Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

25.06.2013

Sportbetont und engagiert

Das eigentliche Schulgebäude der Scharmützelsee-Grundschule ist von der Hohenstaufenstraße aus nicht zu sehen. Es ist erreichbar durch zwei Toreinfahrten, denn in dem Haus an der Straße ist die Georg-von-Giesche-Schule untergebracht und die offene Ganztagsbetreuung der Grundschule mit einer weiträumigen, hellen Mensa.

Fotos: Hartmut Becker

Die Schule ist auch telefonisch nicht leicht zu erreichen, da die Schulsekretärin häufig krank ist und es vom Schulamt keinen Ersatz gibt. Dies war nicht nur ein Problem, als es darum ging, mit der Schulleitung einen Termin für diesen Artikel zu vereinbaren. Es ist auch schwierig für die Eltern, wenn es darum geht, morgens Bescheid zu sagen, wenn ein Kind krank ist. So wissen auch die Lehrer nicht, ob ein fehlender Schüler eigentlich entschuldigt ist oder den Unterricht schwänzt. Schlimmstenfalls merken die Eltern erst am Nachmittag, wenn sie ihr Kind abholen wollen, dass es eventuell den ganzen Tag nicht in der Schule war. Dabei ist die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern an der Scharmützelsee-Grundschule besonders gut. Dies wird besonders sichtbar bei der Schulhofbegrünung, die von der Schulleiterin stolz präsentiert wird. Den Entwurf dazu hat eine Mutter erstellt. Die Pflanzen wurden zum großen Teil von den Eltern gespendet.

Jedes Jahr gibt es eine Projektwoche, in der die Schüler Blumen pflanzen. Jede Klasse hat ein eigenes Beet, das auch individuell geschmückt wird, etwa mit einem Froschkönig oder einem selbst gefertigten Schild. Abschließend treffen sich dann die Eltern, um Bäume zu schneiden, den Weidengang neu zu flechten, oder beispielsweise die marode Rutsche zu erneuern.
Auch sonst packen die Eltern mit an, wo es nötig ist. So wurde die neue Web-Seite der Schule mit der Unterstützung eines Vaters erstellt und die kaputte Wand im Musikraum vor ein paar Jahren von einem anderen Vater fachmännisch neu verputzt. Gekrönt wird das gute Verhältnis seit 10 Jahren mit einem Sommerfest, das die GEV für alle Eltern und Lehrer ausrichtet, die hier bei Grill und Tanz einmal im Jahr zusammensitzen, ohne Kinder.

Ein besonderer Schwerpunkt dieser Schule ist der Sport.
Sie gilt seit 20 Jahren offiziell als sportbetonte Schule, d.h., dass grundsätzlich in zwei der Klassen jeder Stufe zusätzlicher Sportunterricht angeboten wird. Zur Münchener Straße hin ist die zweistöckige, große, gläserne Turnhalle gut sichtbar, die untere Halle gehört der Grundschule, die obere der Oberschule. Eine einzelne Halle selbst ist so groß, dass sie bei Bedarf geteilt werden kann, um zwei Klassen gleichzeitig Platz zu bieten. In der alten, kleineren Turnhalle wurde nach der letzten Renovierung eine Kletterwand installiert, an der die Kinder Freeclimbing üben können. Für diejenigen, die bis unter die Decke klettern wollen, gibt es Sicherungsseile.

In den ersten drei Jahren können alle Kinder an dem zusätzlichen Sportunterricht teilnehmen, ab der 4. Klassenstufe sind es dann tatsächlich nur noch zwei Klassen für diesen Schwerpunkt. Die Schulleiterin, selbst eine Sportlehrerin, versucht aber für alle Kinder Sportliches zu organisieren. So nimmt die Schule zweimal im Jahr an den Bundesjugendspielen teil, und für die Kleinen wird ein extra Sporttag durchgeführt. Nachmittags gibt es zahlreiche Arbeitsgemeinschaften zu verschiedenen Sportarten wie Fußball, Leichtathletik, Tischtennis, Judo. Nur die AG Fechten wurde von den Kindern nicht so recht angenommen.

Fürs Fahrradfahren hat die Schule ein kleines Haus voller Fahrräder in allen Größen und auch eigene Fahrradhelme, so dass alle Kinder, auch wenn sie kein eigenes Fahrrad besitzen, in der zweiten Klasse problemlos am Radfahrtraining teilnehmen können.
Die Fußballmannschaft nimmt regelmäßig am Drumbo-Cup, dem großen Hallenfußball-Turnier der Berliner Grundschulen teil, und belegt immer einen der vorderen Plätze. Kurz vor dem Abschluss ihrer Grundschulzeit, gibt es dann noch ein Fußball- und Völkerball-Turnier der sechsten Klassen gegen die Lehrer und Eltern.

Schade nur, dass bei so viel Sportbegeisterung die Instandhaltung der Sportanlagen so vernachlässigt wird. Die 50m-Bahn hat mehr Schlaglöcher als jede Straße nach dem strengsten Winter, und der Sportplatz ist nach starken Regelfällen nicht benutzbar, weil das alte Entwässerungssystem nicht mehr funktioniert. Sicher muss überall gespart werden, und sicher sind die Reparaturen defekter Toiletten und undichter Dächer an anderen Schulen wichtiger; aber eine sportbetonte Schule, die ihre Sportanlagen nicht nutzen kann, ist schon sehr bemerkenswert.

Kurz erwähnt werden sollte noch das Anti-Gewalt-Programm der Schule. Neben dem üblichen Klassenrat in den oberen Klassen und den Konfliktlotsen, hier Buddys, auf dem Schulhof, gibt es für die Kleinen den „Faustlos“-Unterricht. Dabei wird einmal in der Woche gewaltfreie Kommunikation gelernt und der Umgang mit Gefühlen und Ärger geübt. Das kommt so gut an, dass die Kinder es auch zu Hause mit den Geschwistern praktizieren. Ja, manch eine Mutter staunt nicht schlecht, wenn die 8jährige dann vor ihr steht und erklärt „Mama, wenn du anderer Meinung bist, musst du eben eine Ich-Botschaft senden!“

Christine Bitterwolf

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