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16.06.2018

Schulneubau im Eiltempo

Direkt zwischen Stadtautobahn und S-Bahn in Höhe der Tiburtiusbrücke fällt der Blick automatisch auf eine Baustelle in der Körnerstraße, wo ein großer Gebäudekomplex entsteht. Dies ist der Neubau der privaten Kantschule und beherbergt bald die sogenannte Kant Akademie sowie Platz für 600 Schüler der Kant-Oberschule.

Fotos: Thomas Protz

Die Kant-Akademie soll ein Ort werden, an dem Austausch stattfindet, nicht nur für die Lehrer der Schule, sondern auch für die Eltern der Schüler. Es sollen Vorträge von Fachleuten angeboten werden, Diskussionen, aber auch Fort - und Weiterbildungskurse.

Früher war die Kantschule eine der wenigen Privatschulen in Steglitz, aber auch in ganz Berlin.  Man nahm sie damals gar nicht richtig wahr, denn der Ruf der öffentlichen Schulen im Bezirk gab den Eltern wenig Anlass für die Bildung ihrer Kinder zu bezahlen.
Heute jedoch, 51 Jahre nach ihrer Gründung, ist die Kantschule im Bezirk nicht mehr zu übersehen! Überall findet man Gebäude: In der Grunewaldstraße  gibt es den Kant Kindergarten und die Kant-Grundschule, in der Körnerstraße befinden sich die Kant-Oberschule, eine integrierte Sekundarschule sowie die Internationale Schule Berlin Campus Steglitz und in der Lentzeallee die Berlin International School Campus Dahlem. Aus dem ehemaligen Verein ist mittlerweile eine private Stiftung geworden.

Um diese erfolgreiche Entwicklung zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichte hilfreich. 1957 gründete Horst Seidel, ein ausgebildeter Lehrer, den sogenannten Berliner Schularbeitszirkel. Hier wurden die Schüler/innen nachmittags in Gruppen bei den Hausaufgaben betreut oder sie erhielten Nachhilfeunterricht. Bis dato war so ein Institut völlig neu, und Herr Seidel war sehr erfolgreich damit. 1958 gab es bereits 16 Zirkel in den Westberliner Bezirken. 1961 kam Horst Seidel der Nachfrage von Eltern nach einer Schule entgegen, er kaufte die alte Villa eines Fabrikanten in der Grunewaldstraße und gründete dort eine Oberschule. 1967 kam eine Grundschule mit Ganztagsbetreuung dazu, ebenfalls in der Grunewaldstraße gelegen. In den folgenden Jahren stieg die Nachfrage immer mehr, und es gab diverse Umzüge innerhalb der Stadt. Schließlich zog die Oberschule 1997 in ein eigenes Gebäude in der Körnerstraße in Steglitz. 1998 folgte dann die Gründung der Berlin International School in Dahlem mit Bildungsangeboten, die international anerkannt sind.  Hier reagierte man auf die Bedürfnisse der neuen Hauptstadt, deren Politiker/Bewohner aus aller Welt ein internationales Bildungsangebot brauchten. 2004/2005 kam die Gründung der Internationalen Schule Berlin hinzu. Bei dieser Schule liegt der Schwerpunkt auf Englisch, und das Ziel ist ein bilinguales Abitur, die Schüler stammen aus Berliner Familien. Die ehemalige Ganztagsgrundschule wurde mittlerweile durch den Oberschulzweig erweitert.

Sucht man nach den Gründen für die Erfolgsstory dieser Schule, so gibt es meiner Ansicht nach davon mehrere. Zum einen hat der Gründer, Horst Seidel, früh die Zeichen der Zeit entdeckt und vor allem genutzt. Ganztagsbetreuung wurde schon in den sechziger Jahren von den Eltern gefordert, da immer mehr Frauen berufstätig wurden. Hier konnte die Kantschule schnell reagieren, da sie im Gegensatz zu öffentlichen Schulen flexibler war, d.h. weniger Bürokratie und bessere Finanzierungsmöglichkeiten hatte. Es sei daran erinnert, dass die öffentlichen Schulen zum Teil erst seit ein paar Jahren Ganztagsbetreuung anbieten. Auch die schnelle Reaktion auf den wachsenden Bedarf an internationalen/bilingualen Schulen und Abschlüssen verhalf der Kantschule zum Erfolg. Inte-ressant sind auch die Inhalte der  zukünftigen Kant-Akademie, alle Beteiligten am Erziehungsprozess einzubinden. Seit langem treibt auch die Sparpolitik im Bildungsbereich immer mehr wohlhabende Eltern dazu, ihre Kinder an eine private Schule zu schicken. Neben den kaputten Gebäuden und der schlechten Ausstattung der öffentlichen Schulen spielt hier auch die Zusammensetzung der Klasse eine immer größere Rolle, denn die Eltern fürchten um die Bildung ihrer Kinder, wenn sie zur deutschsprachigen Minderheit in der Klasse gehören. Auch die Klassenstärke ist für viele Erziehungsberechtigte wichtig, diese ist an privaten Schulen meist geringer. Privatschulen boomen, aber das ist auch kein Wunder!

Ob der Lernerfolg an einer Privatschule größer ist als an öffentlichen Schulen, ist strittig, was die Bedingungen des Lernens angeht, sind Privatschulen im Vorteil. Dazu liefert der schicke Neubau in der Körnerstraße wieder ein gutes Beispiel, nicht zuletzt dauert ein öffentlicher Schulneubau sehr viele Jahre.

Christine Sugg
Stiftung Private
Kant-Schulen gGmbH
Ermanstr. 26, 12163 Berlin
Telefon: 030 - 79 000 35
www.private-kant-schule.de

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