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25.11.2015

Rezepte zum Weihnachtsschmaus 1915

Das „Schöneberger Tageblatt“ empfiehlt am 15. Dezember 1915 für die abendliche Kriegstafel billige und warme Gerichte, u.a. „Ungarisches Allerlei, Pommersche Reibeklüth und den Berliner Topf:

½ Pfund recht kleingeschlagener Ochsenschwanz ist mit allem nur erhältlichen Suppengrün, als Petersilienwurzel, Porree, Sellerie und 1 Pfund kleingewürfelter Mohrrüben, 1 Tasse gebrühtem Reis und 1 Pfund in Scheiben geschnittener, roher Kartoffel und Zugabe des nötigen Salzes anzukochen und 10 Stunden in die gutschließende Kochkiste zu bringen. – Kostenpunkte: 1,25 M.“ Und es darf auch nicht der gängige „Wiener Heringsauflauf aus 15 abgekochten Pellkartoffeln, 3 gewässerten und entgräteten Heringen, 1 Zwiebel und 3 eingeweichten Semmeln und einer Tomaten- oder Petersilientunke“ fehlen. Als schnöden Dank widmet die Berliner und Schöneberger Bevölkerung dem Kaiser anlässlich des Weihnachtsfestes in seiner Hymne „Heil dir im Siegerkranz ...“ die neue Textpassage „friß in des Thrones Glanz, die fette Weihnachtsgans, uns bleibt der Heringsschwanz, in Packpapier.“

Anmerkung: Musikalisch Interessierte können sich im 2014 anlässlich des Beginns des 1. Weltkriegs erschienen Album Lament der Band „Einstürzende Neubauten“ die multilinguale Version unter „Hymnen“ im deutsch/englischen Chorgesang anhören. „Hymnen“ deshalb, weil englische und kaiserlich/deutsche Nationalhymne musikalisch identisch sind, und in englischer Sprache klingen Heringsschwanz und Packpapier besonders pikant, wie dies im Londoner Konzert der Band 2014 gut zu hören ist.

Hartmut Ulrich

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