Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

17.12.2023 / Projekte und Initiativen

Unsere Kinder werden Smombies

Was bedeutet Smombie? Der Begriff „Smombie“ ist ein Kofferwort, das sich aus den Wörtern „Smartphone und Zombie“ zusammensetzt. Damit sind Kinder gemeint, die stundenlang auf ihr Smartphone oder Bildschirmmedien schauen.
Foto: Mirko Sajkov auf Pixabay

Bereits Babys hängen am Tablet oder Smartphone, Eltern stellen sie mit dem so genannten „digitalen Schnuller“ ruhig. Es ist keine Seltenheit, dass sich unter Dreijährige mehrere Stunden am Tag mit dem Smartphone beschäftigen, sagt die Kinderärztin Gobara.

Immer mehr Kinder haben extreme  Sprachentwicklungsstörungen, Verhaltensstörungen und große Schwierigkeiten im sozialen und emotionalen Bereich. Sie zeigen ähnliche Symptome wie Autisten: „ Die Kinder haben ganz wenig Blickkontakt, haben wenig soziale Motivation, mit dem Gegenüber in Kontakt zu treten. Viele Kinderärzte und Experten empfehlen keine Medien für Kinder unter zwei Jahren! Die ersten Lebensjahre sind eine kritische Zeit für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern. Diese Altersgruppe hat nicht die Möglichkeit, zwischen dem realen Leben und fiktiver Bildschirmwelt zu unterscheiden.

Der Mangel an Interaktionen mit anderen Menschen kann zu einem „virtuellen Autismus“ führen. Die Meinung von Experten ist, dass man nur  in dem gut sein kann, was man auch übt. Fehlt die Übung, kann man auch im Zwischenmenschlichen nicht gut sein. Wenn man keine Übung darin hat, jemand in die Augen zu sehen, zu lächeln oder Menschen in den Arm zu nehmen, wirkt man abweisend. Folglich wendet man sich verstärkt seinem Bildschirm zu. Es besteht die Gefahr, dass diese Kinder kaum soziale Fähigkeiten entwickeln - ähnlich wie autistische Kinder. Autistische Kinder können sich u.a. schwer länger auf etwas konzentrieren, sie können keinen Blickkontakt halten und haben Schwierigkeiten, Gefühle anderer zu erkennen und darauf zu reagieren.

Viele Eltern haben ein durchgetaktetes Leben, Vollzeitjob, Haushalt, Einkäufe, Hausaufgaben und diverse Hobbys (von Kind und Eltern). Ist das der Punkt warum Eltern so wenig Zeit haben sich mit ihren Kindern hinzusetzten und zu spielen? Vielen Kindern fehlt die Beschäftigung mit Bezugspersonen, die emotional auf Gesten und Äußerungen reagieren, oder Dinge benennen, mit denen Kinder umgeben sind. Der Mangel an Austausch mit Eltern und anderen kann sich unter anderem in einer Verzögerung der Sprachentwicklung auswirken.

Medienkonsum kann zu strukturellen Veränderungen im Gehirn von kleinen Kindern führen!

Forscher des Cincinnati Children’s Hospital haben in ihrer aktuellen in JAMAS Pediatrics veröffentlichten Arbeit sogar gezeigt, dass die Menge an weißer Substanz im Gehirn von Kleinkindern, die mehr als zwei Stunden pro Tag vor einem Bildschirm verbringen, anscheinend geringer ist als bei Kindern, die keine Bildschirmmedien nutzen. Die weiße Substanz des Gehirns hilft bei der Verarbeitung und Organisation von Gedanken und anderen wichtigen Funktionen.

Folgende Richtlinien zum Medienkonsum  (TV, Handy, Tablet, Computer etc.) sollten berücksichtigt werden:
•    Kinder unter zwei Jahren (d.h. auch nicht mitschauen oder zuhören, wenn Eltern nebenbei fernsehen)
•    Vorschulkinder: maximal eine halbe Stunde pro Tag vor einem Bildschirm
•    Bis zum Jugendalter: schrittweise Erhöhung der Medienzeit bis maximal zwei Stunden pro Tag
•    Kein Medienkonsum beim Essen
Wie also rauskommen aus der Zwickmühle?
Gemeinsame Zeit kann beim Frühstück beginnen und beim Einkaufen, Wäscheaufhängen oder Kartoffelschälen gefunden werden. Man ist ja nicht stumm wie ein Fisch, sondern redet miteinander.  Erlebnisse und Probleme können beim Abendbrot besprochen werden. Gemeinsam im Bett zu kuscheln und vorzulesen eröffnet unseren Kindern eine Welt zu ihrer eigenen Phantasie. Vorlesen wirkt sich positiv auf die Entwicklung eines Kindes aus. Das Vorlesen bedeutet nicht nur einen Text zu erfassen, sonder auch mit der Bezugsperson die Beziehung zu pflegen. Das gemeinsame Lesen fördert die Bindung und bereitet Spaß, sich gemeinsam in ein Abenteuer zu stürzen. Darüberhinaus lernen Kinder zuzuhören, auf kleine Details zu achten und gleichzeitig mit der lesenden Person ins Gespräch zu kommen. Das fördert Empathie und die Kinder lernen ihre Gedanken in Worte zu fassen. Auf diese Weise fördern die Kinder ihre Konzentrationsfähigkeit, die Merkfähigkeit und Sprachkompetenz, was wiederum die Vorbereitung auf den Schulunterricht ist.  Kindern, die bereits früh vorgelesen bekommen, fällt das Lesen- und Schreibenlernen leichter.
Vorlesen sorgt für Ruhe und Entspannung bei Eltern und Kindern.

Simone Voigt
Logopädie-Rahnsdorf


Quellen:
netzwelt.de (Was bedeutet Smombies)
Kinderaerzte-im-Netz.at
Buch „ Mind Change“ von Neurowissenschaftlerin Susan Greenfielt
welt.de : Nehmen sich Eltern zu wenig Zeit für ihre Kinder?
GEO-Wissen: Warum Vorlesen für Kinder so wichtig ist