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7.10.2013

Völkerschlacht 1913 - Grundsteinlegung Rathaus Friedenau 1913

18. Oktober 1913, 12.00 Uhr Rathausplatz in Friedenau; Glockengeläut vom Turm der Kirche „Zum Guten Hirten“; Grundsteinlegung für das Rathaus Friedenau; Bürgermeister Walger spricht zu den auserwählten Versammelten:

1 Hans Altmann (der Architekt), 2 Friedrich Bache, 3 Georg Haberland, 4 Heinrich Sachs, 5 Paul Kunow, 6 Paul Sadée. Foto: Archiv Tempelhof-Schöneberg

„Meine Herren! Der Glockenklang, der eben verhallt ist, erinnert daran, dass vor 100 Jahren unser Volk nach langer Leidenszeit sich die Freiheit  vom fremden Joch erkämpft hat, doch es bedurfte noch einer langen Entwicklung bis auf Leipzig Sedan folgen konnte, bis der jahrhundertelange Traum der Deutschen Erfüllung fand und der alte, im Kyffhäuser verzauberte Barbarossa in Gestalt Kaiser Wilhelm I wiederkehrte. Die außerordentliche wirtschaftliche Entwicklung, die der Gründung des Reiches folgte, führte auch zur Gründung Friedenaus … Wenn wir heute, am Tage der Schlacht bei Leipzig, die unserem Volke die Freiheit brachte, den Grundstein zu unserem Rathaus legen, so ist dies umsomehr ein Tag hoher Freude, als die Vorgeschichte dieses Baues eine Leidensgeschichte ist, wie sie in der Historie der Rathäuser wohl selten zu finden sein dürfte. Schon vor vielen Jahren war der Bau eines Rathauses geplant, aber wegen dringenderer Aufgaben immer wieder verschoben worden. Als aber dann wirklich ans Werk gegangen werden sollte, und statt des bis dahin in Aussicht genommenen Bauplatzes ein neuer vorgeschlagen wurde, entbrannte ein Kampf, der teils von Interessenten, teils von Uneigennützigen mit allen Mitteln geführt wurde …
… Wir wollen dem Wunsch und der Hoffnung Ausdruck geben, dass dieser Bau glücklich und ohne Unfall vollendet werden möge, dass er ein Wahrzeichen für den einigen, aufopfernden Bürgersinn der Gemeinde werde, und daß in ihm die Selbständigkeit, die Wohlfahrt und das Glück der Bürgerschaft allzeit ernste Förderung und unerschrockene Verteidiger finden möge.“

Der Text der Urkunde zur Grundsteinlegung lautete: „Heute, am 18. Oktober 1913, am Tage der 100jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig, im Jubiläumsjahr der 25jährigen Regierung des Kaisers und Königs Wilhelm II. und im 39. Jahre des Bestehens der Gemeinde Friedenau legen wir den Grundstein zu einem Rathause, das ein dauernder Merkstein in der Geschichte des Ortes bleiben soll.“

Welche Zukunft das Rathaus heute – 2013 – nach den vielfachen Querelen hat, ist derzeit noch Spekulation und Gerücht, wozu sich der Autor nicht äußern möchte. So bleibt nur die Erinnerung an Goethes unsterbliche Verse aus Faust II, Verse 12104 ff: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis, das Unzulängliche, hier wird`s Ereignis“

Hartmut Ulrich

Übrigens: Zum 200sten Jahrestag der „Schlacht“ mit immerhin 100.000 Toten hat Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, im Programmheft zum Leipziger Jubiläum im Oktober 2014 den heutigen Zeitgeist treffend beschrieben: „Dass anlässlich des Jubiläums Menschen aus ganz Europa auf den Schlachtfeldern von damals zusammenkommen, um über unsere gemeinsame Zukunft zu sprechen, zeigt, wie weit wir gekommen sind. Heute begreifen wir die Kriege von damals nicht länger als heroische Nationalmythen, die allzu oft instrumentalisiert wurden, um Menschen für die Großmachtfantasien ihrer Herrscher elendig sterben zu lassen, sondern als Kriege, die unendliches Leid über Menschen auf allen Seiten brachten. Teil unserer gemeinsamen europäischen Geschichte sind aber auch die Ideale von Demokratie und Freiheit. Ja, wir sind weit gekommen. Der Traum ist Realität geworden. Wir leben heute in einem friedlichen und demokratischen Europa der Völker.“

Hartmut Ulrich

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