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25.01.2011 / Menschen in Schöneberg

Parkumgestaltung erregt Anwohner-Protest

Eine rhombusähnliche Grünfläche zwischen Hauptstraße und Belziger Straße, eingefasst vom Stadtbad Schöneberg, der Theodor-Heuss-Bibliothek, dem Schöneberg-Museum und dem Kirchhof Alt-Schöneberg: gemeint ist der Heinrich-Lassen-Park.
Kleinholz im Heinrich-Lassen-Park. Foto: Hartmut Becker
vorher: beliebte Liegewiese im Heinrich-Lassen-Park. Foto: Rosa Koumari
nachher: neue Wegeführung durch den Heinrich-Lassen-Park. Foto: Christian Storbeck

Er ist nach dem Berliner Stadtbaurat, der maßgeblich an der Errichtung des o.g. Hallenbads im Jahre 1929 beteiligt war, benannt. Der Park bietet zwei geräumige Spielplätze, eine breite Liegewiese, einen verschatteten Schachtischbereich und eine Anhöhe, die bei Schneewetter gerne von Jugendlichen als Rodelbahn benützt wird. Von neueren Spielgeräten abgesehen sah der Park bis vor kurzem so aus, als wäre er seit etlichen Jahren unverändert geblieben. Bis zu jenem Abend Ende Oktober, als mit ersten Umgestaltungsarbeiten begonnen wurde.

„Es war praktisch eine ‚Nacht-und-Nebel-Aktion’“, moniert Julia Hasenfuß, die die Kinderbuchhandlung „Purzelbuch“ in der Belziger Straße 53 mitbetreibt (und in der anliegenden Eisenacher Straße zuhause ist). „Ich finde es nicht in Ordnung“, fügt sie dazu, „dass man erst was davon mitkriegt, wenn die Bagger mitten in der Nacht losfahren. Klar – da sehen sich die Anwohner da-zu gezwungen, im Nachhinein ihre Bürgerinitiativen zu gründen.“

Frau Hasenfuß beklagt, dass die Umbaumaßnahmen den angrenzenden Geschäften schaden könnten. Das meint auch Heidi Bartram, seit fünf Jahren Besitzerin des Cafés „Hippe Schrippe“ an der nordöstlichen Parkecke. „Ich lebe von der Laufkundschaft, vor allen Dingen im Sommer. Da kommen die Kinder von den Spielplätzen rein – auch die Mütter und Väter – um Backwaren und Getränke zu kaufen. Außerdem gibt es eine Toilette hier im Geschäft, die auch von den Kindern und Eltern benützt werden darf – eine öffentliche Bedürfnisanstalt gibt es in dem Park nicht.“ Bartrams Miene wird ernst: „Wenn sie bis Sommer mit dem Umbau nicht fertig werden, werde ich – und andere, wie die Eisdiele gegenüber – viel Umsatz einbüßen müssen.“

Nicht nur Gewerbetreibende, auch viele Anwohner fühlten sich betroffen, gar überfahren. Eine Frage drängt sich den Anwohnern auf: Wie kommt es, dass ein gut funktionierender Park plötzlich neugestaltet wird? Der zuständige Stadtrat für Bürgerdienste, Ordnungsaufgaben, Natur und Umwelt, Oliver Schwork (SPD), nennt fünf zwingende Argumente für die Baumaßnahmen. Im Lassen-Park gibt es Entwässerungs-, Weg-führungs-, Pflege-, soziale und Bewirtschaftungsprobleme, die auf- und angegriffen werden müssen. „Zur Bewältigung der Probleme wurde im Frühjahr 2010 im Fachbereich Natur mit einer Neuplanung begonnen“, so Schworck. „Allein die Planung hat 220 Arbeitsstunden des Planers beansprucht.“ Unter anderem sind Aspekte der Wirtschaftlichkeit zu berücksichtigen. „In früheren Zeiten gab es ein enges Standortnetz von Revierunterkünften im Bezirk“, erklärt Schworck. „Mit abnehmendem Finanzvolumen (müssen jetzt) in den Grünanlagen selbst jeweils Standorte für Container, mobile Unterkünfte, Lagerflächen und Toiletten geschaffen werden. “

Ein weiteres Problem liegt buchstäblich im Grund des Parks begraben. Mitten im Unterboden haben Experten Rudimente eines glazialen Sumpflochs ausgemacht, indem sich noch heute viel Regen- und Schmelzwasser sammelt; bei bestimmten Wetterlagen werden Boden und Wege überaus matschig und schlammig. Dies führt nicht nur zu Beeinträchtigungen der Gehwege, sondern auch zu Erosionsproblemen mit dem Oberboden. Schworck: „Ins-besondere besteht ein Problem darin, dass das Wasser in den Bereich der Spielgeräte läuft, dort für Bodenverfestigung sorgt, so dass die vom Sand geforderten Fallschutzeigenschaften nicht mehr gegeben sind“.

Der mäandernde Hauptgehweg des Parks nimmt auch in Schworcks Argumentationen Platz ein. Ob-wohl ein Fahrradverbot im Park besteht, wird dieser Weg von Radlern gern als Abkürzung zwischen der Hauptstraße und dem Wohnkiez nördlich des Parks genützt. Aber: „Da seit einigen Jahren das Fahrradfahren in Parkanlagen von politischer Seite erwünscht ist, müssen in den dafür genutzten Parks auch die Wege an die neuen Bedürfnisse angepasst werden.“ Aus Kostengründen ist hierfür der von manchen Anwohnern unbeliebte Asphalt, wie er auch im Nelly-Sachs-Park im Schöneberg Norden Anwendung fand, vorgesehen.

