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03.05.2016 / Projekte und Initiativen

Rathaus Friedenau

„…und sich in Andacht der Stimmung des Ortes hingeben zu können.“
Foto: Archiv Tempelhof-Schöneberg

So formulierte der Architekt Hans Altmann 1914 seine baulichen Vorstellungen bei der Eröffnung des „Waldfriedhofs Friedenau in Gütergotz“, einem Teil des Südwestfriedhofs Stahnsdorf. Aber diese Gedanken möchte man auch auf die uns Kiezbürgern näher vor den Augen liegenden und von Altmann geplanten Bauten wie z.B. das Rheingau–Gymnasium, die Paul–Natorp–Oberschule, das evangelischen Pfarr- und Gemeindehaus am Friedrich–Wilhelm–Platz, das Toilettenhäuschen am Perelsplatz  und natürlich unser Rathaus Friedenau (erbaut 1913 – 1917) übertragen. Altmann wurde 1871 in Danzig geboren und begann sein Architekturstudium in Berlin, wo er 1965 – etwas in Vergessenheit geraten – verstarb. Um 1900 hatte er sich im kaiserlichen Berlin wegen seiner kühnen, zwischen Historismus, Jugendstil und Moderne angesiedelten Planungen, einen ausgezeichneten Ruf erworben, und die freie Landgemeinde Friedenau war glücklich, diesen „ideenreichen und vielseitig künstlerischen Schöpfergeist“ 1904 zum Gemeindebaurat er-nennen zu können. Kurz vor der Fertigstellung des Rathauses wurde ihm für seine Tätigkeiten von der Gemeinde ein Denkmal gesetzt, worüber der „Friedenauer  Lokal–Anzeiger“ am 16. Mai 1916 berichtete:
„Ein Bildnis unseres Gemeindebaurates Altmann ist jetzt über der Haupteinfahrt unseres Rathauses an der Rheinstraße angebracht worden. Herr Bildhauer Butzke, der auch den übrigen Bildschmuck an unserem Rathaus geschaffen hat, hat dieses Bildnis modelliert, das entsprechend ähnlich die Züge unseres Baurats erkennen lässt, der hier in Arbeitskleidung mit einem Bauplan in der Hand dargestellt ist.“

Bitter beklagte sich Hans Altmann, als das Rathaus – und vor allem sein zum Platz gerichteter Kopfbau - nach den Zerstörungen durch den Zweiten  Weltkrieg zwischen 1950 und 1956 vereinfacht wieder aufgebaut wurde. Fehlende finanzielle Mittel und der Verlust der politischen Potenz Friedenaus - im Rathaus Schöneberg galt jetzt das Sagen - waren hier wohl die Motive der von der Schöneberger Hauptverwaltung geplanten architektonischen Beschränkungen. Altmann intervenierte immer wieder gegen die „Verfälschung“ seines Werkes, so dass man ihn von den weiteren Planungen ausschloss. „ … Für alle Angelegenheiten betr. Wiederaufbau ist nur das Hochbauamt Schöneberg zuständig … etwaige Versuche des Herrn Alt-mann bzgl. Auskünften sind zurückzuweisen und ihn an das Hochbauamt zu verweisen ...“ (Hbamt 1952-Schreiben in Bauakte 3).

So bleibt aber  der immerhin 71 Meter (!) hohe Rathausturm eine bleibende Landmarke an der Bundesstraße 1 und auch die Skulptur von Hans Altmann über dem Portal zur Hauptstraße, denen wir Heutige uns mit Andacht und Erinnerung an seine kommunalen Leistungen für Friedenau  hingeben können. Und wer sich weiterhin an die alten Zeiten erinnern möchte, macht einfach einen Rundgang um das Rathaus und schaut sich die alte Restfassade und die sinnträchtigen Figuren des Bernhard Butzke an.

Hartmut Ulrich

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