Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.03.2021

Unerhörtes aus dem Kiez

Von Elfie Hartmann Die Museen in Berlin werden oder sind teilweise unter den Auflagen aller Pandemie-Vorsichtsmaßnahmen nun wieder geöffnet. Lange Zeit waren sämtliche Museen geschlossen. Bis auf eine einzige Ausnahme, denn da musste doch ein einziges Museum tatsächlich wegen Überfüllung geschlossen werden:

Foto: Elfie Hartmann

Roland Albrecht, der Gründer und Betreiber des Museums, immer für eine originelle Idee gut, ließ sein Museum nämlich nicht menschenleer, sondern es  quasi noch besetzen. Gleichzeitig und auf besonders ausgefallene originelle Art wird es somit noch „bewacht“. Es sollten keine Eindringlinge auftauchen, damit sein Museum in Zeiten der Pandemie unbeschädigt überstehen kann.

Das Museum der Unerhörten Dinge in der Schöneberger Crellestraße kann mal wieder mit Besonderheiten aufwarten: Denn Roland Albrecht ließ einfach an die vierzig Personen einziehen, die sich nun in dem 20qm großen Ausstellungsraum „niederlassen“ durften. (Jeder kann sich ausrechnen, dass für jeden gerade mal ein halber Quadratmeter übrig bleibt.) Albrecht setzte sogar alle gebotenen Abstandsregeln rigoros und entschlossen außer Kraft. Es wurde also gewollt brechend voll, man steht absolut berührungsnah im Raum nebeneinander.

Die dominierenden Persönlichkeiten verlangen allerdings auch ohne Pandemie viel Abstand in jeder Hinsicht. Man hat es erraten, es handelt sich natürlich nur um Pappkameraden, die sein Museum während der Pandemie „bewachen“ sollen. Da steht zum Beispiel ein Konrad Adenauer zusammen mit Michail Alexandrowitsch Bakunin, Anna Freud mit Simone de Beauvoir, Ulrike Meinhof, Bernhard Grzimek, Karl Valentin, Frank Zappa, Robert Walser, Tadeusz Kantor …
Einige drängeln sich in den Vordergrund, ein paar ducken sich weg, einige zieren sich sichtlich auch ein wenig.
Zitat vom Museumsbetreiber dazu: „ Mit all ihnen habe ich mich eine Zeit lang identifiziert, hab sie gelesen, gehört, gefressen, sie mir einverleibt, mit dem Resultat, dass sie ein Teil von mir geworden sind. Die einen finde ich immer noch gut, die anderen eher peinlich, aber was soll ich machen? Ich könnte sie in mir verbannen, verleugnen, sie nicht wahrnehmen, verschweigen, aber was nützte das? Sie würden nur ein von mir verborgenes, unruhiges Leben weiterführen. Sie würden in mir wie geschichts- und gesichtslose Gespenster herumspuken. Ich kam mit ihnen nach langen, zum Teil komplizierten Ausgrabungen wieder ins Gespräch und konnte sie als Pappkameraden neu erschaffen.“

In dieser Funktion, als Pappkamerad/innen haben sie das Museum „besetzt“, so dass es nun wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Man darf weiterhin neugierig bleiben und nicht nur im April über den Betreiber weiter schmunzeln.

Museum der Unerhörten Dinge
Crellestraße 5-6, 10827 Berlin
Tel. 030 7814932

Coronabedingt bleibt die Möglichkeit eines Besuchs innerhalb des Museums leider ungewiss. Jedoch ist der Ausstellungsraum bis auf Weiteres im Schaufenster gut einzusehen, siehe auch Foto.

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