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28.02.2022 / Orte und Plätze

Präsentation der Kleistpark-Pläne

Von Ottmar Fischer. Nachdem im November im Rahmen einer Begehung mit etwa 50 Teilnehmern die Vorüberlegungen zur beschlossenen Sanierung des Kleistparks vorgestellt worden waren, kam es nun im Februar vor etwa 100 Teilnehmern zur Vorlage der Planungsergebnisse.
Staudenring Süd mit Skulptur. Im Hintergrund die stilisierte Fassade des Kammergerichts. Copyright: Büro Henningsen Gartenarchitekten.

Da diese zweistündige Veranstaltung coronabedingt virtuell stattfinden musste, konnte der angekündigte Verlauf zielgenau im Zeitplan gehalten werden, denn nur die fünf Veranstalter waren in Bild und Ton freigeschaltet, während die teilnehmende Öffentlichkeit ihre Beiträge für alle sichtbar und kommentierbar in Schriftform einreichen musste, die dann am Ende der Sitzung von den Veranstaltern nach Themen gegliedert behandelt wurden. Dadurch konnten zeitraubende Einzeldiskussionen vermieden werden, ohne dass es zur Vernachlässigung wesentlicher Einzelaspekte gekommen wäre.

Der Moderator führte zunächst einige Befragungen durch, die ergaben, dass etwa zwei Drittel der Teilnehmer in der Nähe des Parks wohnen, etwa 70% den Park für Spaziergänge nutzen, 56% zur Entspannung, 48% zur sportlichen Betätigung, und das  von 29% fast täglich. Als Anreiz für die Parknutzung wurden die zentrale Lage, die Ruhe, sowie das Angebot von Sitzmöglichkeiten und der Baumbestand genannt.

Die Fachvorträge begannen dann mit Hardy Buhl vom bezirklichen Grünflächenamt, der einen Überblick über den Zeitplan der vorgesehenen Maßnahmen gab. Danach sind die Voruntersuchungen bereits abgeschlossen. Ein Bodengutachten wurde erstellt, das sich auf Grabungen an sieben Stellen stützen kann. Und Untersuchungen zum örtlichen Tiefbrunnen haben ergeben, dass sich die vorhandene Bewässerungsanlage in einem guten Zustand befindet und über ausreichende Kapazitäten verfügt, um die Parkfläche überall aus dem Grundwasser versorgen zu können.

Damit könnten die Planungen bereits im März abgeschlossen sein, und nach dem sich anschließenden Beschlussverfahren und den Ausschreibungen könne voraussichtlich im September mit den Baumaßnahmen begonnen werden, die zum Ende des nächsten Jahres abgeschlossen sein sollen. Doch sollten sich Parknutzer während der Bauphase nicht erschrecken, denn über lange Zeit würde der Bagger das Bild bestimmen, weil zunächst Erdbewegungen und Rodungen erforderlich seien, bevor dann im Spätsommer des nächsten Jahres mit den Pflanzungen begonnen werden könne. Doch auch während der Maßnahmen solle der Park entsprechend den jeweiligen Gegebenheiten geöffnet bleiben.

Woher und wohin
Im Anschluss an diesen Bericht gab Karen Andreas vom Landesdenkmalamt einen Überblick über die Geschichte des Geländes. Begonnen hat alles mit dem Großen Kurfürsten, der hier 1679 erst einen Hopfengarten und dann Küchen- und Kräutergärten anlegen ließ, was bis 1713 Bestand hatte. Es folgte 1718 die Anlage eines Botanischen Gartens mit 1900 verschiedenen Pflanzen und 18 Gewächshäusern sowie einem riesigen Palmenhaus. Im Jahre 1909 begann dann der Umbau zu einer öffentlichen Parkanlage, weil der Botanische Garten nach Dahlem umzog, weswegen auf einem Teilstück das Kammergericht entstand und die Königskolonaden hierher versetzt wurden, um einen schmückenden Eingang zu schaffen. 1945 wurden dann die beiden Rossebändiger vom Stadtschloss hierher gebracht, um neben weiteren Umgestaltungen ein repräsentatives Areal im Umfeld des nunmehr als Alliiertes Kontrollratsgebäude genutzten Kammergerichts zu schaffen. Dazu gehörten auch die für schwere Militärfahrzeuge ausgelegten Panzeraufstellflächen an den Flügeln und die Auffahrten vor dem Gebäude, die als Teil der historischen Gestaltung nicht wieder entsiegelt werden sollen. Denn dieses damals geschaffene Erscheinungsbild der Gesamtanlage mitsamt dem Rasenoval in der Mitte und dem Ringwall aus Erde vom Aushub für die Auffahrten wurde 1995 zum Gartendenkmal erhoben und dient deswegen nun als Leitbild für die Neugestaltung. Dazu ist anzumerken, dass einzig die hohen Kosten der Wiedervereinigung eine frühere Inangriffnahme der Sanierung verhindert hatten.

