Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

25.02.2014

Neues Zuhause für Victoria & Co.

Beim Spaziergang durch den Botanischen Garten fällt der Blick seit ein paar Monaten nicht nur auf die Gewächshäuser, sondern vor allem auf die Baustelle davor, die den Besucher an den Verpackungskünstler Christo erinnert.

Foto: Christine Sugg

Grund ist die Sanierung des sogenannten Victoria-Hauses, dem Gewächshaus, das die tropischen und subtropischen Sumpf- und Wasserpflanzen sowie den zentralen Eingangsbereich beherbergte. Im Zuge der Baumaßnahme wurde der Eingang zu den Gewächshäusern verlegt, das Café und der Laden "Pflanzenreich " mussten ebenfalls umziehen.

Um jetzt in die Gewächshäuser zu kommen, muss der Besucher hinter das große Tropenhaus laufen, vorbei am neuen Standort des Ladens in einem Container. Der neue provisorische Eingang liegt ebenfalls in einem Container. Diese Art von Schleuse ist wichtig, um im Winter die Kälte fernzuhalten und so im anschließenden tropischen Nutzpflanzenhaus eine konstante Temperatur von 28 bis 30 Grad zu halten. Ein weiterer Vorzug dieses Eingangs ist, dass er barrierefrei ist. Das Café hat seinen Standort vorübergehend im neuen Glashaus schräg gegenüber. Dort ist es im Vorraum zu einem Saal untergebracht. Insgesamt wirkt das Café nicht sehr groß und etwas dunkel. Schöner dagegen wird es sein, vor dem Haus auf der Terrasse zu sitzen. Stühle und Tische stehen bereits draußen und laden dazu ein, die ersten warmen Sonnenstrahlen zu genießen.

Durch die Gewächshäuser ist zur Zeit kein Rundgang möglich, Aus- und Eingang sind im Container. Jedoch ist positiv anzumerken, dass den Besuchern trotz Sanierung die Besichtigung von fast allen Gewächshäusern möglich ist.

Das Victoria Gewächshaus, 1909 gebaut, ist eines von insgesamt 14 Häusern, die unter der Leitung von Regierungs-Baurat Alfred Körner entstanden. Das Victoria-Haus galt als die "Krönung" des Ensembles, denn hier waren der Haupteingang und der Beginn des Rundgangs. Bis 2006 konnte der Besucher dort im Untergeschoss eine der weltweit wichtigsten Sammlungen von Unterwasser-pflanzen bewundern. Im Obergeschoss wuchsen bis 2009 vor allem tropische Seerosen, darunter die Riesenseerosen namens Victoria amazonica und Victoria cruziana. Sie waren die Attraktion des gleichnamigen Gewächshauses. Ihre Blätter messen bis zu zwei Meter und die Blüten sind bis zu 30 cm groß. Die Schwimmblätter können Babys und kleine Kinder tragen, ohne dass diese untergehen. Die engagierten Gärtner des Botanischen Gartens zogen jedes Jahr aus selbst geernteten Samen neue Jungpflanzen. Schon 1910 blühte die erste Victoria Seerose, und die Seerosen haben viele Krisen überstanden. In Zukunft wird man nach dem Umbau wieder diese prachtvollen Pflanzen bestaunen können. Außerdem wird sich der Besucher im Untergeschoss in 19 Wasserbecken und einer Ausstellung über die tropischen Wasserpflanzen informieren können.

Einst war das Victoria-Haus ein Meisterwerk der Technik seiner Zeit, so gab es zum Beispiel ein modernes Dampfheizungssystem. Es arbeiteten vier bis fünf Heizer rund um die Uhr in der Dampf-zentrale, um die Temperatur in den Gewächshäusern und in den Wasserbecken zu halten. Doch nagte das feucht-heiße Klima über die Jahre an der Bausubstanz. Das Resultat waren durchfeuchtete Wände, verrottete und defekte technische Anlagen sowie fehlende Scheiben in der Glashülle. 1966 fand eine Generalüberholung statt, und seit 2006 wartet nun das Gewächshaus auf seine Sanierung, die  insgesamt ca. 10 Millionen kosten wird und vom Land Berlin (6,3 Mio.) und EU Geldern (3,7 Mio.) finanziert wird. Die Kohleheizung wurde zwar später durch zentrale Fernwärme ersetzt, doch blieb das Victoriahaus bis 2006 einer der großen Energiefresser des Botanischen Gartens. Durch die denkmalgerechte Sanierung soll die Hälfte der Energie eingespart werden, so sollen die Kohlendioxid-Emissionen gesenkt werden. Voraussichtlich Ende 2015 werden die Baumaßnahmen abgeschlossen sein, und danach wird man wieder tropische Pflanzenvielfalt im Victoria-Haus bewundern können. Neben der Energieeffizienz wird die Barrierefreiheit von Eingangsbereich und Besuchertoiletten ein weiteres Plus der Sanierung sein.

Eine weitere Baumaßnahme im Botanischen Garten ist der Neubau der Dahlemer Saatgut Bank. Dieser wird durch private Mittel ermöglicht. In der Saatgut Bank lagert Saatgut von ca. 10.000 zum Teil gefährdeten Pflanzen, die es zu erhalten und zu erforschen gilt.

Trotz aller Bauarbeiten gibt es im Botanischen Garten noch viel zu sehen, so kann man auf eigene Faust auf den Jahreszeitenpfaden die saisonalen Pflanzen entdecken oder sich bei einer botanischen Führung  oder einem botanisch-literarischen Spaziergang über die vielfältige Pflanzenwelt informieren.

Christine Sugg

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden