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27.09.2011 / Orte und Plätze

Potsdamer, Haupt-, Rhein- und Schlossstraße

Warum wechselt ein- und dieselbe Straße so oft ihren Namen? Ursprünglich war die heutige Hauptstraße eine Dorfstraße, die einzige Straße die durch das Dorf Schöneberg führte.
Meilenstein am Innsbrucker Platz. Foto: Hartmut Becker

1791 ließ jedoch der preußische König Wilhelm II eine künstlich befestigte, mit Steinen gepflasterte, Straße von Berlin nach Potsdam anlegen, die Potsdamer Chaussee. Es war die erste „Kunststraße“ Preußens! Solche Straßen wurden damals für militärische Zwecke oder zum Ausbau der Handelswege angelegt. Vielleicht wollte ja der König mit der Kutsche auch einfach nur bequem und schnell von seinem Schloss in Berlin zu seinen Soldaten in der Garnisonsstadt kommen. Die Straße begann vor dem Stadttor nach Potsdam und führte durch Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf. 1792 wurde ein Chausseegeld eingeführt, von dem nur der Wagen des Königs und die Post ausgenommen waren. Friedrich Wilhelm III ließ später auf der Potsdamer Chaussee drei Meilensteine errichten. Der erste dieser Meiler wurde zerstört, aber eine Rekonstruktion ist heute auf dem Innsbrucker Platz zu sehen.

Diese Potsdamer Chaussee wurde 1841 im Berliner Raum in Potsdamer Straße umbenannt. Im Bereich Schönebergs hieß sie zu der Zeit Botanische Gartenstraße, weil damals, dort wo heute der Kleistpark ist, der erste botanische Garten angelegt worden war. 1881 wollten die Schöneberger ihre alte Dorfstraße aber wieder zu dem machen, was sie mal war. Da das Dorf jedoch inzwischen viel größer geworden war und nun mehrere Straßen hatte, nannten sie diese jetzt Hauptstraße.

Die selbstständige Landgemeinde Friedenau, in der die Potsdamer Chaussee kurzfristig auch mal Schöneberger Straße hieß, wollte sich bald von Berlin und Schöneberg abgrenzen und nannte ihr Stück Straße ab 1875 Rheinstraße. Zur Erinnerung daran, dass Friedenau nach dem Frankfurter Frieden benannt worden war, sind einige Straßen des Ortes nach Flüssen aus der Gegend bei Frankfurt benannt worden. Die Steglitzer aber gaben ihrem Teil der Straße 1860 lieber den Namen Schloßstraße, denn am Ende der Dorfaue stand ein Gutshaus, das den Dorfbewohnern wie ein Schloss erschien. Es ist heute noch als Wrangelschlösschen bekannt. Diese erste gepflasterte Straße Preußens wurde später ein Teil der heutigen Bundesstraße 1. Man würde hier wohl gerne unterstellen, dass sich eine preußische Erfolgsidee langfristig durchgesetzt hat.

Christine Bitterwolf

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