Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

3.11.2015

„Rose und ihr hilfreicher Geist“ von Neil Simon

Eine Frau spricht mit ihrem Verflossenen, dem berühmten Kriminalautor Walsh, obwohl er gar nicht da ist, sie sieht ihn, obwohl er seit fünf Jahren tot ist.

Foto: DerDehmel/Urbschat

Neil Simon ist ein bekannter amerikanischer Autor, von dem wir schon viele interessante Stücke gesehen haben. Man ist gespannt, wie der Autor die Geschichte vorantreibt.

Rose ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, der mit den Jahren etwas die Puste ausgegangen ist. Sie hat sich in ihr Haus am Meer zurückgezogen, verbummelt die Tage mit „Gesprächen“ mit Walsh und zu viel Whisky. Es dauert eine Weile, bis die Zuschauer merken, dass etwas mit Walsh nicht stimmt, dass seinem Auftauchen an den unterschiedlichsten Stellen der Bühne etwas Eigentümliches anhaftet.

Das beeindruckende Bühnenbild kommt diesem Mysterium entgegen: den Bühnenhintergrund füllt ein Film aus, der uns bewegtes Meer und ziehende Wolken zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten vorgaukelt, wir hören die Wellen rauschen, manchmal fliegt eine Möwe über den Himmel.

Direkt am Strand liegt Roses Haus, Stege ragen ins vermutliche Wasser, eine Holztreppe führt zu einer Glasfront ins Haus hinein. Eben noch kommt Walsh über den Steg vom Meer, plötzlich steht er neben Rose auf der Treppe, was sie nicht zu verwundern scheint. Halbsätze wie „als du noch am Leben warst“ bringen dann Gewissheit: Rose unterhält sich mit einem Toten. Und nicht nur das - er antwortet ihr auch noch! Sie sprechen über die vergangenen fünfundzwanzig Jahre gemeinsamen Lebens, streiten über längst Vergangenes, aber auch über die Gegenwart, in der Rose nicht mehr so recht vorwärts kommt. Manchmal bittet sie ihn um Hilfe, und er redet ihr gut zu oder hält ihr einen Spiegel vor. Er ist Helfer und Korrektiv.   

Warum macht eine Frau so etwas? Weiß sie, was sie tut? Ist sie noch ganz bei Trost? „Er existiert nur in meinem Kopf“ sagt Rose zu Arlene, einer vermeintlichen Freundin, die mit ihr das Haus am Meer teilt, als diese sie bei einem einsamen Zwiegespräch ertappt. Und doch hat man das Gefühl, sie blicke oft selbst nicht mehr durch. Sie meint ihn zu steuern, wie sie ihn braucht, und dann ist sie schockiert, als er ihr mitteilt, er werde sich demnächst für immer zurückziehen. Ist das jetzt ein verzweifelter Selbsthilfeversuch, um sich aus der Abhängigkeit von der Vergangenheit zu befreien? Eine Flucht ins Erwachsenen-Ich? Man kann die Geschichte dieser Frau, die sich auf ihre ganz spezielle Art mit ihrem Leben auseinandersetzt, durchaus psychologisch sehen, aber dann verliert sie ihren Charme. Was wäre das ganze Räsonieren ohne ein kritisch-liebendes Gegenüber, und sei es erfunden?

Walsh ist also nicht mehr da und Rose muss sich ein neues Problemfeld suchen. Arlene bietet sich an, die sich als Roses Tochter entpuppt und ihr einiges zu sagen hat. „Nie hast du mir zugehört“, wirft sie ihr vor und zwingt Rose, sie jetzt anzuhören. Nach ihrer Rolle der erfolgreichen Schriftstellerin muss Rose nun ihrer weniger erfolgreichen Rolle als Mutter ins Auge sehen. Und bald bestätigt sich der Verdacht des Zuschauers, dass diese ganzen Auseinandersetzungen Roses zu ihrem Ende hinführen: Walsh taucht noch einmal auf, um sie „abzuholen“. Bei allem angelsächsisch ironischen Witz des Textes, der leider nicht immer recht zur Geltung kommt, fällt dieses Ende doch arg sentimental aus - wahrscheinlich, weil es wieder von Rose inszeniert wurde.

Ein amüsantes Bühnenstück mit guten Schauspielern – Rose gespielt von Michaela May, Walsh von Jürgen Heinrich – und einem gelungenen Bühnenbild. Noch bis zum 2. November im Spielplan.

Regie: E.C. Köhler
Bühnenbild: Jeannine Cleemen, Moritz Weisskopf

Schlosspark Theater
Schloßstrasse 48, 12165 Berlin
Theaterkasse: 789 56 67-100

Sigrid Wiegand

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