Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

02.04.2022 / Orte und Plätze

Tiere und Menschen

Von Norbert Hümbs und Eva Schenk. Wenn man morgens oder nachts durch die Straßen von Friedenau streift, begegnet man hin und wieder dem Fuchs. Ist es der Fuchs, der die Straßenseite wechselt oder ist es der Mensch? Meist wechselt der Mensch vorsichtig die Straßenseite, während der Fuchs ihn misstrauisch beobachtet und dann selbstbewusst seinen Weg fortsetzt. Die Stadt ist zu seinem Revier geworden.

In „die kleine Galerie“ werden von unterschiedlichen Malerinnen und Malern mehr als 30 Bilder ausgestellt, die das Verhältnis von Tieren und Menschen darstellen. Die Tierbilder sind so unterschiedlich wie das Interesse der Maler an den Tieren. Mal ist es ein menschlicher Affe, mal ein riesiger schwarzer Rabenkopf, mal ein Tiger und mal eine faul in der Sonne liegende Katze, ein entzückender kleiner Igel, ein Marder im Mantel, der Wasser ausgießt oder ein kleines Mädchen, das ängstlich sein Plüschtier an die Brust drückt, Fabelwesen. Neben dem liebevoll gemalten eigenen Hund einer Malerin sind bedrohliche Tiermonster, mythische Tiere wie Anubis sowie Tiere in surreal anmutender Umgebung zu sehen. Die Arbeiten sind als Zeichnung, Collage oder Öl- und Acrylmalerei ausgeführt. Neben einer faustgroßen Kuh-Skulptur aus Beton finden sich große Tierfiguren aus Holz und Bronze.
 
Darstellungen von Tieren finden sich schon in den ältesten, über 40.000 Jahre alten Höhlenmalereien, die in verschiedenen Teilen der Welt gefunden wurden. Über deren Bedeutung bestehen unterschiedliche Vorstellungen. War es ein „zweckloses“ Malen von Gesehenem? Dienten sie als eine Art Anleitung zum Jagen? Oder hatten sie eher eine magische Bedeutung? Im Laufe der folgenden Jahrtausende hat sich infolge der Sesshaftwerdung des Menschen in der Neolithischen Revolution vor ca. 12 – 15.000 Jahren die Beziehung zwischen Tier und Mensch geändert. Neben ihrem Wert als Nahrungsmittel haben Tiere mit der Domestizierung viele zusätzliche Bedeutungen für den Menschen gewonnen wie z.B. als Hausgenosse, Helfer und als Projektionsfigur in Märchen und Mythen.

Die Beziehung des Menschen zum Tier ist ambivalent. Der Liebe zum verhätschelten Hausgenossen steht die Gleichgültigkeit gegenüber der Massentierhaltung und der millionenfachen Tötung von Tieren entgegen.  Gleichzeitig wächst das Wissen über die kognitiven Fähigkeiten und sozialen Eigenschaften von Tieren, wodurch die bislang scheinbar klare Abgrenzung zwischen Tier und Mensch in Frage gestellt wird.
Dem Blick des Menschen auf das Tier und auf die Beziehung zwischen Tier und Mensch ist diese Ausstellung in der diekleinegalerie in Friedenau vom 18. März bis zum 13. Mai 2022 gewidmet.

Im Rahmen der Ausstellung sind Diskussionsveranstaltungen zum Thema geplant, zum Beispiel zu psychologischen Aspekten der Tier-Mensch-Beziehung und zu medizinischen und ethischen Aspekten im Verhältnis zwischen Tier und Mensch aus der Sicht eines Tierarztes.
Die Termine für die Veranstaltungen werden auf der Homepage www.diekleinegalerie-berlin.de bekannt gegeben.
 

Nicht weit von „die kleine Galerie“, Goßlerstr. 21 werden in der ArtEast Gallery, Goßlerstr. 1 zum gleichen Zeitpunkt unter dem Titel „Es waren einmal drei tote Papageien“ (Once upon a time three dead parrots) ebenfalls Bilder mit Tieren einer ukrainischen Malerin ausgestellt. Hier sehen wir eine nackte Frau in einer Badewanne, die von blinden, zähnefletschenden Coyoten bedroht wird, Queen Elisabeth mit ihren Hunden und einem Schal aus Hundeschwänzen um den Hals, eine Meerjungfrau hinter einem Gitterzaun von einem alten Mann begafft, das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland und tote Papageien in einem Selbstporträt der Malerin mit dem Künstlernamen Kinder Album, ironisch-provokante Bilder,  teilweise entzifferbar auch als Vorahnungen der Künstlerin von der großen Gewalt des Krieges in der Ukraine. Es lohnt sich, die Ausstellungen anzusehen und an den Veranstaltungen der Galerien teilzunehmen. www.arteastgallery-bk.com. Im Tier bilden wir uns selbst und unsere Ängste ab.

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