Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

2.03.2021

Vom Gastronom zum Pfleger - Berufswechsel in Corona-Zeiten

Stephan Kühn wollte einen krisensicheren Job und wechselte nach 33 Jahren in der Gastronomie in die Pflege. Jetzt arbeitet er als Pflegekraft in der Sozialstation Friedenau der Nachbarschaftsheim Schöneberg Pflegerische Dienste gGmbH. Dort wird aufgrund des Fachkräftemangels auch großen Wert auf den Quereinstieg von motivierten, zukünftigen Mitarbeitenden gelegt.

Stephan Kühn. Foto: Nada Carls-Baudach

Über "Oma", wie Stephan Kühn liebevoll seine Nachbarin nennt, ist der 49-jährige Berliner in die Pflege gekommen. Seit Mai 2020 arbeitet er als Pflegekraft für die Nachbarschaftsheim Schöneberg Pflegerische Dienste gGmbH. Eigentlich ist er gelernter Koch, hat Jahrzehnte in der Gastronomie gearbeitet - zuletzt als Geschäftsführer eines Restaurants am Potsdamer Platz. "Dann kam Corona und ich habe nach etwas Krisenfestem gesucht", sagt Stephan Kühn.

Seiner Nachbarin hilft er schon seit Jahren: Er kauft für sie ein, putzt, kocht, beantragt einen Pflegegrad, bringt ihren Alltag in Ordnung und ihr Leben auf Trab. Seine Erfahrungen aus der Gastronomie sieht Stephan Kühn als Vorteil für seinen neuen Job: "Ich schaue mir die Menschen an, ohne sie zu bewerten." Im Gastronomiebetrieb hatte er ein Gespür dafür, ob er einen Tisch mit feiernden Damen unterhalten sollte oder lieber zurückhaltend Geschäftsleute beim Business-Lunch versorgte. "Diese Erfahrung lässt sich gut auf die Pflege übertragen."

Stephan Kühn bringt mit seiner empathischen Art viel frischen Wind in die häusliche Pflege und gewinnt dadurch das Vertrauen der von ihm betreuten Kundinnen und Kunden. Er packt an, hat aufbauende Worte, motiviert, wo es nötig ist. Im Gegenzug erhält er viel Dankbarkeit. "Viele Menschen haben sich ihren Lebensabend oft anders vorgestellt. Da sitzt man plötzlich im Rollstuhl oder ist nach dem Tod des Partners einsam. Dann hilft manchmal Reden, ehrliches Reden. Und Zuhören. Oder ein Witz. Aber das geht natürlich nicht immer und nicht bei jedem. Aber das kann man rausfinden", erzählt er lächelnd.
Dass der Beruf nicht für jeden gemacht ist, weiß auch Stephan Kühn. Aber das sei nun mal wie in jedem anderen Job auch - "man informiert sich, probiert Dinge aus und am Ende weiß man, ob es das Richtige ist oder nicht". Für Stephan Kühn scheint der Branchenwechsel zu passen: Neben seiner Tätigkeit als Hauspfleger hat er im Oktober 2020 ein Fernstudium zum Fachwirt im Sozialen Gesundheitswesen begonnen und kann sich vorstellen, sich in diesem Berufsfeld weiter zu bewegen - und in der Pflege etwas zu bewegen.

Denken Sie auch über einen Quereinstieg nach oder wollen sich dazu informieren?
Schauen Sie auf unserer Karriere-Seite www.arbeiten-in-der-nachbarschaft.berlin vorbei.

Eva Schmid

Der Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. beschäftigt zusammen mit seiner Tochtergesellschaft Nachbarschaftsheim Schöneberg Pflegerische Dienste gGmbH rund 1.000 Mitarbeitende. Mit seinen sozialen, kulturellen, gesundheitsfördernden und pflegerischen Aktivitäten und Angeboten, mit der Ermunterung zur Selbsthilfe und Beteiligung und mit der Förderung des ehrenamtlichen Engagements verfolgt er das Ziel, soziale Arbeit bürgernah zu gestalten und durch professionelle Dienstleistung das Wohlbefinden der Bevölkerung zu fördern.

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