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05.05.2011 / Orte und Plätze

Ton und Klang, samt Intermezzo

Vor annähernd drei Jahren starteten Gewerbetreibende, Vereine und freie Träger aus dem Crelle-kiez für ihren Stadtteil eine neue Initiative – das Netzwerk „Crelle-Kiez.de“. Ziel war dabei, „eine Plattform aufzubauen, die die Kommunikation untereinander und das Wissen übereinander stärkt“. Viele Aktivitäten zur Steigerung der Attraktivität der Crellestraße sind seitdem erarbeitet und realisiert worden. Zu nennen wären der Frühjahrsputz mit den „Schmuddelkindern“, die Gemeinschaftsausstellung zu August Leopold Crelle, die "Aktion Zitrone", eine Begrünungsaktion oder eine Lesung mit kulinarischen Folgen. Die Aktion „Die Crellestraße gibt den Ton an“ erfährt dieses Jahr eine Erweiterung.
Detlef Steffens (CEO Galeria Kaufhof), Stadtsenatorin Ingeborg Junge-Reyer, Karin Strahmann (Cafe Toronto), Viktor Brun (Biolino), Andrea Zimmer (Zoom2 Communications), Dr. Eric Schweitzer (IHK-Präsident) bei der MittenDrin Berlin-Preisübergabe an die Initiative crelle-kiez.de . Foto: Till Budde
Die Crellestraße gibt den Ton an. Foto: Thomas Protz

Am Samstag, 14. Mai 2011 zwischen 13:00 und 22:00 Uhr, spielen mehr als zwanzig Ensembles mit Künstler/Innen, die z.T. im Kiez zuhause sind. Sie servieren zum „Chorfest“ einen bunten Teller musikalischer Ohrenschmäuse: Von Gospel bis Jazz, griechisch bis brasilianisch, Gassenhauer bis Sea-Shanty ist alles dabei. Auch ein „Barbershop-Chor“ – unkonventionell nur mit Frauen besetzt – ist vertreten. Die Repertoires wer-den vor oder auch in den teilnehmenden Läden und Lokalitäten in der Crellestraße aufgeführt.

Bereits im Frühjahr 2010 hatten die Mitglieder von Crelle-Kiez.de an einem berlinweiten Wettbewerb teilgenommen – der Zentren-Initiative MittendrIn Berlin, die seit 2005 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der IHK-Berlin ausgeschrieben wird. Das Crellestraßen-Netzwerk bewarb sich mit „einer elektroakustischen Klanginstallation auf der Basis von Chorgesang im öffentlichen Raum“. Ihre Arbeit, die laut Initiativbegründerin Karin Strahmann vom Café Toronto „kurz vor knapp“ eingereicht wurde, kam gut an. Die Einsendung, mit dem Titel „Die Crellestraße gibt den Ton an – nachhallig in bester Tonlage“, überzeugte die Jury und kam unter den 35 Bewerbern in die engere Auswahl; schließlich war sie eine von den drei Siegern des Wettbewerbs.

Das preisgekrönte Konzept sieht vor, „in der Crellestraße den Eindruck einer fließenden ‚Klangskulptur’“ zu gestalten, die „künstlerisch anspruchsvoll (wirken) und zum Zuhören animieren“ soll. Die „alltagsverträgliche aber ungewöhnliche Klangkunst soll (…) in die Straße eingebunden werden und für einen Zeitraum von sechs Monaten für den regelmäßigen Besucher der Crellestraße attraktiv sein“. Die Zeit, die ein „flanierender Fußgänger“ benötigt, um die Strecke vom „Crelleplatz“ bis zum Kaiser-Wilhelm-Platz zurückzulegen, soll die Dauer jeder Komposition bestimmen.

Fünf Künstler wurden für die Realisation der „Klangaufträge“ ausgewählt. “Die Kompositionen, zusammen mit den nicht ausgewählten Ideen, werden im Museum der unerhörten Dinge in der Crellestraße 5-6 präsentiert”, erklärt Kurator Roland Albrecht. Nach Planung von Crelle-Kiez.de soll die Aufführung der ausgewählten Komposition im Mai und Juni 2011 erfolgen. Für die Realisierung werden ein Tonstudio, entsprechende Software, sowie technische Unterstützungen installiert.

Ein Mitglied der Jury, die unter den 5 Kompositionen die beste küren soll, ist Tan Kutay. Der gebürtige Charlottenburger betreibt seit Oktober 2007 den Tee-Feinkostladen TAN in der Crellestraße 7; er ist auch Mitglied des Netzwerks Crelle-Kiez.de. Zudem ist Kutay, der Musik studierte, klassischer Schlagzeuger. „Mein Hauptberuf ist der Tee, Nebenschauplatz die Musik.“

Die Eröffnungsveranstaltung für die Präsentation des Siegerwerkes findet am 2. Juli 2011 statt. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird mit einem Haupt-preis von 1.500,- Euro prämiert – neben den 400,- Euro, die alle in der ersten Runde Ausgewählten als Aufwandsentschädigung er-halten. Laut Initiatoren wird „ab dem 3. Juli täglich um 18.00 Uhr eine Klangwelle durch die Crellestraße fließen“. Die Komposition soll von 30 einzeln ansteuerbaren Lautsprechern, die an Hausfassaden auf einer Strecke von 220 m angebracht werden, einmal täglich in den nächsten sechs bis neun Monaten ertönen.

Vom 14. Mai bis 02. Juli 2011 – also zwischen den beiden Veranstaltungen „Crellestraße gibt den Ton an“ und dem Einweihungsfest für den Gewinner der CrelleKlang 2011 – werden eine Reihe musikalischer bzw. tonaler Kleinkunst-Events, die unter dem Motto „Intermezzo“ laufen, stattfinden. Mittwochs und freitags dürfen Kunden in verschiedenen Geschäften der Crellestraße singen und werden im Gegenzug mit Rabatten „belohnt“. An anderen Tagen werden Sänger, Musikgruppen, Klangkünstler und Tänzer – Profis und Laien – ihre Talente auf der Straße und in den Läden präsentieren.

„Das Intermezzo soll die durch das Chorfest entstehende Spannung halten, Gäste und Bewohner der Crellestraße auf die Installation einstimmen und öffentliche Aufmerksamkeit auf die Crellestraße richten“, so Strahmann vom Café Toronto. „Das Intermezzo leitet kontinuierlich fließend zur Einweihung der Klanginstallation hin.“ Die Auslobung des Siegers des Kompositionswettbewerbs soll der Höhepunkt des Intermezzos sein. Unter anderem werden Schirmherr Bezirksstadtrat Oliver Schworck, sowie Geschäftsführer Ingo Malter von der Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land den offiziellen Start geben. Nach sechs Monaten Laufzeit sollen weitere Klanginstallationen unter der Regie von Crellekiez.de entstehen. Die Audioanlage kann für ca. drei Jahre genutzt werden; die Themen der neuen Installationen sind noch offen. Es ist angedacht, auch Kompositionen der zweit- und drittplatzierten Klangkünstler des Wettbewerbs Crelleklang 2011 zu präsentieren.

„Musik kommt bei allen Menschen gut an“, sagt Strahmann frohgemut. „Unsere Klangevents ziehen Menschen an, die Entspannung, Kommunikation und Anregung suchen, und laden zum Wiederkommen ein.“

Timothy W. Donohoe

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