Wie als Dritte der Vortragenden Eva Zerjatke vom beauftragten Planungsbüro Henningsen Gartenarchitekten ausführte, besteht die Aufgabenstellung also einerseits in der denkmalgerechten Integration der städtebaulichen Elemente und in der Wiederherstellung des historischen Pflanzenbestands unter Berücksichtigung der Pflanzungen aus der Zeit der früheren Umgestaltung vor hundert Jahren, andererseits in der Integration der seither entstandenen Nutzungen wie Kinderspielplatz, Sportanlagen und Hundeauslaufgebiet. So soll am linken Flügel des Kammergerichts in Anlehnung an den bestehenden Trampelpfad eine Wegeverbindung von der kleinen zur großen Liegewiese und entlang dem Hundeauslaufgebiet führen. Auf dem rechten Flügel soll ebenfalls auf der Spur eines bestehenden Trampelpfads ein Weg das dortige Rasengeviert durchqueren und anschließend durch das dunkle Eibenwäldchen führen, das auf Anregung aus dem Publikum bei der November-Begehung nun doch nicht gelichtet werden soll, weil die Kinder vom nahen Spielplatz gerade den dunklen Charakter der Erscheinung gern als abenteuerliche Herausforderung annehmen.

Die ringförmige Umwallung soll wieder durch ein repräsentatives Wildstauden-Band eingefasst werden, mit zwei einander gegenüber liegenden Zugängen zu jeweils erhöhten Sitzbänken für den Rundblick. Der entstandene Wildwuchs soll entfernt und durch im Jahreswechsel blühende Waldpflanzen ersetzt werden, wobei die Auswahl einheimischer Arten gleichzeitig den Insekten und dem Naturschutz dienen soll. Der Eingang an den Kolonaden soll mit robusten Hortensien ausgestaltet werden, an der Fahnenterrasse vor dem Kammergericht soll die Wacholderhecke wiederbelebt werden, und auch die ehemaligen Pflanzentröge sollen mit insektenfreundlichen Blühpflanzen auferstehen. Das zentrale Rasenoval soll wieder von niedrig wachsenden Kiefern eingefasst werden und zusätzliche Bänke sollen dort zum Verweilen einladen.

In der Schlussrunde zu den vom Publikum aufgeworfenen Fragen standen zwei vielfach geteilte Wünsche im Mittelpunkt. Der eine betraf die bereits bei der Begehung genannte Einrichtung von Toiletten, der andere die Ausweisung eines gesonderten Feldes zur gärtnerischen Betätigung für die Bevölkerung. Als neue Stadträtin für Grünflächen stellte Saskia Ellenbeck (Grüne) dazu klar, dass im Rahmen der allgemeinen Suche nach Toiletten-Plätzen im öffentlichen Raum auch ein Standort in unmittelbarer Nähe zum Park gefunden werden soll, etwa im Eingangsbereich an der Potsdamer Straße. Und zum ehrenamtlichen Gärtnern versprach sie ihre Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Standorten im öffentlichen Raum, im Park selbst sollten aber keine Flächen bereitgestellt werden, damit das denkmalgerechte Erscheinungsbild nicht beeinträchtigt werde.

 

Siehe auch:

Der kurfürstliche Garten in Schöneberg

Vom kurfürstlichen zum botanischen Garten

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