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6.11.2021

Wasser für die Stadtnatur

Von Ottmar Fischer. Wasser ist ein kostbares Gut. Das merken wir spätestens dann, wenn uns der Durst plagt.

Jeder Wassertropfen zählt. Foto: Rosel Eckstein, pixelio.de

Ohne Wasser wären wir gar nicht da, und das gilt für alles Leben, ob nun pflanzlich oder tierisch. Seit wir auch die anderen Planeten unseres Sonnensystems aus der Nähe betrachten können, treibt uns die Frage um, ob dort ebenfalls Leben möglich ist, was das Vorhandensein von Wasser voraussetzt. Und tatsächlich zeigen auf dem Mars entdeckte Bodenformationen das typische Erscheinungsbild von ausgetrockneten Seen und Flüssen. Da also das einst dort vorhanden gewesene Wasser offenbar in Form von Wasserdampf in die Atmosphäre und mitsamt dieser in den Weltraum verschwunden ist, stellt sich die Frage, ob unserem irdischen Wasser vielleicht ein ähnliches Schicksal beschieden sein könnte.

Zwar verstehen wir so manches nicht ausreichend, um uns ein sicheres Urteil bilden zu können, aber immerhin verstehen wir immer besser, dass die Wasserkreisläufe auf unserer Erde als sehr komplexes System funktionieren, das bei aller Robustheit doch sehr sensibel auf Störfaktoren reagiert. Da der Mensch als Störfaktor hier zunehmend mitmischt, muss er sich nun auch fragen, ob die seit Jahren wiederkehrenden Dürreperioden mitsamt dem daraus folgenden Hitzestress für alle Lebewesen nicht durch ihn selbst hervorgerufen werden. Und da die Forschungsergebnisse diesen Schluss nahelegen, muss er sich schon aus Eigeninteresse fragen, was getan werden kann, um eine Wüstenlandschaft wie die auf dem Mars zu verhindern.

Eine einfache Antwort gibt es nicht, wohl aber einfach zu handhabende Teillösungen, die in der Summe die erhoffte Wirkung zu zeitigen vermag. So ist es zum Beispiel sinnvoll, den natürlichen Kreislauf des Regens über die Flüsse zum Meer und von dort über die Wolkenbildung zurück zum Regen besser zu nutzen. Da muss sich die Landwirtschaft wieder mehr um die Humusbildung kümmern, damit das Wasser länger im Boden bleibt und nicht einfach durch die ausgelaugten Flächen hindurch abläuft. Die gängigen Monokulturen müssen durch eine kleinteilige Bewirtschaftung mit wechselndem Sortenanbau ersetzt werden. Denn zu einem vielfältigen Bestand an Pflanzen gesellt sich ganz von alleine eine Vielzahl von Lebewesen, bis zur millionenfachen Vielfalt von Kleinstlebewesen im Boden, die nicht nur die für ein gesundes Wachstum der Pflanzen nötigen Nährstoffe erzeugen, sondern auch das Wasser binden. Schließlich bestehen alle Lebewesen überwiegend aus Wasser.

Diese Umstellung auf Vielfalt zu Ungunsten von Mordmaschinen wie Kunstdünger und Pestizide gilt natürlich auch für die Pflege des Baumbestandes. Im brandenburgischen Umland gehen riesige Waldflächen zugrunde, weil schnell Nutzen bringende Fichten als Flachwurzler nicht an die Grundwasser führenden Schichten gelangen und im Hitzestress der Dürrejahre nun sterben müssen. Auch hier ist also die Rückkehr zu Mischkulturen angesagt. Tiefwurzler wie Eichen und Buchen bereiten in einem gesunden Mischwald auch den Boden für andere Pflanzen, und obendrein für eine Vielzahl von Lebewesen, die dann im Zusammenwirken das Wasser im Boden binden. Und dadurch kann das System Wald auch Dürreperioden besser überstehen. Die kranken und sterbenden Stadtbäume lassen überdies die Frage aufkommen, was denn in den Städten getan werden kann, um die Lage zu verbessern.
Auch hier richten sich die Überlegungen vordringlich darauf, wie das Regenwasser besser im Boden gehalten werden kann und nicht ungenutzt in der Kanalisation verschwindet. Die Berliner Wasserwerke haben dazu unlängst als Maxime ausgegeben, möglichst viele bislang versiegelte Flächen wieder zu begrünen und mehr Regenwasser in Stauräumen zu sammeln, von wo aus das kostbare Nass dann in den Boden sickern soll. Ein aktuelles Beispiel für ein solches Vorgehen bietet die in diesem Sommer durchgeführte Sanierung und Erweiterung des Auffangbeckens am Priesterweg. Auch hier soll das gesammelte Regenwasser bedarfsgerecht in den Boden sickern und nicht der Kanalisation zugeführt werden. Aber zusätzlich soll die Fläche nun auch noch auf ganz andere Weise der Natur dienen.

Denn oberhalb der unterirdischen Anlage ist in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtier Stiftung, die auch das Saatgut gestellt hat, eine Wildblumenwiese angelegt worden. Die hier zur Nährstoffbildung eingebrachten Magerböden sind speziell auf die Bedürfnisse der einzelnen Arten abgestimmt, wodurch in Zukunft die Selbstaussaat gerade jener Pflanzen begünstigt wird, die den Nahrungsansprüchen von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten entgegenkommen, was auch dem Vogelbestand im benachbarten Naturschutzgebiet Schöneberger Südgelände aufhelfen wird. Ideengeber war hier wieder das Grünflächenamt, das im vergangenen Jahr bereits auf dem Gelände des Spielplatzes am Alarichplatz und auf dem Friedhof Eydtstraße Wildblumenwiesen angelegt hat. Wir dürfen also hoffen, dass diese Beispiele Schule machen.

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