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27.05.2011 / Projekte und Initiativen

Vatertag im Wandel der Zeit

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Ersteres wird gern geübt, weil es angenehm und sehr beliebt Nur will er mit seinen Sünden Keinen guten Zweck verbinden. So schrieb Wilhelm Busch noch 1877.
Dickimatz /pixelio.de

Doch, dass spätere Väter sehr wohl für ihre Kinder da waren, zeigte sich, als eine dankbare Tochter in den USA 1910 für ihren Vater einen Ehrentag einführte. Dieser Vatertag wurde 1936 auch in Deutschland übernommen.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass der Vatertag hier ausgerechnet auf den Himmelfahrtstag gelegt wurde, an dem Jesus aufgefahren ist gen Himmel, um endlich neben seinem Vater zu sitzen.

Allerdings nutzten die Väter diesen Tag früher gerne, um gerade mal von der Familie frei zu nehmen. Einen Tag nicht an die tägliche Arbeit denken müssen und an den Druck, die Familie ernähren zu müssen. Aber auch Männer, die nicht Väter waren, wollten mitfeiern und so entwickelten sich die Herrenpartien. Man zog los mit Kollegen oder Vereinsbrüdern aus den Gesangs-, Turn- und Skat-Vereinen. Handwerker oder Fuhrunternehmer, die Pferd und Wagen besaßen, schmückten diese, die anderen wanderten zu Fuß fröhlich singend mit Kniebundhosen und geschmückten Hüten.

Die Rucksäcke waren gefüllt mit Stullen, die Mama geschmiert hatte, für unterwegs.
Nach dem Krieg waren die Ausflüge nicht ganz so lustig und die Rücksäcke waren leer, dafür hofften die Mamas, dass die Väter von ihrem Hamster-Ausflug etwas zu essen mitbrachten.

In den fünfziger Jahren wurden die Herrenpartien wieder lustiger. Geschmückte Kremser-Wagen wurden am Vatertag gerne angemietet, ansonsten ging es weiter zu Fuß oder auf den Fahrrädern, die mit frischem Grün geschmückt wurden. Mama schmierte wieder Stullen für unterwegs, und wenn die weggeputzt waren, landeten die Männer in der Kneipe bei ’ner Molle und ’nem Korn. Nicht selten endeten diese Ausflüge mit einem allgemeinen Besäufnis.

Im Rahmen der dann verstärkten Emanzipationsbewegung erinnerten die Frauen ihre Männer daran, dass Vater sein auch etwas mit Kindern zu tun hätte, die auch gerne mal einen Ausflug mitmachen würden. Manche Männer ließen sich dann sogar überreden, am Vatertag einen Ausflug mit den Kindern zu machen. Und Mama schmierte doppelt so viele Stullen. Es stellte sich aber heraus, dass diese Vatertags-Touren nicht ganz so lustig waren. Den Vätern waren Zoo-Besuche zu langweilig, den Kindern waren die Radtouren zu lästig und der abschließende Kneipenbesuch lief für beide Seiten nicht optimal.

Also fragten die Väter die Mütter, ob sie nicht auch mitkommen wollten, in der Hoffnung, dass die lieben Kleinen dann weniger quengelig seien. Die Mütter stimmten freudig zu. Das Monopol der Herrenpartie war gebrochen! Und Mama schmiert nun Stullen für die ganze Familie.
Anstelle des Kneipenbesuches treffen sich die befreundeten Väter mit ihren Familien nun abends bei demjenigen, der einen Garten hat, und beschließen den Tag dort mit Bier beim Grillen.
Vielfach wird der nachfolgende Brückentag aber auch genutzt für eine Kurzreise ins Umland oder mit Last-Minute in den Süden. Auch dabei können Väter eine ausgeglichene Familie genießen.

Geblieben ist die Herrenpartie am Himmelfahrtstag für die Jung-gesellen. Auch wenn die Statistik festgestellt hat, dass die Zahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle am Himmelfahrtstag dreimal so hoch liegt wie an anderen Tagen, so entsteht doch zunehmend der Eindruck, es geht den Männern heute nicht nur ums Trinken, sondern in erster Linie darum, fröhlich aufzufallen, zu Land und auch zu Wasser. So sieht man die Männer auf Fahrrädern, Tandems und Quatro-Rädern mit Tischchen, oder in Tretbooten und Party-Booten, d.h. Schlauchbooten mit Grill und Kühlbox. Und sollte eine große Wolke die Sonne verdunkeln, so kann schon mal per Megaphon gutgelaunt der Weltuntergang angekündigt werden ...

Im Zuge der Nostalgie werden aber auch wieder Kutschfahrten unternommen. Sogar in der Schöneberger Hauptstrasse wurde im vorigen Jahr ein Kremser gesichtet.

Christine Bitterwolf

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