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3.07.2019

The Dead Don't Die

Ich bin ein Fan von Jim Jarmusch, aber kein Fan von Zombies. Unglücklicherweise hat Jim Jarmusch nun einen Film über Zombies gemacht.

„Ich tippe auf Zombies“. Foto: UPG

Was soll ich tun? Fan ist Fan, ich muss ihn ansehen. Die Besetzung tröstet mich, Tilda Swinton spielt mit, Billy Murray und Steve Buscemi, das kann ja kein ganz schlechter Film sein. Und Iggy Pop als Untoter, wie er „Coffee“ krächzt (ich hatte die Szene in einem Trailer gesehen) ist schon die halbe Miete.  

Die Geschichte lässt sich auch ganz gut an: ein kleines Städtchen irgendwo in Amerikas mittlerem Westen, drei Polizisten fahren in ihrem Streifenwagen durch die Gegend: der Polizeichef Cliff Robertson, sein Nachfolger Ronnie Peterson und die Polizistin Mindy Morrison. Dann gibt es noch den Mechaniker Hank und die beiden Diner-Besitzerinnen Lily und Rosie. Die Polizisten passen auf, dass alles in Ordnung ist. Nun ist aber nichts in Ordnung, in Centerville nicht und im Rest der Welt auch nicht. Im Fernsehen, im Radio – überall Katastrophenmeldungen: Klimawandel, Fracking, Hungersnöte: Vor allem die Gasbohrungen hätten die Erde aus dem Gleichgewicht gebracht, die Erdachse verschiebt sich, es wird nicht mehr richtig dunkel, Weltuntergang droht. Nur der Polizeichef im Streifenwagen, Bill Murray, ist sicher: alles ist in Ordnung! Wie üblich macht er nicht viel Worte, er strahlt die Ruhe des Sicheren aus, der nicht an Katastrophen glaubt, jedenfalls in Centerville nicht, und eigentlich überhaupt in Amerika nicht. Es ist immer noch alles gut ausgegangen! Nur dieses Lied des Countrysängers Sturgill Simpson, das sie andauernd im Radio bringen, stört ihn: The Dead Don't Die. Er will es nicht mehr hören. Alles Unsinn, Zombies gibt es nicht, wer welche gesehen haben will, ist ein Spinner.

Lange bekommt man auch keine Zombies zu sehen, und ich bin mir nicht sicher, ob das nicht vielleicht ein Film über die Auswirkungen von zerstörerischen Gerüchten ist. Wir erleben dieses kleine Städtchen mit seinen Bewohnern, den Polizisten, den beiden Frauen vom Diner, den Besitzer des Motels, und Zelda, die schon etwas merkwürdige, aber halbwegs anerkannte Besitzerin des Bestattungsunternehmens, angeblich eingewandert aus Schottland. Die wird von Tilda Swinton auf exzellente Weise dargestellt. Dieses ganze merkwürdige Treiben im Ort wird von einem bärtigen Waldschrat (Tom Waits!), der offenbar sein ganzes Leben in der Wildnis zugebracht hat und von Beeren und Käfern lebt, heimlich staunend beobachtet: „Welcome in my world, Zombies“!

Die Fracking-Gerüchte strömen Unruhe aus, bringen die Leute durcheinander. Und dann eben die Zombies, die sollen überall sein, nur in Centerville hat man bisher keine gesehen. Aber dann geht's doch los: auf dem Friedhof wühlen sich plötzlich Untote aus den Gräbern, was ihnen leicht fällt, weil die Gräber in Amerika nicht wie bei uns mit Pflanzen überladen sind. Einfach die Erde anheben, und schon ist man draußen. Die ersten zwei staksen Richtung Ort und tauchen im Diner auf, sind hinter dem Kaffee her und verlangen Chardonnay und saugen nebenbei Lily und Rosie aus. Hank findet sie am Morgen und ruft die Polizisten. Als running gag stehen die Drei von der Polizei immer in einer Reihe nebeneinander und geben ihre Kommentare ab, als erster der Chef, in diesem Fall so: „Das ist richtig schlimm, vielleicht das Schlimmste, das ich je gesehen hab“, Mindy fassungslos: „Waren das wilde Tiere?“, „Ich tippe auf Zombies“ sagt ihr Kollege, was vom Chef mit einem ungläubigen „Was“? quittiert wird .“Du weißt schon: Untote, Ghuls“ ist die Antwort. Allgemeiner Konsens immer: „Das nimmt kein gutes Ende!“ Tut es auch nicht, am Ende sind alle tot. Nur Zelda nicht, die sich als Alien entpuppt, die die Zombies gekonnt mit ihrem Samuraischwert köpft („Man muss sie am Kopf töten!“) und schließlich von einem Raumschiff abgeholt wird („Wurde ja auch Zeit“). Das Gleiche könnte man am Ende des Films sagen, er ist ein bisschen zu lang geraten und zu überfrachtet, irgendwann hängt die Spannung durch. Tut mir leid, Jim Jarmusch.

Sigrid Wiegand

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