Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

2.02.2016

The Big Other

Ausstellung in der Galerie Tanja Wagner

Foto: Paula Doepfner, 2015 The Big Other Courtesy Galerie Tanja Wagner, Berlin

Mit Ulf Aminde, Kerstin Brätsch, Mariechen Danz, Annabel Daou, Paula Doepfner, Antje Engelmann, Thomas Helbig, Šejla Kameric, Kapwani Kiwanga, Michael Müller, Marinella Senatore, Anna Witt

Unter dem Titel "The Big Other" zeigt die Galerie Tanja Wagner im Februar eine Gruppenaustellung mit Werken zwölf unterschiedlicher Künstler. Paula Doepfner, Künstlerin der Galerie, organisierte die Austellung in den Räumen in der Pohlstrasse. Im Interview erläutert die ehemalige Meisterschülerin von Rebecca Horn Doepfner, die u.a. durch ihre Installationen aus Eis bekannt wurde, was sich hinter dem Ausstellungstitel verbirgt.

The Big Other: Wie kam es zu diesem Titel?
Der Ausstellungstitel basiert auf dem Konzept vom großen Anderen (“le grand Autre”) des Psychoanalytikers Jacques Lacan; und bezieht sich in der Übersetzung auch auf Slavoj Žižeks Lesart des Begriffs.

Was erwartet den Besucher? Welches Konzept steht hinter der Ausstellung?
Dem Begriff des großen Anderen liegt die Idee zugrunde, dass es eine symbolische Ordnung gibt, die unsere Sprache und unser Handeln, Denken und Fühlen steuert - so wird immer auch unter dem Blick des großen Anderen gesprochen oder agiert.
In dem 2014 in der deutschen Übersetzung bei Suhrkamp erschienen Buch “Žižek’s Jokes” ist das gut mit einem Witz veranschaulicht. Ich versuche mal, ihn wiederzugeben: ein Mann glaubt ein Weizenkorn zu sein und hat deshalb panische Angst vor Hühnern, ... er hat Angst, dass sie ihn aufpicken. Also geht er in eine psychiatrische Klinik. Dort bleibt er einige Jahre und die Ärzte überzeugen ihn, dass er kein Weizenkorn ist. Also wird der Mann schließlich entlassen, doch keine Stunde später steht er wieder vor der Tür, zitternd: „Da war ein Huhn! Und ich hatte Angst, dass es mich aufpickt!“. Da sagt der Arzt zu ihm: „Aber Sie wissen doch jetzt, dass sie kein Weizenkorn sind?!“. Sagt der Mann: „Ja, ich weiß das! Aber weiß es auch das Huhn?!“.

Welche Künstler hast Du warum ausgesucht?
“Der große Andere existiert nicht” ist eine These von Lacan, die mich in dem Zusammenhang besonders interessiert. Sie drückt aus, dass der große Andere ein Phantasma ist, also nicht real, und somit die Möglichkeit einer Umformulierung besteht. Daraus ergibt sich ein utopisches Moment, das in den Arbeiten der KünstlerInnen deutlich wird.
Viele der teilnehmenden KünstlerInnen kenne ich schon lange und empfinde ihre Arbeiten als sehr intensiv. Dazu hatte ich den Eindruck, dass bei den meisten sowieso schon eine Beschäftigung mit dem großen Anderen auf verschiedene Weise stattfindet.

Sind Arbeiten von Dir dabei?
Ja, ich zeige auch eine Arbeit.

Was sind Deine nächsten Projekte?
Mein nächstes größeres Projekt ist eine Einzelausstellung im Kunstverein Reutlingen, die im Juni diesen Jahres eröffnet wird. Ich freue mich sehr darauf.

Vielen Dank!

Das Interview führte Katharina Helwig

The Big Other
Galerie Tanja Wagner
Pohlstraße 64, 10785 Berlin
Ausstellung: 29.1 bis 2.3.2016