Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.08.2016

Sieh, das Gute liegt so nah!

Wuseln im Gleisdreieck-Park

Foto: Rita Maikowski

Foto: Rita Maikowski

Foto: Thomas Protz

Unser großer Dichter und Denker hatte recht: Goethes Empfehlung, Erholung eher in heimatlichen Gefilden als in der Ferne zu finden, liegt wieder voll im Trend. Für Berlin gilt das besonders. Die zu erforschende Natur und Abenteuer quasi vor der Haustür sind zahllos.
Aber bleiben wir nur mal in Schöneberg. Und schauen uns den Park am Gleisdreieck an. Sie waren lange nicht mehr da? Dann nix wie hin, Sie werden staunen.
Wenn es eine echte „Begegnungszone“ in Berlin gibt, dann dort. Hier wuselt alles durcheinander, hier kurvt  jeder um jeden. Zu Fuß geschlendert oder joggend, mit Fahrrad, gerne auch mit Kinderwagenanhängern hinten oder vorn den Bollerwagen mit dem begeisterten Nachwuchs schiebend, Skater, Roller, Rollstühle, Flaneure und Sportive – bis auf Motorisierungen gibt es nichts, was sich auf den Wegen und Pfaden des Parks nicht begegnet. Und – zumindest an dem sonnigen Sonntagnachmittag unseres Besuchs dort - problemlos und unfallfrei. Obwohl, so ganz ohne Motorisierung war es an dem Tag nicht, aber dazu später.
Und zwischen diesen Hauptwegen findet man verschlungene kleine Pfade, große Wiesenlandschaften zum Relaxen, Spielplätze (auch für Erwachsene), versteckte Gärten und Zivilisations-Wildnis.

Der Park umfasst eine Fläche von über 30 Hektar und bietet einige Überraschungen. Wir starten an der Yorckstraße unter den Brücken. Hinter der Bautzener Straße führen sowohl eine Eisentreppe als auch eine betonierte Piste rechts hoch zur Brücke über die Straße in den Park. Bereits vor dem „Aufstieg“ im unteren Bereich ist zu rätseln: Sind die Randbereiche mit Schlacke gedeckt oder sind es echte Lavasteine? Schwierig zu unterscheiden, wir sind zu keinem abschließenden Urteil gekommen, macht aber auf jeden Fall etwas her. Wir nehmen die Treppe, und oben angekommen erwartet uns eine „Gleiswildnis“ – die alten Gleis- und Signalanlagen hat sich die Natur b-eindruckend zurückerobert, auf dem Zwischenraum der Gleise lässt es sich federnd laufen, er ist mit Rindenmulch gefüllt. Rechts und links Biotope – Natur pur. Und eine kleine, versteckte Picknickwiese. Der Gleispfad endet am Hauptweg. Auf der linken Seite lohnt ein Blick auf das ehemalige Stellwerk, rechts rum geht´s über die Yorckbrücke in den Park.

Für eine grobe Orientierung empfiehlt es sich, die Parkschilder zu lesen, dann aber auch einfach mal kreuz und quer zu laufen, Entdeckungen garantiert. Wir stromern ostwärts, vorbei an dem auf hügeligem Sandgelände gelegenen Naturspielplatz und abseits der Wege platzierten langen Holzbänken, auf denen es sich auch prima für ein Päuschen austrecken lässt. Ein Abstecher zum Interkulturellen Garten „Rosenduft“, vis-à-vis des Genossenschafts-Bauprojekts „Möckernkiez“. Der Garten wurde bereits vor etlichen Jahren von Flüchtlingen aus Bosnien und Herzegowina angelegt und lässt uns nicht nur Rosenduft schnuppern, sondern entfacht auch Diskussionen über die diversen dort angebauten Gemüsesorten (ist das jetzt Kürbis oder Zuccini? Oder etwa Rhabarber???). Ergebnis: Hunger!
Der kann sowohl an dem kleinen Imbiss in der Nähe oder aber im Museumscafé „TOR EINS ZUM GLÜCK“, (das auch als Kulisse für den Sommergarten von Radio Eins diente), gestillt werden. Auf der Terrasse des Cafés schweift bei Cappuccino und Kuchen der Blick entspannt über die mit ebenfalls relaxten Park-Genießern bevölkerte große Wiese. Und hier kommt die angekündigte Motorisierung ins Spiel. An dem Sonntag fand im Technikmuseum die „Große Dampfparty“ statt, und ausnahmsweise kurvte eine Mini-Dampflok durchs Gelände. Kinder wie Erwachsene waren begeistert. (Bei uns blieb die Frage: Ist eine Dampflok eigentlich ein Motorgefährt?)

Vom Café geht´s dann weiter Richtung Westpark. Vorbei an den Mühlen des benachbarten Technikmuseums, ein Zaun trennt das Gelände, aber Blicke auf die alten Mühlen kann man auch vom Parkweg aus erhaschen. Und dann sollte man unbedingt mal stehenbleiben und staunen: Wie die Kids am Skatepark mit Skates, Mountainbikes oder auch Rollern dort durch die Halfpipes brettern und toben, mit artistischen Kunststücken brillieren, springend sich drehen und punktgenau wieder landen –  echt atemberaubend !

Ost- und Westpark trennen Gleise, da müssen wir rüber. Zwei Wege sind möglich, der eine führt über eine Treppe, der andere einfach geradeaus. Wir nehmen die Treppe und genießen oben die grandiose Aussicht auf die Hochbahntrassen der U1, U2 und die Kulisse des Potsdamer Platzes. Und stellen fest: Auch im Westpark lässt sich prima chillen: Auf gemütlichen, terrassenförmig angelegten Holzbänken.

Wir laufen weiter Richtung Bülowstraße. Und dort erwartet uns wieder Natur pur: Die kleinen, verschlungenen, eng überwucherten Pfade durch die Kleingartenkolonie POG. Und finden dort versteckt das Café Eule. Naturnah und rustikal - wie im Urlaub.   

Irgendwo von dort kriegen wir die Kurve Richtung Süden und entdecken: Die Beachvolleyballanlage „Beach61“. Aber Hallo! Eine Superanlage, so jedenfalls der erste Eindruck für uns Laien. Mit Zuschauerterrassen, Strandbar und Sanitäreinrichtungen (Infos für interessierte Spieler gibt es im Internet). Kein Problem, von dort wieder auf den Hauptweg (das ist übrigens auch der Radweg „Leipzig-Berlin“) zu finden, der uns zur Yorckstraße zurückführt. Ein prima Kurzurlaub direkt vor der Haustür. Also, runter von der Couch und auf in den Park!

Veranstaltungshinweis.
Parkfest radioeins rbb:
Vom 25.8. – 4.9.2016
Infos unter www.radioeins.de

Rita Maikowski

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