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04.07.2011 / Projekte und Initiativen

Staatssekretär entdeckt Kultur in Schöneberg

Am 16. Juni 2011 informierte sich Kulturstaatssekretär André Schmitz auf einer fünfstündigen Kultur-Tour über die kulturellen Schätze Schönebergs.
Der scheidende Bezirksstadtrat für Schule, Bildung und Kultur Dieter Hapel führt den Kulturstaatssekretär André Schmitz durch den Bezirk. Am Haus am Kleistpark in der Grunewaldstraße empfing die ebenfalls scheidende Kunstamtsleiterin Katharina Kaiser den Kulturstaatssekretär und führte ihn durch das Haus. Schmitz dankte Frau Kaiser für 30 Jahre kreative und ambitionierte Arbeit in der bezirklichen, aber auch Berliner Kulturarbeit. Foto: Thomas Protz

Aus dem überaus großen und vielseitigen Angebot des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg wählten Frau Landau (Leiterin des Amtes für Bildung, Kultur und Seniorenbetreuung) und Frau Zwaka (ihre Stellvertreterin) einige besondere Einrichtungen aus. Bildende Kunst, Musik, Theater und Historie sind im gesamten Stadtteil vertreten.
Auffallend bei dieser Tour war, wie sehr sich alle Institutionen besonders um die Kinder und Jugendlichen bemühen.

Start der Kultur-Tour war im Jugendmuseum in der Hauptstraße 40. Das Haus bietet wechselnde und dauerhafte Ausstellungen für Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren. Bis August gibt es noch die Ausstellung „Berlin - halb und halb“, in der es um das Leben in der geteilten Stadt geht. Neben der Mauer und waghalsigen Fluchten wird hier auch der Alltag thematisiert. Zu sehen sind u.a. Spielzeug und Gebrauchsgegenstände, ebenso wie beispielsweise der übliche Inhalt von Päckchen, die von West nach Ost geschickt wurden.
Besonders beeindruckend ist die Dauerausstellung „Villa global“, verschiedene Räume mit Gegen-ständen aus unterschiedlichen Ländern. Die Zimmer wurden in Zusammenarbeit mit Familien aus entsprechenden Kulturkreisen eingerichtet. Bei der Besichtigung stehen Menschen aus dem entsprechenden Land mit Erklärungen über ihre Kultur bereit. Zwei weitere Zimmer sind noch frei, die in den nächsten drei Jahren in Zusammenarbeit mit Kindern verschiedener Nationen zu einem neuen Konzept gestaltet werden sollen.

Die nächste Station war das Kulturhaus Schöneberg in der Kyffhäuserstr. 23.
In der ehemaligen Schule wird die Kultur gefördert, indem Künstlern kostengünstig Räume für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt werden.
Neben dem „Berliner Salon für Fotokunst“ und der „Probenbühne Theater Strahl“ in der alten Turnhalle (einem Jugendtheater, das sich auf Stücke für Jugendliche ab 14 spezialisiert hat) nutzen viele andere bildende Künstler die alten Klassenräume als Ateliers. Aber auch Musiker, von klassisch bis türkisch und chinesisch, haben hier die Möglichkeit, ungestört zu proben und zu unterrichten.
Wegen der hohen Kosten, die für das alte Haus erforderlich sind, ist die Zukunft des Objektes zur Zeit ungeklärt. Der Bezirk hofft, dass die Einrichtung in die GSE (Gesellschaft für Stadtentwicklung) überführt werden kann, die die Kosten für Verwaltung und Unterhalt übernimmt und dem Bezirk weiterhin ein Mitspracherecht bei der Nutzung einräumt. Hier will sich der Kulturstaatssekretär für eine baldige Entscheidung einsetzen.

Ebenso ungeklärt ist die Zukunft vom „Haus am Kleistpark“, in dem die Musikschule und das Kunstamt untergebracht sind. Diese kommunale Galerie mit Schwerpunkt für Malerei und Fotografie bietet die Möglichkeit, in wechselnden Ausstellungen Werke internationaler Künstler zu präsentieren. Dabei wird bei einzelnen Projekten auch mit anderen Partnern wie z. B. der Universität der Künste zusammen gearbeitet. Das Kunstamt lobt auch jährlich den Tempelhof-Schöneberger Kunstpreis für Künstler aus Berlin und Brandenburg aus, bei dem alle klassischen und neuen Medien zugelassen sind.

Wenn das denkmalgeschützte Haus mit den schmiedeeisernen Treppengittern vom Land Berlin verkauft werden sollte, ginge es zuvor in den Liegenschaftsfonds über und könnte vom Bezirk nicht mehr wie bisher genutzt werden. Auch hier wurde Herr Schmitz gebeten, sich für den Erhalt der Kultureinrichtung einzusetzen.

