerne Lesen wollte, aber selbst keine geeignete Lektüre zur Hand hatte, für den hatte die LeseLounge vor Ort viele Kinderbücher zur Auswahl. Die Regeln für den Wettbewerb waren klar vorgeschrieben. Es war alles gut durchorganisiert.

Obwohl sich viele engagierte Berliner in die Zeitplan-Liste eingetragen hatten, gab es gelegentlich zeitliche Lücken, die kurzfristig gefüllt werden mussten. Dafür sprachen die Mitarbeiter der Leselounge spontan Passanten auf der Straße oder im U-Bahnhof an. An einem Abend sagten sogar die Schauspieler aus einem nahegelegenen Theater zu und lasen mehrere Stunden in der Nacht. Alles wurde genau protokolliert und überprüft. Die Vorleser traten alle ehrenamtlich auf, keiner wurde für seinen Einsatz bezahlt. Es machte ihnen einfach Spaß bei diesem Weltrekord dabei zu sein.

Am Ende steht der neue Weltrekord im Vorlesen jetzt bei 504 Stunden. Es haben insgesamt fast 700 Vorleser aus mehr als 800 Büchern vorgelesen. Die jüngste Leserin war 6 Jahre alt und die älteste war 84. Sogar eine blinde Vorleserin hat sich an dem Weltrekord beteiligt, sie hatte ihr Buch in Brailleschrift vorgelesen.

Die Leselounge, die auch Vorlese-Projekte für Kitas und Senioren anbietet, hat hier das Vorlesen in die Öffentlichkeit geholt und allen in Erinnerung gerufen, wie wichtig es ist, gerade kleinen Kindern schon frühzeitig viel vorzulesen und wieviel Freude es machen kann, die vielen schönen Bücher vorzulesen.

Wie gut, dass sich so viele Berliner und so viele in Schöneberg hier zusammengefunden hatten, um das hochgesteckte Ziel eines Weltrekords zu erreichen.

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