Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

26.11.2013

Pink Floyd in Friedenau

„Das Alter kann auch schön sein, es ist wie eine Rose, sie duftet im Alter nur anders“ sagte einmal Heinz Rühmann.

Foto: Thomas Protz

Das Seniorenheim Albestraße besteht seit 1986 und hat die Möglichkeit, Menschen aller Pflegestufen zu versorgen. Die Leiterin des Hauses, Frau Gehrmann, erzählt, dass manchmal Klänge von Pink Floyd auf dem Gang zu hören seien. Diese Lebenslust wird gefördert durch das aus der Schweiz importierte „Drei-Welten-Konzept“.

Das Drei-Weltenprinzip sieht homogene Gruppen für jede „Pflegewelt“ vor. Zur ersten Welt werden die noch sehr aktiven und beweglichen Bewohner mit Alltagskompetenz gezählt. In der zweiten Welt leben Bewohner/innen, die eine beginnende bis mittelschwere Demenzerkrankung haben. Sie brauchen bereits Hilfe und Unterstützung zu ihrer Orientierung und eine feste Tagesstruktur. Ganz wichtig ist hier Musik. Im Büro des Sozialdienstes findet man einen umfangreichen und ausgewählten Fundus an Liederbüchern und Musikinstrumenten, die regelmäßig auch von den Bewohner/innen genutzt werden. In kleinen und großen Gruppen wird regelmäßig gesungen, Musik gehört oder auch Musikstücke mit Instrumenten begleitet bzw. interpretiert.

Die dritte Welt ist Bewohner/innen mit ausgeprägter Demenzerkrankung, die körperlich noch überwiegend mobil sind, vorbehalten. Für sie ist ein besonders liebevoller Umgang wichtig, denn ihre Wahrnehmung findet hauptsächlich auf der Gefühlsebene statt. In der fünften Etage des Hauses leben schwerstpflegebedürftige Menschen, die in hohem Grade immobil sind.

Dieses sehr menschliche Prinzip führt zu einer Verminderung der Konflikte und einer Optimierung der Pflege und Betreuung. Harmonie steht immer im Vordergrund, sowie Individualität und Erhaltung der Selbstständigkeit. Harmonie strahlen auch die über 90 Angestellten (auch MAE Kräfte) aus, die die 108 Bewohner liebevoll um-sorgen. Alle Mitarbeiter verfügen über eine gerontopsychiatrische Qualifikation sowie umfangreiches Wissen in Kinaesthetik (Lehre von der Bewegungsempfindung). Der Einzug in ein Seniorenheim verursacht häufig einen Persönlichkeitswandel bei den Bewohnern, da sie vorher alles alleine gemacht haben und jetzt praktisch in einen „Hotelbetrieb“ ziehen.

Das Durchschnittsalter der Bewohner ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen und liegt inzwischen bei weit über 80 Jahren. Dies führt dazu, dass inzwischen schon die Angehörigen selbst ins Seniorenalter gelangen. Von den 108 Bewohnern sind 10 Personen bereits über 100 Jahre alt. Bis vor 2 Jahren waren es fast ausschließlich Frauen, die im Seniorenheim lebten, inzwischen sind auch 10 Männer dabei.
Das Haus verfügt auch über einen Streichelzoo, in dem Hühner und sogar Ziegen gehalten werden. Diese kleine „Attraktion“ führt dazu, dass neben dem Ansprechen der Sinne der Bewohner auch Kita-Gruppen regelmäßig das Senioren-heim besuchen und so eine Integration in den Kiez Friedenau er-reicht wird. Eine weitere Integration ins Wohnumfeld ergibt sich durch den hauseigenen Heimchor, der jährlich auf dem Gemeinde-fest der Kirche „Zum Guten Hirten“ auftritt. Am 06.12. findet im Haus ein Weihnachtsmarkt statt, zu dem die Friedenauer herzlich willkommen sind.

Frau Gehrmann als Leiterin des Seniorenheimes fragt sich mit einem Lächeln,- nach ihren Pink Floyd Erfahrungen-, welche Musik wohl die nächste und übernächste Generation hören wird ? - Bon Jovi, AC/DC oder Tina Turner?

Thomas Geisler

 

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