Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

31.03.2013

Warteschlange beißt Bezirksamt

"Wartelistenmanagement" bei der Vergabe von Kitaplätzen

Heiß begehrt - ein Kitaplatz. Foto: Thomas Protz

Bei Wilhelm Busch heißt es: „Eins, zwei, drei im Sauseschritt – läuft die Zeit, wir laufen mit.“ Doch was beim Laufen noch einleuchten mag, beim Denken wird das schnell problematisch. Besonders, wenn es ums Nach-Denken geht, und da nochmal besonders, wenn hinter lauter Läufern laufend hinterhergedacht werden soll. Auf diesen schwierigen Wettlauf hat sich das Bezirksamt einlassen müssen, weil die CDU-Fraktion in der BVV vor einem Jahr dazu in einem dann auch beschlossenen Antrag den Startschuss gegeben hatte:
„Das Bezirksamt wird ersucht, bei allen Kindertagesstätten im Bezirk abzufragen, - ob diese mit Stand vom 31.1.2012 Wartelisten führen, - wie viele Kinder sich auf diesen Wartelisten befinden.“

Erste Schwierigkeit in der Antwort des Bezirksamts an die BVV am 20.3.2013: „Von 213 Kindertagesstätten im Bezirk haben 145 Kitas geantwortet (!), das entspricht einer Rücklaufquote von 68%.“ Nach dieser Erhebung wurden 6.148 Kinder unter 3 Jahren auf Wartelisten geführt, aber tatsächlich waren nur 4.633 ohne bezirkliche Tagesbetreuung, und das bei 1.297 freien Plätzen.“ Als mögliche Gründe für die nicht in Anspruch genommenen Plätze nannte das Bezirksamt: Elternzeit und „kein Betreuungswunsch“.

Es sei aus diesen Zahlen aber auch zu schließen, dass Eltern diese Listen gern als „Vormerklisten“ nutzten, indem sie einerseits bestimmte Profile von Einrichtungen bei der Anmeldung bevorzugten, andererseits aber auch Anmeldungen in anderen Kitas vornähmen, um einen Platz für alle Fälle sicherzustellen, gern auch jenseits der Bezirksgrenze. Doch leider erfolgten nach der Einnahme eines Platzes oft keine Abmeldungen von den übrigen Wartelisten, so dass die Kitas über den dadurch hervorgerufenen Besetzungsaufwand Klage führten und viele Einrichtungen ihre Wartelisten sogar geschlossen hätten (von den 145 antwortenden Kitas führten 22 keine Wartelisten).

Weil das Problem in allen Bezirken bekannt ist, hat im Jahre 2011 der Rat der Bürgermeister für ganz Berlin ein einheitliches „Wartelistenmanagement“ angeregt. In Zusammenarbeit mit den Bezirken hat der Senat daraufhin mit den Planungsarbeiten für eine gesamtstädtische Datenbank begonnen, die es nach der Inbetriebnahme, die spätestens 2014 gelungen sein soll, dann auch ermöglichen wird, dass ein Kind automatisch von allen Wartelisten gestrichen wird, sobald es einen Betreuungsplatz gefunden hat.

Doch solange werden neben den Eltern auf der Suche nach einem Betreuungsplatz auch die Statistiker im Bezirksamt auf der Suche nach den realen Zahlen dem wahren Leben hinterher laufen müssen.

Ottmar Fischer

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