Schworcks Argumentation zu-folge soll der Heinrich-Lassen-Park nachhaltig, nützlicher, praktischer, sicherer und vor allem attraktiver gestaltet werden. Neben dem Entwässerungssystem, der (unterirdischen) Parkmülldeponie und der Fahrradstraße wird aus den zwei Eingängen der Belziger Straße einer entstehen, der repräsentativer erscheinen soll. Nahezu alles Gebüsch, Gehölz und Gesträuch entlang der Belziger-Straße-Parkseite ist dazu entfernt worden. Hier argumentiert Schworck auch mit Beschwerden von Parknutzern, die sich an „herumsumpfenden Obdachlosen und Alkohol-süchtigen“ störten. Aus der Nachbarschaft kommt aber auch Widerspruch. „Es wird behauptet“, sagt beispielsweise Frau Bartram, „dass die ‚soziale Kontrolle’ bei dem Abholzen eine Rolle spielte. Aber mal ehrlich, die ‚Alkis’, die im Lassen-Park auf den Bänken herumsaßen, haben kaum jemandem wirklich belästigt. Auch die gehören zur ‚Community’. Mit denen kann man reden – so nach dem Motto, ‚He! Ihr! Seid mal ruhig!’“ Von lauernden Drogenhändlern oder Straßenräubern sei, so Bartram weiter, keine große Rede.

Unmittelbar nach den ersten Um-bauten formierte sich eine Initiativgruppe namens „Lassenpark lassen!“, die Einfluss auf die Ausführung der Parkumgestaltung nehmen will. Frau Stepha Schweiger aus der Barbarossastraße ist eine der MitbegründerInnen. „Nach den ersten Eingriffen haben wir sofort reagiert und einen Brief an die BVV geschrieben. Die Grünen und CDU, zusammen mit den Grauen, waren selber überrascht von den Ausmaßen der Umgestaltungspläne und haben einen Baustopp erwirken können.“

Priorität hat jetzt, so Schweiger, den ursprünglichen Zustand des Parks wieder herzustellen, d.h. abgetragene Bäume und Gesträuch zurückzuholen, angelegte Fuß- und Fahrwege zu beseitigen. Ihr Mitstreiter Christian Storbeck, Vater dreier Kinder aus der Meininger Straße, äußert sich hierzu zurück-haltender. „Es ist traurig zu sagen, aber was schon ‚umgestaltet’ worden ist, ist nicht leicht zurück-zubauen. Es geht aber darum, weitere schädigende Eingriffe an dem Park zu unterbinden.“ Weiterhin beklagt er, dass die Liegefläche durch die Neugestaltung des Eingangsbereichs an der Belziger Straße schon sichtlich verkleinert wird, und dass die neue Fahrradtrasse direkt an dem Kleinkindspielplatz vorbeilaufen soll. Beide Nachbarschaftsaktivisten kritisieren die aus ihrer Sicht unbedachte Planung und verlangen eine Akteneinsicht bei den zuständigen Fachressorts.

Eine „Facebook“-Fanseite zum Park wurde eingerichtet; Aufkleber in Ortsausgang-Straßenschild-Optik (mit einer roten, diagonal verlaufenden Linie mit der Aufschrift „Lassenpark 21“) sind im Umlauf – ähnlich wie die der Kampagne gegen „Stuttgart 21“. Lars Oberg, SPD-Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses aus Schöneberg (und selbst gebürtiger Stuttgarter) merkt dazu an: „Es ist zur Zeit sehr beliebt, jede Form von Bürgerengagement für bzw. gegen eine Sache mit Stuttgart 21 zu vergleichen.“ Diesen Vergleich will Oberg nicht ziehen: „Wir in Schöneberg (können) noch sehr gut miteinander reden und den Dialog auch ohne Heiner Geißler hinbekommen“.

Oberg findet es „selbstverständlich, dass die Anwohner an der Umgestaltung des Parks beteiligt werden wollen. Zudem sei es „grundsätzlich positiv, dass der Bezirk Geld in seine Grünanlagen steckt. Wichtig ist – und das gilt gerade auch für den Heinrich-Lassen-Park –, dass Umgestaltungen bzw. Veränderungen von Parkanlagen dazu führen, dass diese für die Anwohner und Nutzer noch attraktiver werden“.

Ob Baupause, -einstellung, -rückbildung oder -fortsetzung – mit oder ohne Schlichtung –, jetzt wird zwangsläufig erst einmal abgewartet. „Durch den Baustopp“, ermahnt Stadtrat Schworck, „wird sich die Fertigstellung mindestens um ein Jahr, möglicherweise aber auch um zwei Jahre verzögern. Da ohnehin in mehreren Bauabschnitten (aus finanztechnischen Gründen, A.d.R.) gebaut werden soll, wird die Fertigstellung erst in den nächsten Jahren erfolgen können.“

Darüber werden allermindestens die Gewerbetreibenden, die von der Parknutzer-Laufkundschaft leben, sicherlich nicht erfreut sein.

T. W. Donohoe

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