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28.05.2011 / Orte und Plätze

Schönebergs Wahrzeichen trotzt allen Angriffen – noch

Der denkmalgeschützte Gasometer soll nun also endlich saniert werden. Um dies zu vermelden, veranstaltete der Eigentümer Reinhard Müller bzw. seine, das ehemalige Gaswerkgelände entwickelnde Firma EUREF AG, einen Presse-Empfang zum „Sanierungsbeginn“, zu dem der Eigentümer allerdings schon seit 2008 vertraglich verpflichtet ist.
Der Gasometer wartet vor sich hinrostend auf seine Sanierung. Foto: Thomas Protz
Der Gasometer - rostend und zusätzlich durch Ein- und Anbauten lädiert. Foto: Hartmut Becker

Interessanter wäre es deshalb gewesen, jedenfalls einen Teilabschnitt bereits konkret ausgeführter Sanierungsmaßnahmen vorzuführen. So standen wir denn vor dem selben kleinen Teilbereich an der Außenwand des Wasserbeckens des Gasometers, an der die Firma Opus Denkmalpflege GmbH unterschiedliche Verfahren und Lacke erprobt, genau wie vor einem Jahr - nur verändert hat sich hier eben gar nichts. „Nicht ganz“ sagt Ingrid Schade, für den Schöneberger Gasometer zuständige Denkmalschützerin des Bezirksamtes. In der Zwischenzeit sei nun ein Konzept vorgelegt und genehmigt worden, nachdem Fachleute gehört wurden und alles mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt worden sei. Nein, nicht gekoppelt an einen konkreten Zeitplan, der sei sehr vage, keiner wisse, was, wann genau passiere und von Nöten sein werde, die Sanierung könne auch sehr lange dauern. So sei das im Denkmalschutz.

Matthias Chronz, Geschäftsführer der Opus Denkmalpflege GmbH, nennt dagegen etwa 3,5 Jahre Arbeitszeit und rechnet mit 3,8 Mio. Euro Kosten. Er hat das Sanierungskonzept erstellt, das als Neuheit v.a. mit der Lasertechnologie arbeiten will.

Da regt sich Skepsis bei Dorothea Krömer von der Tempelhofer Denkmalschutzbehörde, sie ist zuständig für den Mariendorfer Gasometer, der seit 2009 aufwendig von der Gasag saniert wird. Auch wenn die zum Einsatz kommenden Lasergeräte kleiner seien als in Mariendorf, könne sie sich nicht vorstellen, dass damit auch die filigranen Teile des Stahlgerüsts und die innere Vernietung gereinigt und entrostet werden können. Ein Laser sei immer gerade und könne nicht in die Zwischenräume gelangen. Dann käme man auch beim Schöneberger Gasometer nicht um das mechanische Verfahren herum, sprich: Handarbeit und Bürste. Das würde natürlich erheblich mehr Zeit kosten.
Matthias Chronz bleibt gelassen und sagt, man solle seiner Erfahrung vertrauen, er beschäftige sich nun schon seit 13 Jahren mit Laserreinigung in der Restaurierung und die Technik, mit der hier gearbeitet werden soll, gab es vor einem Jahr noch nicht. Es komme aber auch ein Mischverfahren aus Laser-, Nadel- und Mikrotrockenstrahltechnologie, entsprechend der Unterschiedlichkeit der Korrosionsschäden (<link http: www.stadtteilzeitung-schoeneberg.de gasometer-sanierung external-link-new-window externen link in einem neuen>s. Photos, online) zum Einsatz. Begonnen wird mit dem Wasserbecken und danach arbeitet man sich, in kleinen Ab-schnitten, weiter an dem Stahlgerüst nach oben. Farblich soll das jetzige Erscheinugsbild des Schöneberger Gasometers nicht verändert werden.

Bleibt abzuwarten, ob den Worten nunmehr Taten folgen und der Denkmalschutz sich seine rechtlich zustehende Beachtung verschafft. Dann müßte er auch auf Rückbau der Einschnitte und An-bauten am Wasserbecken des Gasometers bestehen (<link http: www.stadtteilzeitung.nbhs.de external-link-new-window externen link in einem neuen>s. auch Artikel Sept. 2010, online). „Wird wirklich Zeit, dass hier mal was passiert“ meint der Kollege beim ab-schließenden Buffet, draußen an der Nordwand des Gasometers errichtet. „Gutes Stichwort“ sagt Sonja Reich von der Bürgerinitiative Gasometer und deutet auf einen abgezäunten Bereich von etwa 150 qm, unweit des provisorisch aufgebauten Buffets. Das sei alles noch kontaminiertes Erdreich, vor gut einem Jahr habe dort noch ein Lagerhaus, Haus 5 des ehemaligen Gaswerkgeländes, gestanden, aber passiert sei seit dem Abriss sonst gar nichts.
Noch ist der Gasometer in seiner Stadtbild prägenden Erscheinungsform als filigranes Stahlgerüst erhalten und es bleibt nur die schmale Hoffnung, dass es vernunftbegabte Investoren geben wird, die dem Innenausbau des Schöneberger Gasometers und der Maßlosigkeit des Bebauungsplanentwurfs (B-Plan 7-29) für das gesamte ehemalige Gaswerkgelände Einhalt zu gebieten wissen und einem denkmalgerechten und die Menschen in den umliegenden Wohngebieten nicht belastenden Konzeptes einer baulichen Entwicklung des Gasometer-Geländes den Vorzug geben.

Christiane Rodewaldt

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