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25.06.2022 / Projekte und Initiativen

Schüler üben Demokratie

Von Christine Bitterwolf. Sicher hat jeder Schüler mit ein bisschen Taschengeld im Portemonnaie seinen eigenen Haushalt, mit dem er im Laufe eines Monats auskommen muss. Ist das gemeint mit Schüler*innenHaushalt?
Foto: Servicestelle Jugendbeteiligung

Nein. Tatsächlich fördert der Berliner Senat seit 2018 ein Projekt, in dem den Schulen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden, 2.250 Euro, über deren Verwendung die Schüler demokratisch abstimmen sollen. Dabei sollen sie Mitbestimmung lernen. Im Hinblick darauf, dass die Jugendlichen bald mit 16 wählen dürfen, ist es sicherlich gut, wenn sie vorher schon mal etwas Politik geübt haben und erfahren, wie Wahlen organisiert werden und welche Wirkung sie haben. In diesem Jahr bekommen erstmalig alle Bezirke Geld für den Schüler*innenHaushalt und damit sind auch Schöneberger Schulen dabei. Begleitet wird das Projekt von der Servicestelle Jugendbeteiligung e.V. (SJB). Sie wurde vom Senat damit beauftragt, die Lehrer und auch die Schüler zu unterstützen.
Bei der Auswahl der Schulen wurde besonders bewertet, wie überzeugend das Interesse an Demokratie dargestellt ist, und es wurde auch darauf geachtet, dass verschiedene Schul-Typen auszusuchen. Insgesamt sind in diesem Jahr 130 Schulen dabei. In Tempelhof-Schöneberg haben sich 17 Schulen um die Teilnahme beworben, 4 Schulen wurden ausgewählt, u.a. die Stechlinsee Grundschule und die Gustav-Langenscheidt Sekundarschule.
Die SJB hatte zur Einführung einen Auftaktworkshop angeboten und später wurden weitere Qualifizierungsworkshops, wie z. B. Projektmanagement, durchgeführt. Zusätzlich gibt es ein Handbuch und weiteres Informationsmaterial. Außerdem wurde ein zeitlicher Rahmen für die unterschiedlichen Phasen, wie Bildung eines Planungsteams, Ideensammlung, Prüfung und Wahlvorbereitung, vorgegeben. Das pädagogisch geschulte Personal steht auch jederzeit für die individuelle Beratung zur Verfügung.
Die Grundidee ist, dass die Schüler die Umsetzung des Projektes alleine organisieren, von der Bekanntmachung bis zur Umsetzung. Damit übernehmen sie tatsächlich die Verantwortung für das, was an ihrer Schule passiert, wenn auch nur für einen kleinen Teil.  

In der Gustav-Langenscheidt Sekundarschule stehen den Schülern Frau Mc Lean aus der Schulsozialarbeit und Herr Odabas, der Vertrauenslehrer, als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie nehmen jedoch bewusst keinen Einfluss auf das eigentliche Wahlgeschehen, sondern helfen nur im Hintergrund, beispielweise bei der Raumbeschaffung oder mit Erklärungen, was überhaupt ein Ablaufplan ist.
Schon als die Idee zum Schüler*innenHaushalt aufkam, wurden die Jugendlichen selbst tätig. Zu der Frage, ob sie teilnehmen wollten, kamen spontan viele Ideen. So kam es zu der nächsten Frage, wer ist bereit im Planungsteam mitzuarbeiten. Dazu hat der Schulsprecher über die Klassensprecher in allen Klassen nachgefragt und es waren 16 Schüler bereit, sich neben dem täglichen Schulalltag hierfür zu engagieren. Gemeinsam haben sie den Online-Antrag bearbeitet und später an den Workshops teilgenommen. Dann wurde ein Ideenkasten im Sekretariat aufgestellt, damit jeder seinen Vor-schlag einreichen kann. Anfang Juni ist geprüft worden, was davon umgesetzt werden kann, denn es gibt bestimmte Ausschlusskriterien, z. B. Sicherheitsvorschriften, keine baulichen Veränderungen. Damit ist dann ein Swimmingpool auf dem Schulhof leider nicht realisierbar. Es bleiben etwa 20 Vorschläge übrig, die der SJB zur Begutachtung vorgelegt wurden. Nach Abschluss dieser Prüfungsphase soll dann kurz vor den großen Ferien die eigentliche Wahl aller Schüler stattfinden, welche Idee umgesetzt werden soll. Ob die Jugendlichen für ihre Vorschläge hier schon richtigen Wahlkampf führen werden?

Auch in der Stechlinsee Grundschule sind die Schüler von Anfang an interessiert dabei. Hier stehen die Lehrerin Frau Russo und die Sozialarbeiterin Frau Bernstein helfend im Hintergrund. Schon bei der Bewerbung haben die Kinder darauf hingewiesen, dass Demokratie an ihrer Schule großgeschrieben wird, es wurden auch Formulierungen wie: „Wir Schüler wollen mal bestimmen, nicht nur immer die Lehrer“ übernommen.
Natürlich sind die 5./6.Klässler mehr engagiert, aber auch die JÜL-Klassen (1.-3.Klasse) sind im Planungsteam vertreten. Über das Schülerparlament und die Klassenräte wurden alle Schüler aufgefordert, ihre Wünsche abzugeben. Inzwischen ist das Planungsteam dabei zu prüfen, was umgesetzt werden könnte. Ein Automat für Süßigkeiten musste wegen der Folgekosten für Reparatur und Wartung gestrichen werden, doch ob die Anschaffung einer runden Tischtennisplatte überhaupt im Preislimit liegt, wird noch geprüft. Danach werden die geeigneten Ideen im Schülerparlament vorgestellt. Anschließend werden die Klassensprecher in ihren Klasse die zur Wahl stehenden Pläne vorstellen.
Zur Zeit ist das Planungsteam dabei, die Wahl vorzubereiten. Dabei wird auch überlegt, wie die Schüler mitwählen können, die am Wahltag in der Schule fehlen. Jeder Schüler wird zwei Stimmen abgeben können, dafür werden gerade die Stimmzettel vorbereitet. Und … es sollen echte Wahlkabinen aufgestellt werden. Anschließend werden die Stimmen ausgezählt, und wenn alles nach Plan läuft, soll noch vor den Ferien das Ergebnis der Wahl in den Klassen bekanntgegeben werden.

Eins lernen die Schüler bei diesem Projekt ganz bestimmt, warum Demokratie und Verwaltung so langwierig sind. Von der Idee zum Schüler*innenHaushalt bis zum Ergebnis, wofür das Geld verwendet werden soll, ist fast ein ganzes Jahr vergangen.
Die Umsetzung der gewählten Vorschläge sollte bis zum Ende des Jahres 2022 abgeschlossen sein.

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