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29.02.2016

Was wäre das Südgelände ohne Rita Suhrhoff?

Der „Natur-Park Schöneberger Südgelände“ ist weit über Schöneberg hinaus bekannt.

Foto: Grün Berlin

Familien gehen hier spazieren, Touristen sind interessiert, Kunst und Theaterliebhaber erleben hier immer wieder kleine Events. Die Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr.
Immer wieder gerne wird über das Südgelände berichtet. Aber wer steckt dahinter? Wer sorgt dafür, dass dieses Kleinod so attraktiv ist und immer wieder neue Attraktionen bietet?
Die treibende Kraft auf dem Südgelände ist Frau Rita Suhrhoff. Sie hat viele Ideen für diesen Park entwickelt. Sie hat Natur und Kunst verbunden. Sie sorgt sich um den Erhalt der alten Eisenbahn-Anlagen und kümmert sich um aktuelle kulturelle Events.

Frau Suhrhoff stellt sich nicht gerne in den Vordergrund, sie spricht nur sehr zögerlich über sich selbst, immer wieder lenkt sie das Gespräch schnell zurück auf den Park und seine Projekte. Doch steckt eine zielstrebige Persönlichkeit in ihr.
Gleich nach dem Abitur ist sie von Niedersachsen nach Schleswig- Holstein gegangen, weil dort die Ausbildungsbedingungen zur Landschaftsgärtnerin besser waren. Diese Ausbildung in einer Baumschule, die sie schon mit Blick auf das nachfolgend geplante Studium absolvier-te, schloss sie bereits nach einer verkürzten Ausbildungszeit ab. Bei der Wahl zwischen Berlin und München als Studienort, wählte sie dann Berlin. Hier studierte sie an der TFH Landes-pflege. Schon während des Studiums jobbte sie in einem Gartencenter, in dem sie nach erfolg-reichem Studienabschluss sofort einen Arbeitsvertrag erhielt. Aber allein der Verkauf von Pflanzen war ihr nicht genug. Sie beriet die Kunden individuell  und manchmal ging sie auch hin und sah sich die Problembereiche der Ratssuchenden vor Ort persönlich an, um ihnen fachgerechte Hilfe und gärtnerische Planung anzubieten. So blieb sie in dieser Zeit weiter aktiv mit der Natur verbunden. Nach etwa zwei Jahren war es ihr aber doch nicht mehr genug und sie suchte nach einem neuen Betätigungsfeld. Im öffentlichen Dienst? Allen Vorurteilen zum Trotz stellte sie fest, dass es auch dort interessante Aufgaben gab, erst im Bezirksamt Steglitz und bald bei der Grün Berlin GmbH, wo sie nun seit über zwanzig Jahren arbeitet. Diese landeseigene Unternehmensgruppe ist für die Entwicklung und den Betrieb komplexer Freiraumprojekte und Parkanlagen in der Stadt verantwortlich. Im Rahmen dieser Aufgaben war Frau Suhrhoff erst in die Entwicklung des Britzer Gartens eingebunden, aber bald auch zuständig für den Naturpark Südgelände.
Das Südgelände war als „Weltweites Projekt“ der Expo 2000 anerkannt. Zu Beginn ging es nur darum, den Status zu erhalten, aber dann entdeckte Frau Suhrhoff das Potential, das auf diesem Gelände entwickelt werden konnte. Endlich war sie da angekommen, wo sie sich voll entfalten konnte. Was anfangs nur ein Halbtagsjob war, hat sich inzwischen weiterentwickelt und füllt sie nun ganz aus.
Die Künstlergruppe Odious - die den durch das Naturschutzgebiet führenden Steg entwarf  und baute - war schon da, als Frau Suhrhoff anfing sich hier zu engagieren. Seit 2011 hat die Shakespeare Company Berlin ihr zu Hause im Südgelände und seit 2013 steht Fräulein Brehm hier auf der Bühne. Besondere Höhepunkte waren es, als 2008 im Rahmen des Theatertreffens der Berliner Festspiele ein 192-Stunden-Theaterstück in der alten Lokhalle inszeniert wurde und als 2014 Musiker der Staatskapelle dort ein Konzert gaben. Die Verbindung von Natur, Kunst und Kultur scheint ein Erfolgsrezept zu sein. Um das alles noch zu professionalisieren hat Rita Suhrhoff 2014 an der Universität Potsdam eine Fortbildung zum Thema Management für Kunst und Kultur erfolgreich abgeschlossen.
Natürlich ist die Förderung der Kunst nicht die einzige Aufgabe in dem Park. Um die Pflan-zen kümmert sich die oberste Naturschutzbehörde. Aber auch die Sicherheit auf dem Gelände muss gewährleistet werden. Welche Wege müssen im Winter von Schnee und Eis befreit werden? Was ist zu tun, wenn die Baumwurzeln sich so gut entwickeln, dass sie die Rollstuhl-fahrer-Rampe anheben? Wer weist die Besucher darauf hin, dass sie nicht im Naturschutzge-biet ihre Decke ausbreiten und grillen dürfen? Rita Suhrhoff und ihr kleines Team kümmer sich darum. Der Wasserturm muss saniert werden, die Statik der Lokhalle wird geprüft. Na-türlich sind für die Lösung dieser technischen Problem andere Leute zuständig, und doch ist Frau Suhrhoff bei allen diesen Diskussionen dabei.
Die Gestaltung des Naturparks Südgelände ist so gut gelungen, dass sogar regelmäßig Anfra-gen aus anderen Ländern kommen. Überall gibt es Brachland und alte Industriegebiete, die ökologisch und sinnvoll genutzt werden könnten. Dabei sehen andere Städte neidvoll auf das Südgelände. Nachdem sie bereits in Prag einen Vortrag dazu gehalten hat, bereitet sich Frau Suhrhoff jetzt auf eine Fachkonferenz in Kopenhagen vor.
Wie lässt sich dieses breite Aufgabenspektrum mit einem intakten Familienleben vereinbaren? Frau Suhrhoff  schafft es. Da ihr Ehemann ebenfalls Landschaftsarchitekt ist, findet sie daheim mit ihren Themen offene Ohren. Mann und Tochter stehen hinter ihr, manchmal geben sie gute Ratschläge und manchmal üben sie auch Kritik. Und wenn sie zur Vorbereitung der Events gelegentlich am Wochenende an ihren Arbeitsplatz muss, findet sie Verständnis. Aber natürlich begleitet die Familie sie auch gerne mal zu besonderen Veranstaltungen. Und im Urlaub? Sucht Rita Suhrhoff da endlich einmal den Abstand zur täglichen Arbeit? Nein, nicht so wirklich. Sie ist ein Griechenland-Fan. Nicht die großen touristischen Ziele, sondern die vielen kleinen Inseln haben es ihr angetan, das Wandern durch die ursprüngliche Landschaft und besonders, auch in diesem Land, die Verbindungen von alter Kultur mit der Natur haben es ihr angetan.

