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27.09.2011 / Projekte und Initiativen

Was versteht Horst schon von Lyrik

Unter diesem Titel erschien ein Band mit Kurzgeschichten von Stephan Sarek. Bei der titelgebenden Geschichte handelt es sich um den Lyrikwettbewerb eines unbedeutenden Ortes, für den sich eigentlich außer den Teilnehmern kein Mensch interessiert.
Stephan Sarek. Zeichnung von Elfie Hartmann

Satirisch wird von den Mühen berichtet, ein bedeutendes Gedicht für diesen Wettbewerb zu schaffen und von der Nervosität, dieses zu präsentieren. Sehr überzeugend wird das Entsetzen und die Verzweiflung geschildert, als der auf Ruhm hoffende Autor bemerkt, dass ihm an Stelle seines literarischen Meisterwerkes ein Einkaufszettel vorliegt, dessen Interpretation dann doch noch prämiert wird, weil niemand zugeben will, dass er von der vermeintlich modernen Lyrik nichts versteht.

Die Erzählungen dieses Buches sind alle in der für Sarek typisch witzigen Art geschrieben. Im Mittelpunkt steht immer der menschliche Charakter mit seinen Schwächen, mal heiter – ironisch, mal bissig - sarkastisch betrachtet. Stephan Sarek scheut sich vor keinem Thema. Stures Verwaltungsdenken nimmt er genauso aufs Korn wie die falsche Wichtigkeit hoch bejubelter Philosophen. Ebenso geht er auf die Folgen von Korruption ein, mal nutzen Eltern die übersinnlichen Kräfte ihres Babys aus, mal werden Menschen zu Schweinen. Aber auch die Macht der Liebe greift er auf, egal ob sie zwei Geldscheine oder Hund und Katze verbindet. Es ist bemerkenswert, wie zartfühlend dieser scharfzüngige Autor Gefühle beschreiben kann.

Seine Geschichten beginnen immer sehr realitätsbezogen und treiben dann langsam, fast unbemerkt ins Absurde ab. Gelegentlich erinnert der Stil an Ephraim Kishon. Seine Erzählungen werden nicht unbedingt von dem Witz getragen, bei dem man sich laut lachend auf die Schenkel klopft. Es ist ein spöttischer Humor, der über Allem steht.

Stephan Sarek wurde am 18.9. 1957 in Berlin Schöneberg geboren. Die Familie wohnte erst in der Motzstraße und ist später dann in die Gotenstraße umgezogen. Heute noch erinnert er sich daran, dass er als kleines Kind in einem Hinterhof-Kuhstall frische Mich geholt hat, und wie gerne er in der Eisdiele „Eisflocke“ an der Ecke Leuthener Strasse Eis gegessen hat, am Besten schmeckte ihm das Waldmeistereis. Im Juni erwartet er nun selbst sein erstes Kind.

Im Gegensatz zu seinen manchmal recht scharfzüngigen Texten erscheint Herr Sarek auf den ersten Blick als recht unauffällig, mit schütterem Haar und kleiner Brille und leiser Stimme; und doch ist er in der Lage, sich auch über sich selbst lustig zu machen.

Seine Lesung im April war leider nur schwach besucht. Vielleicht lag es daran, dass es einer der ersten schönen Sommertage war, und manche Leute das Bücherlesen nur für einen Zeitvertreib bei schlechtem Wetter halten.

Neben mehreren Büchern mit Kurzgeschichten hat er schon vier Romane veröffentlicht, in denen er sich u.a. auch, in seiner satirischen Art, mit gesellschaftspolitischen Fragen wir Altenpflege oder Integrationsproblemen beschäftigt.

Der vorliegende Erzählband ist im fhl Verlag (feine Handlektüre) erschienen, einem kleinen, noch sehr jungen Verlag in der Bücherstadt Leipzig, der von literaturinteressierten Studenten gegründet wurde.

Christine Bitterwolf

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