Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

2.07.2020

Stadtraum für Menschen zurückgewinnen

Von Christine Sugg Dies ist die Prämisse der Bürgerinitiative Breitenbachplatz, die sich schon länger den Rückbau der Autobahnbrücke auf die Fahnen geschrieben hat. Dieses hässliche Relikt aus dem veralteten 70er Jahre-Konzept einer „autogerechten“ Stadt entspricht schon lange nicht mehr dem Zeitgeist.

Unter der Brücke. Foto: Thomas Thieme

Endlich gibt es Bewegung in diese Richtung. Denn der Senat hat mit großer Verspätung am 30.04.20 die öffentliche Ausschreibung zur „Verkehrs- und Machbarkeitsstudie Breitenbachplatz - Umgang mit den Brücken“ auf der Vergabeplattform des Landes Berlin online gestellt! Ursprünglich war dies für das 1. Quartal geplant gewesen. Die Studie soll zeigen, unter welchen städtebaulichen, verkehrlichen, ökologischen und finanziellen Rahmenbedingungen eine Neugestaltung des Breitenbachplatzes möglich sein wird. Der erste Schritt eines langen und aufwändigen Weges mit dem Ziel des Brückenrückbaus.
Angebote für eine solche Studie konnten bis Ende Mai 2020 abgegeben werden, die Auftragsvergabe ist dann für Juni 2020 geplant. Für die Durchführung dieser Machbarkeitsstudie wird mit der Dauer von einem Jahr gerechnet. Voraus-sichtlich im 2. Quartal 2021 folgt dann ein städtebaulicher Wettbewerb, bei dem die Ergebnisse der Studie umgesetzt werden müssen. Anschließend soll dann ein formelles Planungsverfahren eingeleitet werden. Wie schon erwähnt, es ist viel Ausdauer gefragt.

Die von der Bürgerinitiative Breitenbachplatz geforderten Maß-nahmen sehen neben der zentralen Forderung des Brückenrückbaus oder Umbaus eine ebenerdige Führung des Verkehrs vor. Nach Möglichkeit wird die Wiederherstellung des Stadtplatzes durch eine Randbebauung nördlich und nordöstlich der Schildhornstraße angedacht. Weiterhin wird eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs gefordert, die Einrichtung einer Tempo-30-Zone, sowie bessere Querungsmöglichkeiten für den Rad- und Fußverkehr - kurz zusammengefasst: Der Platz soll wieder den Menschen gehören und zu ihrer Lebensqualität beitragen!
Ein erster Ansatz, wie dies konkret umgesetzt werden könnte, zeigt eine Ausstellung von Examensarbeiten von Architektur-Studenten der Hochschule Bremen. Diese haben sich seit Oktober 2019 intensiv mit einer Neugestaltung rund um den Breitenbachplatz und den Rüdesheimer Platz beschäftigt. Die Ausstellung der Entwürfe ist im neu geschaffenen „KunstRaum“ der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia in den Kolonaden der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz bis zum 18.07.20 zu sehen.
Eine Beteiligung der Anwohner wird von der Senatsverkehrsverwaltung Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ausdrücklich gewünscht. Bereits im März dieses Jahres wurde in den Räumen des Senats obengenannte Ausstellung der Zukunftsideen für den Breitenbachplatz präsentiert. Im Rahmen einer Veranstaltung diskutierten anschließend die Architekturstudenten mit den anwesenden Anwohnern und den Fachexperten des Senats. Auch zukünftig ist die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen, so muss zum Bei-spiel auch die Machbarkeitsstudie ein Beteiligungskonzept der Bürger beinhalten.
Man darf gespannt sein, welche Ideen zur Umleitung des in Stoßzeiten doch starken Verkehrs durchführbar sein werden. Nicht jeder Anwohner des Platzes befürwortet jedoch den Brückenrückbau, denn unter der Brücke gibt es Gewerbe und sehr viele Parkplätze für die Anwohner, die ja dann wegfallen würden. Zur Belebung und zu mehr Attraktivität des Breitenbachplatzes gehören auch Gastronomie und Geschäfte, die erst viele Menschen anlocken. Bei den sehr hohen Gewerbemieten am Platz können sich oft nur noch Arztpraxen und Geschäfte aus dem Gesundheitsbereich ansiedeln, während sich andere Geschäfte, wie z. B. das kleine Reisebüro, die Miete nicht mehr leisten können. Auch für die Gastronomie ist der Standort nicht immer einfach, was man an einigen Orten wie z.B. am Eckhaus Dillenburger Str./Ecke Breitenbachplatz beobachten konnte.
In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob das Konzept des Brückenrückbaus und der Umgestaltung aufgegangen ist, der Platz wieder mehr den Menschen gehört, die sich auch dort gerne aufhalten.

Ausstellung Neugestaltung Breitenbachplatz und Rüdesheimer Platz bis 18. Juli 2020
Dienstags und Samstags von 14h – 16h oder nach Absprache unter pietschker@breitenbachplatz.de,
Breitenbachplatz 1, ehemaliges Elektrogeschäft in der Künstlerkolonie.

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