Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

7.10.2013

Saftschlürfer und Gewebefresser

„Rettet unsere Kastanie! Motten stoppen - Laub sammeln!“ So lautet die Überschrift der Broschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die Sie auch im Internet aufrufen können. Weitere Informationen können Sie im Internet unter dem Stichwort „Rosskastanienminiermotte“ erhalten.

Foto: Thomas Protz

Sie erfahren dort auch, dass die Schädlinge sich seit 1984, ausgehend vom Ohridsee in Mazedonien (daher auch ihr Name Cameraria ohridella), über Österreich nach Mitteleuropa ausgebreitet haben.

Im April schlüpft aus den überwinterten Puppen die erste Generation der kleinen Falter, deren Weibchen ihre Eier auf die Blattoberseite der Kastanien legen. Die geschlüpften Larven ( = Raupen) fressen Gänge (Minen) in das Blatt. Zunächst saugen sie neben den Blattadern die Pflanzensäfte, weshalb sie von den Biologen auch sehr sinnig als „Saftschlürfer“ bezeichnet werden. Später verzehren sie auch das Blattmaterial, sie werden als „Gewebefresser“ bezeichnet. Diese Tätigkeit hinterlässt kreisförmige braune Flecken im Blatt. Nach dem Larvenstadium erfolgt die Verpuppung und eine kurze Puppenruhe. Anfang Mai schlüpfen dann daraus die neuen Falter, deren Weibchen nach der Begattung die nächste Generation von Eiern legt. Drei bis vier Generationen können nach diesem Schema im Sommer entstehen. Die Puppen der letzten Generation überwintern im abgefallenen Laub der Bäume und schlüpfen erst im nächsten Frühling. Die Aktionen der Motten bleiben für uns unbemerkt, da sie überwiegend dämmerungsaktiv sind. Die Schadwirkung für die Bäume besteht im Entzug wichtiger Nährstoffe und der Behinderung der Fotosynthese, durch die ja bekanntermaßen Sauerstoff und wichtige Nährstoffe produziert werden.

Nach Auskunft der Senatsverwaltung und des Pflanzenschutzamtes ist das umfangreiche Einsammeln des Herbstlaubes auch in diesem Jahr wieder die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme. So verschwinden mit den Blättern auch die ruhenden Puppen der Miniermotten in der anschließenden BSR-Kompostierung, und es können somit im kommenden Frühling daraus keine Motten mehr schlüpfen. Mit solchen gezielten Laubsammelaktionen wurde in den letzten Jahren die Zahl der Schädlinge kontinuierlich reduziert.

Es wurden vielfach Meisen und Schlupfwespen bei der Vertilgung der Schädlinge beobachtet, doch wurde auf diese Weise die Gesamtmenge der Schädlinge bisher nur geringfügig vermindert. Chemische Bekämpfung ist nicht nur teuer, sondern belastet auch alle anderen Organismen. So bleibt nur das herbstliche Laubsammeln als erfolgreiche und effektive Maßnahme übrig. Deshalb gilt: Unter-stützen also auch Sie die Aktionen der BSR!

Und für Kleingärtner gilt: Sammeln auch Sie das Kastanienlaub in den Gartenanlagen in festen Müllbeuteln, aber kompostieren Sie es nicht. In Ihrem Komposthaufen entsteht nicht wie in professionellen Anlagen die hohe Temperatur, durch die die Puppen abgetötet werden.
Und natürlich können Sie auch Nistkästen für Meisen anbringen, aber dann bitte beachten: Nistkasten im Schatten, Einflugloch mit richtiger Größe, leicht nach vorn geneigt (Regenschutz) und nicht in direkter Richtung Osten oder Westen (Windschutz).

Übrigens: Die roten Rosskastanien und die roten Hybriden werden nicht geschädigt. Warum, ist bisher noch weitgehend unbekannt. Man weiß lediglich, dass die in deren Blättern geschlüpften Larven nach kurzer Zeit absterben.

Hartmut Ulrich

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