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10.07.2018

ÜBerlin versilbert den Kreisel

Seit April wird intensiv und zügig an einem weiteren Stern des Berliner Immobilienhimmels - diesmal am Rathaus Steglitz - gearbeitet. ÜBerlin ist der neue Name des ehemals maroden Steglitzer Kreisels.

Foto: Thomas Protz

Oben auf dem Dach steht bereits ein Baukran, der Mitte April mit viel Aufwand in den 29. Stock gehievt werden musste.  Auf der Schloßstraße wurde zum Schutz der Passanten eine Lastenbrücke erbaut. Glas, Aluminium und Stahl sind die Baustoffe, die den ehemals düster wirkenden Kreisel modern und luftig erscheinen lassen sollen. Aus der ehemaligen Bausünde der siebziger Jahre soll ein extravaganter Luxuswohnturm entstehen, der neues Wohnfeeling à la Manhattan vermitteln soll.

Die Vermarktung der 330 Wohnungen auf 29 Etagen hat bereits begonnen. Die Wohnungen kosten zwischen 144.500 Euro und 2.848.900 Euro und sind 31 qm bis 304 qm groß. Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 4.000 Euro und 10.000 Euro, je nach Lage. So kostet zum Beispiel eine Wohneinheit im 7. Stock mit 46 qm schlappe 273.600 Euro und eine Dreizimmerwohnung mit 78 qm im 12. Stock 604.000 Euro. Bis 2021 sollen die Wohnungen beziehbar sein. Die schicken Wohnungen verfügen natürlich über einen Aufzug, Balkon oder Loggia, Echtholzparkett, Designerbäder und einen Concierge-Service. Dieser ist wohl zurzeit ein Muss bei Wohnungen im Luxussegment. Ähnlich wie die ursprüngliche Pariser Concierge erledigt der/die deutsche Concierge alles Mögliche rund um die Wohnung,  von der Annahme der Postpakete bis zum Gießen der Blumen. Einziger Unterschied: der Concierge-Service besorgt zum Beispiel auch Konzertkarten oder Theaterkarten und hat keine Dienstwohnung im Haus.

Erinnern wir uns: Der Steglitzer Kreisel wurde 2015 vom Senat für insgesamt 66 Millionen an die CG Gruppe verkauft. Der Kauf des Objektes erfolgte in zwei Schritten. Zuerst erwarb der Immobilienentwickler vom damaligen Eigentümer Becker und Kries 2013 das Sockelgeschoss, und dann folgte 2015 das Hochhaus vom Land Berlin. Der Senat hatte davor den Kreisel für 20 Millionen vom Asbest befreit. Seit 2007 stand der Kreisel leer und kostete die Stadt pro Jahr ungefähr eine Million Euro an Unterhaltungskosten. Schon kurz nach seinem Baubeginn in den siebziger Jahren ist der Kreisel ein einziger Bauskandal, und dieser Fluch zieht sich bis in die heutige Zeit. Nun soll sich das ändern. Das undankbare Objekt wird für 190 Millionen Euro durch die CG Gruppe von einem bekannten Architekten umgebaut bzw. modernisiert und soll dann zum ersten Mal gewinnbringend vermarktet werden. Dies geschieht durch die Escon Gmbh und die RVG Real Estate Gmbh. Letztere ist ein Tochterunternehmen der CG Gruppe und auf die Vermittlung und Entwicklung hochwertiger Immobilien spezialisiert. Die Kunden sind internationale Investoren und Kapitalanleger. Auch die Escon Gmbh ist ein Immobilienmakler und mit der Vermittlung von hochwertigen Immobilien bis zur Schlüsselübergabe befasst.

ÜBerlin, der 120 Meter hohe Wohnturm, liefert ein weiteres Beispiel für verfehlte Stadtentwicklung in Berlin. Überall entstehen Luxuswohnungen, bezahlbarer Wohnraum wird bekanntermaßen immer mehr zur Rarität. Hätte nicht auch ein städtisches Bauunternehmen den Kreisel ebenso als Wohnturm umbauen können, jedoch mit für den Normalbürger erschwinglichen Mieten? Woran liegt es, dass die öffentliche Hand in Berlin bei der Bautätigkeit  so ungeschickt, unflexibel und langsam ist?

Wenn alles gut geht, werden die Luxuswohnungen im Kreisel das südliche Ende der Schloßstraße ab 2021 aufwerten. Jedoch stellt sich auch die Frage, ob das Konzept der CG Gruppe aufgeht und sie alle teuren Wohnungen verkaufen kann, denn die Schloßstraße ist nicht Manhattan, und vor allem nach Ladenschluss wird das Ambiente am Rathaus Steglitz eher triste und etwas trostlos. Auch die Nähe der Autobahn und der S-Bahn tragen nicht zu einem exklusiven Standort bei. Dann stellt sich die Frage, ob die Luxuswohnungen der Investoren an die gewünschte Klientel vermietet werden können.

Christine Sugg

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