Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

03.02.2013 / Projekte und Initiativen

Sichtbar machen

„Theater unSichtbar“: so heißt die Inklusionstheatergruppe des Jugend- und Familienzentrums JeverNeun für Jugendliche mit und ohne Behinderung. Das Ziel sind Aufführungen – und der Spaß bei den Proben.
Johanna
Tobias

Der Applaus brandet auf. Die Truppe verbeugt sich. Sie lächeln und nehmen den Beifall mit Genuss auf. Sie, das sind die Laienschauspieler der Inklusionstheatergruppe „Theater unSichtbar“, einem Theaterprojekt des Jugend- und Familienzentrum JeverNeun in Steglitz. Das von Aktion Mensch geförderte Projekt wendet sich an Menschen mit und ohne Behinderung von 12 bis 27 Jahren und wurde im Frühjahr 2012 ins Leben gerufen.
Für das Stück „(M)ein Tag!“ werden verschiedene Szenen immer wieder geprobt, besprochen, geändert und angepasst. Heidrun Kahle und Bastian Horn von der Projektleitung erklären, dass das Stück unmittelbar etwas mit den Beteiligten zu tun haben sollte. Zu ihrem Anspruch sagen die beiden theaterbegeisterten Pädagogen, dass „es auch um Professionalität geht“.
Am heutigen Probentag haben die vier Beteiligten, Alina, Johanna, Tobias und Borwin, die „Aufstehen-Schlafszene“ beendet, in der die Phase nach dem Aufstehen, Frühstück und dem Weg zur Arbeit von ihnen vorgeführt wurde. Das läuft nicht immer glatt, weil etwas vergessen oder übersehen wurde. Aber an den zweiten Durchgang gehen sie umso konzentrierter heran. Und falls sie nicht mehr weiterwissen, springen ihnen die beiden Leiter bei, unterstützt von der Kollegin Katrin Stockmar, und erklären geduldig den Ablauf erneut.

Die Umsetzung war und ist ein Prozess, auch für das Jugend- und Familienzentrum JeverNeun des Nachbarschaftsheim Schöneberg (NBHS). Der jetzige Prozess hat mit gemeinsamen Überlegungen der Jever Neun und des Vereins EbE (Eltern beraten Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung) begonnen, wie Strukturen in einer Jugendeinrichtung aussehen müssen, damit Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung ihre Freizeit in ihrem Kiez zusammen gestalten können. Dazu passt, dass es weitere inklusive Projekte gibt. Für Kinder und Jugendliche von 9 bis 18 Jahren werden Kurse für Tanz und Zirkus (z.B. Jonglage und Akrobatik) angeboten.

„Spannend, wie die Gruppe zusammenwächst“
Seit Beginn der Theatergruppe sind einige Monate vergangen. Eine Zeit, in der nicht-behinderte Jugendliche Berührungsängste hatten und nicht mit den Jugendlichen mit Behinderung Theater spielen wollten. Eine Zeit, in der Logistik ein großes Thema war und ist. Denn der Alltag von Menschen mit Behinderung ist beschwerlich. Mobilität ist ein Problem, die Wege der Jugendlichen müssen mit den Proben koordiniert werden, die Betreuer und Einzelfallhelfer sind genauso involviert wie natürlich auch die Eltern. Trotzdem hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die beharrlich und regelmäßig probt. „Geduld war wichtig. Wir haben verschiedene Methoden ausprobiert, um die Fähig- und Fertigkeiten der einzelnen Teilnehmer herauszufinden“, so Bastian Horn. „Es war spannend zu beobachten wie die Gruppe zusammenwächst.“ Dazu Heidrun Kahle: „Wir mussten herausfinden, was wir theatral machen können. Die Gruppenmitglieder haben Zeit gebraucht, um herauszufinden, was sie können, was sie dürfen und was nicht“.
Nach der erfolgreichen Aufführung bei der Weihnachtsfeier der JeverNeun am 19.12.2012 geht es weiter mit den Planungen für weitere Auftritte. Deshalb heißt es bis dahin: proben, proben, proben! Und wenn im Saal des JeverNeun geklatscht und gejohlt wird, weil eine Szene gut funktioniert hat – dann strahlen die Schauspieler. Nicht nur, weil sie Spaß haben, sondern auch, weil sie in jenen Momenten sehr sichtbar sind.

„Theater unSichtbar“: Proben immer mittwochs 16 bis 17 Uhr
Anmeldung bei Heidrun Kahle, Bastian Horn unter 79 74 00 61

Weitere Informationen: www.jeverneun.nbhs.de

Jan Dimog

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