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30.09.2018

Tristesse trifft auf Widerstand

Früher ein attraktiver Platz, der zum Verweilen einlud - heute ein Platz mit wenig Charme und zerteilt durch eine Autobahnbrücke.

Foto: Dieter Hoppe

Das ist die traurige Entwicklung des Breitenbachplatzes in Steglitz/ Wilmersdorf, Opfer einer verfehlten Verkehrspolitik mit dem Credo der autogerechten Stadt. Den Platz wieder zurückzuholen, das hat sich die Initiative Breitenbachplatz zum Ziel gesetzt.

2012 gründete der Journalist Ulrich Rosenbaum die Bürgerinitiative Breitenbachplatz, angeregt durch eine Serie im Tagesspiegel über Plätze in Berlin. Auch der Breitenplatz wurde erwähnt, doch bald wurde das anfängliche Interesse der Zeitung durch den Hermann-Ehlers-Platz ersetzt. Jedoch für Ulrich Rosenbaum, selbst Anwohner, Anlass genug, sich dem Thema Breitenbachplatz zu widmen. Für ihn war klar, dass man nur durch Öffentlichkeitsarbeit auf kommunalpolitischer und verkehrspolitischer Ebene etwas bewegen kann. Mittlerweile hat die Initiative zwölf feste Mitglieder und über 100 Unterstützer und Interessenten.

Doch nun zu den konkreten Vorstellungen und Zielen der Bürgerinitiative. Läuft man über den Platz, so fällt die einfache Bepflanzung mit Sträuchern nicht besonders positiv auf. Viele Parks in Berlin werden mittlerweile aus Kostenaspekten so einfach begrünt, mit dem Resultat: günstig bei der Pflege, aber hässlich im Anblick. Sieht man ältere Fotos vom Breitenbachplatz, sorgten damals zum Beispiel Fliederbüsche und ein Café für einen angenehmen Aufenthalt im Freien. Daher lautet eine Forderung der Initiative: eine grundlegende gärtnerische Neugestaltung des Ortes, wenn möglich nach historischem Vorbild.

Ein Nahziel, das laut Initiative vielleicht bald realisierbar ist, beinhaltet die Verkehrsberuhigung des Platzes. Tempo 30 auf der Fahrbahn rund um den Breitenbachplatz, an zwei Stellen Zebrastreifen, um den Zugang zum Platz sicherer zu gestalten, sowie Fahrradstreifen auf der Fahrbahn. Außerdem soll Tempo 30 auf der Schildhornstraße ausgeweitet werden, und entlang der gesamten Schildhornstraße könnte endlich ein Radweg auf der Fahrbahn entstehen, denn bisher endet der Fahrradweg  bereits an der Paulsenstraße. Die Initiative Breitenbachplatz hat jedoch nicht nur die Verkehrsberuhigung rund um den Platz im Blick. Auch dem immer stärker werdenden Durchgangsverkehr in den Seitenstraßen sowohl in Steglitz als auch in Wilmersdorf,  soll möglichst schnell Einhalt geboten werden.

Ein weiteres Anliegen der Initiative ist es, den Breitenbachplatz wiederzubeleben. Dazu weist der "Anziehmarkt" bereits in die richtige Richtung. Hier wird gebrauchte und gut erhaltene Kleidung von Privatleuten verkauft. Seit einigen Jahren findet der Markt einmal im Monat am Sonntag auf dem Platz statt und ist mittlerweile sehr beliebt. Kundschaft und Verkäufer kommen auch aus anderen Bezirken hierher. Innerhalb der Bürgerinitiative gibt es zudem die Vorstellung, einmal wöchentlich einen Markt mit regionalen Produkten abzuhalten, an Tagen, an denen es in der Gegend keinen anderen Markt gibt. Interessant ist ein ganz anderer Schritt in Richtung Belebung des Ortes, nämlich durch das Boule-Spiel/Pétanque. Bereits jetzt treffen sich dort jeden Mittwoch Boulespieler, denn der sandige Boden eignet sich gut zum Spielen. Würde man einen richtigen Bouleplatz anlegen, könnte dies noch mehr Spieler anziehen und die Gegend bekäme ein bisschen südfranzösisches Flair. Für weitere Ideen zur Nutzung des Platzes ist die Initiative offen.

Sehr wichtig für eine positive Entwicklung des Breitenbachplatzes ist das Verhindern des fortschreitenden Leerstands. Rund um den Platz geben immer mehr Gewerbe auf. Mittlerweile bleiben noch zwei Sanitätshäuser, zwei Apotheken, ein Reisebüro, ein Blumenladen, ein Hörgeräteladen, eine Reinigung und dreimal Gastronomie. Doch seit Mitte September findet sich eine begrüßenswerte Neuerung, denn in der Schorlemerallee hat ein vietnamesisches Restaurant eröffnet, das die Gastronomie am Platz gut ergänzt. Solange es an Attraktivität am und um den Platz fehlt, gibt es für die Gewerbe so gut wie keine Laufkundschaft. Auch die hohen Ladenmieten verhindern das Ansiedeln von kleineren Geschäften. Die Vermieter können es sich heutzutage leider leisten, sehr lange auf zahlende Mieter zu warten.

Das Hauptziel der Initiative Breitenbachplatz bleibt jedoch der Abriss der Brücke, die Neugestaltung des Areals und der Straßenführung. Hinsichtlich einer Realisierung bestehen bereits Kontakte zu den verschiedenen Parteien im Bezirk, die einen Rückbau der Brücke befürworten. Jedoch fehlen dazu bisher konkrete Planungen.

Mehr auf www.breitenbachplatz.de

Christine Sugg