Nun da sich das Südgelände als Naturpark in Berlin etabliert hat, könnte sie sich zurücklehnen und zufrieden auf ihr Werk schauen. Aber nein, immer wieder neue Ideen spuken durch ihren Kopf. Wie könnte man internationale Interessenten vor Ort informieren? Sollte man für die Besucher des Parks einen Info-Pfad mit Schautafeln über die Geschichte des Ortes oder die seltenen Pflanzen anlegen?
Doch erst mal blickt sie jetzt auf die Eröffnung der Saison 2016. Am Ostermontag geht’s los. Nicht Ostersonntag, denn sie will bestimmt nicht mit dem Osterhasen konkurrieren. Am 26.3. wird das Cafe Paresüd in der alten Brückenmeisterei wieder eröffnet. Erwartungsvoll blickt sie auf die neuen Angebote in dieser Saison. Fräulein Brehm wird die Rauchschwalbe neu in ihrem Repertoire haben, die Shakespeare Company Berlin bringt den „Kaufmann von Venedig“ im Juni zur Premiere auf die Bühne und vielleicht sind die Musiker der Staatskapelle im Herbst wieder zu Gast. Ganz neu wird es eine Poesie-Werkstatt geben, mit Wortspielen und einer Anleitung Gedichte zu schreiben, alles inspiriert durch die Natur.

Was wäre das Südgelände heute ohne Rita Suhrhoff? Eine Frage, die nicht ernsthaft diskutiert werden sollte. Eine Antwort, die sich niemand so richtig vorstellen kann. Seien wir froh, dass sie den Park unter ihre Fittiche genommen hat und so wunderbar weiter entwickelt.

Christine Bitterwolf

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