Danach folgte ein Besuch beim Theater „Hans Wurst Nachfahren“ in der Gleditschstraße am Winterfeldtplatz. Das kleine Puppentheater hat zur Zeit etwa 20 Stücke im Repertoire, in erster Linie für Kinder, aber auch für Erwachsene. Die Puppen werden vom Leiter des Theaters individuell geschaffen und selbst gebaut. Für die Darstellungen der Loriot Sketche hat die Bühne von Loriot persönlich Anerkennung erfahren. Ende Juni war die Premiere des Stückes „der Grüffelo“, nach dem bekannten Kinderbuch. Diese Inszenierung entstand in Zusammenarbeit mit dem Scharoun-Ensemble der Berliner Philharmoniker.

Die Betreiber wollen den Kulturstaatssekretär im nächsten Jahr um Unterstützung bitten, wenn es zu neuen Mietverhandlungen für die Theater-Räume kommt. Im Juni feierte Hans Wurst Nachfahren sein 30jähriges Bestehen.

Unweit des Theaters, in der Pallasstraße 27, befindet sich die Gertrud-Kolmar-Bibliothek, die ihre Besonderheit in der interkulturellen Bibliotheksarbeit hat. D.h. es gibt neben dem deutschsprachigen Angebot auch zweisprachige Bücher und Literatur in türkisch und arabisch. Außerdem wird hier ein Sozialarbeiter beschäftigt, was in Berlin einzigartig ist. Neben der Nutzung durch die Schüler der Schule, werden die kleinen Kinder zweimal in der Woche von Lesepaten an Literatur herangeführt. Über die Kinder hofft man, auch die Eltern in die Bibliothek zu bekommen. Zusätzlich macht die Bücherei auch in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen in der Umgebung auf sich aufmerksam und führt gezielt Veranstaltungen durch, z. B. Lesungen zum Thema Essen und Kochen. Wie erfolgreich diese Bemühungen sind, zeigt sich darin, dass die Zahl der Nutzer in den letzten drei Jahren um 33 % gestiegen ist

Aus dem Tempelhofer Bereich wurde Herrn Schmitz der „Geschichtsparcours Paradestrasse“ präsentiert.  Das Gelände hinter dem heutigen Bahnhof Südkreuz hat eine wechselhafte Geschichte. Vom Ackerland über militärisches Manövergebiet bis zur Kleingartenkolonie wurde das Gebiet in den letzten 200 Jahren sehr unterschiedlich genutzt. An 15 einzelnen Stationen wird über die Historie informiert. Unter anderem wurde der Keller des Hauses Werner-Voss-Damm 54a im April dieses Jahres öffentlich zugänglich gemacht. Hier befand sich 1933 ein Gefängnis der SA. Es werden jetzt regelmäßig zweimal im Monat Führungen angeboten und auch Jugendprojekte durchgeführt.

An der Nordspitze des Areals steht noch immer der Schwerbelastungskörper, der 1941 errichtet wurde, um die Belastbarkeit des Bodens zu testen für die überdimensionalen Gebäude der von den Nazis geplanten Stadt Germania. In einem Informationspavillon wird anhand einer Stadtkarte das gewaltige Ausmaß der damaligen Planung dargestellt.

Im Anschluss ging es ins „Café Finovo“ auf dem St. Matthäus Kirchhof an der Großgörschenstraße. Es ist Deutschlands einziges Café auf einem Friedhof, eingerichtet in dem ehemaligen Verwalterhäuschen. Das malerisch von Efeu umrankte Café bietet neben Räumen für Trauerfeiern unter dem Dach auch Blumen und Gestecke für den Friedhofsbesuch.

Den Abschluss der Kultur-Tour bildete ein Besuch im „Theater O-TonArt“. Das Theater im zweiten Hinterhof wurde Anfang 2010 von den O-TonPiraten eingerichtet, die hier in eigener Arbeit aus einer kahlen Lagerhalle einen ansprechenden Theaterraum geschaffen haben. Die originelle Idee der O-TonPiraten ist, auf der Bühne nicht selbst zu sprechen, sondern ihre Theaterstücke mit Texten aus Spielfilmen zu hinterlegen. Neben den fünf Künstlern auf der Bühne und den technischen Mitarbeitern im Hintergrund wird die Gruppe von vielen ehrenamtlichen Helfer unterstützt. Das O-TonArt sieht sich jedoch nicht nur als Theater, sondern will auch soziale Projekte im Kiez anbieten, wie zum Beispiel Kurse und Workshops für interessierte Senioren- und Jugendgruppen.

Am Ende dieser Rundfahrt durch den Bezirk und seine vielfältige Kultur bedankte sich der Kulturstaatssekretär bei den Damen für die gelungene Organisation und den umfassenden Überblick, den er an diesem Nachmittag erhalten hatte, wobei er jedoch feststellte, dass die vorgestellten Einrichtungen des Großbezirks überwiegend in Schöneberg liegen.

Christine Bitterwolf

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