Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

4.09.2014

Saite an Saite

Läuft man die kleine Wilhelm-Hauff-Straße entlang, entdeckt man vielleicht einen kleinen Laden, der durch eine im Fenster hängende Geige neugierig macht.

Foto: Hartmut Becker

Betritt man das Geschäft, wird man von zwei freundlichen jungen Frauen begrüßt. Tanja Hidde und Andrea Dürr haben hier eine Werkstatt für Geigenbau und Restauration eröffnet. Auch Bratschen, Celli und Bögen gehören zum Repertoire der beiden - nicht jedoch Zupfinstrumente. Kennen-gelernt haben sich die beiden Frauen an der Geigenbauschule in Newark-on-Trent (Großbritannien).
Inmitten ihrer Hobel, Sägen, Zwingen und Pinsel bauen die beiden in Anlehnung an alte Geigenbaumeister ihre Instrumente. Es hat schon viele Versuche gegeben, die Form und das Material der Geige zu verändern, man ist jedoch immer wieder zur „alten“ traditionellen Form zurückgekehrt. Als skurrilste Varianten der Neuzeit seien hier nur Geigen aus Eis oder Schrott erwähnt. Solche Experimente werden hier nicht gemacht.

Die Entstehungszeit einer guten Geige beträgt etwa 200 Stunden, was dann auch Preise von mehreren tausend Euro rechtfertigt. Zwar gibt es auch Manufakturgeigen, die günstiger sind, die jedoch dann auch an Qualität einbüßen. Die auch am Markt befindlichen 80-Euro Geigen sind nach Meinung der beiden, selbst Geige spielenden, nicht spielbar. Andrea Dürr, die gerade an einem Geigenneubau arbeitet, erwähnt, dass es bestimmte Arbeitsgänge gibt, die nur mit der Hand gut zu machen seien. Die Qualität eines Instruments hängt vom Zusammenspiel vieler Faktoren ab wie z.B. Dicke und Dichte des Holzes, Wölbungsform des Korpus und Beschaffenheit des Lacks. Ein guter Geigenbauer braucht also ein Gespür für den Grundcharakter, den er beim Instrument erzielen möchte. Nachträglich veränderbar sind nur der Steg sowie der Stimmstock im Inneren der Geige.
Generell ist zu sagen, dass der Klang eine sehr subjektive Größe ist. Eine gute neue Geige kann im Vergleichstest mit einer Stradivari hinsichtlich der Klangqualität durchaus mithalten. Den Wert eines Instruments bestimmt vielfach der Handel, in dem historische Instrumente als Wertanlagen gesehen werden. Neuerdings kommen auch zunehmend Streichinstrumente aus China nach Europa, die qualitativ hochwertig sind und nicht mit den Instrumenten aus der Anfangszeit chinesischen Geigenbaus zu vergleichen sind. Um-gekehrt gelangt viel europäisches Material auf den asiatischen Markt.

Zu den Reparaturen ist zu sagen, dass deren Aufwand jeweils abhängig vom Wert des Instruments ist. Keine Reparatur gleicht der anderen und es wird jeden Tag etwas hinzugelernt. Durch die Vernetzung mit Kollegen, die heutzutage nicht mehr ihre „Betriebsgeheimnisse“ bewahren, entsteht ein reger Austausch an Wissen. Dies ist umso wichtiger, als sich Restaurationstechniken im Laufe der Zeit auch ändern. Zum Leimen wird Heißleim auf Wasserbasis verwandt, um im Bedarfsfall die Leimflächen wieder auflösen zu können. Der Leim soll das Instrument lebendig halten, da Holz ein lebendiges Material ist. Auch der Lack benötigt eine gewisse Elastizität. Die Flammen der Ahornmaserung sollten lebendig sein und nicht überbeizt. Letzte Geheimnisse jedoch, wie zum Beispiel die Lackrezepturen aus Bernsteinharz oder die perfekte Holzgrundierung, bewahren viele Geigenbauer für sich.  
Im Laden der beiden werden auch Bögen und Saiten verkauft. Ein zusätzliches Feld ist die Instrumentenvermietung. Hier können, von den üblichen Exemplaren abgesehen, auch Kindergeigen in allen Größen gemietet oder gekauft werden.

Werkstatt für Geigenbau
Tanja Hidde & Andrea Dürr
Wilhelm-Hauff -Str. 14
www.geigenbau-in-berlin.de

Thomas Geisler

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