Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

5.05.2019

Wasserriese eingefangen

Der graue März-Himmel hat an diesem Tage gar nicht erst versucht, sein riesenhaftes Wassergesicht zu zeigen. Nur wenige Augenblicke lang ging die Luftfeuchtigkeit überhaupt in einen leichten Niesel über.

Der Düker im Bau. Foto: Berliner Wasserbetriebe

Der Wasserriese hat vor den Anstrengungen der Berliner Wasserbetriebe (BWB) offenbar kapituliert. Aus Anlass der Beendigung der Bauarbeiten zu seiner Bändigung hatten die BWB zum Pressetermin an den Südwestkorso geladen, um noch einmal Rückschau zu halten auf ein Großprojekt, das als sein Nebenprodukt zehn Jahre lang den Parkplatzsuchverkehr rund um die Friedenauer Senke noch über das gewohnte Maß hinaus beträchtlich hatte anschwellen lassen. In sieben Bauabschnitten war es dem scheinbar unbesiegbaren Wasserriesen an den Kragen gegangen, der im wiederkehrenden Abstand von wenigen Jahren das Gebiet rund um den Friedrich-Wilhelm-Platz mit Starkregen heimzusuchen pflegt und in der Vergangenheit in eine nur mit Gummistiefeln passierbare Flusslandschaft zu verwandeln beliebte. Das kann er nun nicht mehr!

Denn im Zuge der 21 Millionen Euro teuren Baumaßnahme wurde die gesamte Friedenauer Wasserinfrastruktur runderneuert. Von großer Bedeutung für die Funktionstüchtigkeit des erneuerten Systems ist ein zwei Kilometer langer Mischwasser-Entlastungskanal, der die einst oberirdischen Fluten nun unterirdisch fassen kann und an der Varziner Straße infolge des Anschlusses an das Schöneberger Entwässerungssystem nunmehr auch abgeben kann. Die größte Herausforderung für den systemischen Zusammenschluss bildete dabei die Unterquerung der U-Bahn an der Einmündung des Südwestkorsos in die Bundesallee. In dreijähriger Bauzeit wurde hier unter Einsatz von Tauchern der Kampf mit dem Grundwasser bestanden und in 20m Tiefe ein voluminöser Düker eingebaut, der wie das Knie unter dem häuslichen Abwaschbecken funktioniert. An dieser Stelle fand deswegen auch der Pressetermin statt. Und einige Fotografen der Berliner Presse nutzten die von den BWB angebotene und vorbereitete Gelegenheit zum Abstieg in die Tiefe. In Schutzkleidung und unter Aufsicht des Fachpersonals.

Aber die Bauleitung hatte nicht nur an dieser Stelle große Herausforderungen zu bewältigen. So mussten über weite Strecken parallele Abwasserkanäle und Trinkwasserrohre verlegt werden, was wegen der beengten Verhältnisse den Einsatz einer Tunnelbohrmaschine erforderlich machte. Über sechs Kilometer Kanäle und drei Kilometer Trinkwasserleitungen wurden vergrößert, saniert oder erneuert. Es wurden genau 268 Schächte und andere Bauwerke errichtet, sowie 150 Armaturen ausgewechselt. Und wie auf jeder Baustelle, lief auch hier nicht immer alles glatt. Kurz vor Vollendung des Entlastungsgrabens grüßte noch einmal der Wasserriese mit einem seiner Starkregenüberfälle und ließ die Baugrube absaufen. An anderer und unerwarteter Stelle kamen angeknackste Graugussrohre aus der Friedenauer Gründerzeit zum Vorschein. Und die wegen ihres Standorts über den zu erneuernden Leitungen notwendige Fällung der sechs Kirschbäume am Schillerplatz rief die allerdings unvermeidlichen Anwohnerproteste hervor.

Doch inzwischen sind nicht nur die Bäume neu gepflanzt. Der ganze Platz wurde neu gestaltet und zeigt nun ein viel freundlicheres Gesicht. Er ist nicht mehr so verwunschen wie früher, sondern von allen Seiten einsehbar als lichte und sonnige Aufenthaltseinladung. Und nasse Füße gibt es in Zukunft auch nicht mehr. In der ganzen Gegend nicht.

Ottmar Fischer

 

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden