Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

1.12.2021

Plan B

Wieder eine Premiere im Theater Strahl, diesmal wird in der Probenbühne im Kulturhaus in der Kyffhäuserstraße gespielt. Von Christine Bitterwolf.

Foto: Jörg Metzner

Plan B ist ein Stück, das die pubertären Gefühle von Teenagern gegenüber den Erwachsenen deutlich aufzeigt. Die Jugendlichen fühlen sich groß und stark und werden mit der Welt und allem anderen alleine fertig. Die Eltern und Lehrer machen aus ihrer Sicht alles falsch und werden deshalb abgelehnt.
Dargestellt wird eine Gruppe von 5 jungen Mädchen, die sehr unterschiedlich sind. Eine ist blond und schön und betreibt einen Video-Blog, der sich natürlich von allen anderen abheben soll, eine ist lesbisch, eine ist neu in der Gruppe und möchte so gerne dazu gehören. Gemeinsam haben sie die Ablehnung der Schule und den Gedanken, auf keinen Fall so werden zu wollen wie ihre Eltern. Als eine von ihnen, Fran, schwanger wird und überlegen muss, wie sie mit dieser neuen Situation umgehen will, beschließen die anderen jungen Mädchen in der Gruppe ebenfalls Babies zu bekommen, die sie dann gemeinsam in einer Wohngemeinschaft großziehen wollen, um unabhängig zu sein. Sie genießen den Gedanken, nun da sie selbst Kinder bekommen, nicht mehr Kind für andere zu sein und damit endlich Selbständigkeit erreicht zu haben. Hat eine von ihnen ein Problem, helfen ihr alle es zu beseitigen, denn in der Gruppe sind sie stark.

Die Figur der Fran wird großartig gespielt von Natascha Manthe, die mit ausdrucksstarker Mimik Schrecken, Angst, aber auch Freude überzeugend widerspiegelt.
Die Themen, die in diesem Stück angesprochen werden, sind sehr vielfältig: Wie stellen sich die jungen Leute die Selbständigkeit vor? Wenn sie alle jeden Tag Bratkartoffeln oder Pizza essen, bleibt viel Geld zum Feiern übrig, Rechnen müsste man aber dafür können.

Wie gehen alleinerziehende junge Mütter mit der Schwangerschaft und der Versorgung eines Babies um? Was können Frauen tun, wenn sie an Sex mit Männern nicht interessiert sind und trotzdem ein Baby bekommen möchten? Wie reagieren die Eltern auf diese Situation? Wie weit gibt man sich selbst auf, um in der Gruppe akzeptiert zu werden? Sind Babies eine Belastung für ihre Mütter? Sind alle Eltern so bestimmend und voller Vorwürfe? Stehen wirklich alle Lehrer so hilflos vor ihren Schülern? All diese Probleme werden am Ende nicht gelöst. Sie sind Anregungen für die jungen Zuschauer, sich selbst Gedanken darüber zu machen und diese untereinander zu erörtern.

Am Ende jeder Vorstellung stehen die Schauspieler auf der Bühne und fordern das Publikum auf, mit ihnen über das Theaterstück zu diskutieren. Für Schulklassen, die das Stück besuchen, bietet das Theater sogar theaterpädagogische Nachbereitungsworkshops an. Man kann nur hoffen, dass sich bei diesen Gesprächen herausstellt, dass nicht alle Eltern so schrecklich sind, wie sie hier dargestellt werden, nicht alle Lehrer so armselig und ahnungslos sind und vor allem, dass nicht alle Teenager so naiv und unbedarft sind. Tatsächlich sind die Figuren im Theaterstück bewusst so übertrieben dargestellt, um die Zuschauer ein wenig zu provozieren.

Beachtenswert ist das Bühnenbild, das sich schnell für jede Szene wandeln kann. Mal sieht man die Liege im Zimmer der Vertrauenslehrerin, mal ist es die Gartenlaube, in der sich die Gruppe versteckt hält, und dann sitzen plötzlich viele Puppen als Lehrer und Eltern zusammen und überlegen, wer wohl Schuld ist an dem ganzen Dilemma. Bei der Bühnengestaltung wird viel mit Licht und witzigen Video-Effekten gearbeitet. Der für das Bühnenbild zuständige Declan Hurley nennt sich nicht umsonst Videokünstler.
Die Regisseurin Wera Mahne, die auch den Text dieser Aufführung geschrieben hat, arbeitet seit Jahren erfolgreich an Projekten für Kinder und Jugendliche.

Theater Strahl ist seit über 30 Jahren das einzige Theater in Berlin, das ausschließlich Programme für Jugendliche ab 12 Jahren anbietet. Es hat in Schöneberg zur Zeit  zwei Spielorte, nämlich die Weiße Rose in der Martin-Luther-Straße  und die Probenbühne im Kulturhaus in der Kyffhäuserstraße. Im nächsten Jahr wird dann auch endlich in dem neuen Theatersaal am Ostkreuz gespielt. Dieses Jugendtheater ist mit seinem pädagogischen Konzept schon weit über Schöneberg hinaus bekannt. Es kommen auch Schulklassen aus dem Bundesgebiet zu den Vorstellungen, wenn sie beispielsweise auf Klassenfahrt in Berlin sind. Das Theater geht mit seinen Produktionen aber auch auf Tournee und gastiert dann in anderen Städten.
2020 hat die Schöneberger Bühne den Deutschen Jugendtheaterpreis erhalten.

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